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(c) Pester Lloyd / 49 - 2009  WIRTSCHAFT 02.12.2009
 

Fliegen am seidenen Faden

Die Eigentümer machen der Malév mehr zu schaffen als die Wirtschaftskrise

Der Chefmanager der Fluglinie Malév, der Deutsche Martin Gauss, muss ein harter Knochen sein. Denn, was immer er im operativen Bereich für die nächsten Jahre geplant hat, hängt am seidenen Faden der Launen und Ränke der Eigentümer, von denen niemand so richtig weiß, was sie als nächstes tun, oder - schlimmer - unterlassen werden. Gauss geht aber unbeirrt seinen Weg. Er will die Malév sanieren und denkt auch nicht an Rücktritt, wenn ihm die Eigentümer wieder und wieder Steine in den Weg legen. Einen Plan B gibt es ohnehin nicht.

Der Mann fürs Operative, Chefmanager der Malév, Martin Gauss, hier (rechts im Bild)
im Frühjahr bei der Bestellung von 30 Suchoi Superjets in Moskau

Kosten drücken ist Hauptaufgabe

Bis 2012, so sagt er, will er wieder einen operativen Gewinn einfahren, in diesem Jahr wird Malév allerdings mit tiefroten Zahlen abschließen. 2008 sammelten sich 10 Milliarden Forint Verlust (nach heutigem Kurs fast 37 Mio EUR) an. Für dieses Jahr werden wieder Verluste von 5-7 Milliarden erwartet, wobei sich die Passagier-Kennziffern, Umsätze und Kosten seit einigen Monaten spürbar verbessern. Doch gerade das Kostenmanagement ist immer noch die größte Herausforderung, trotz einiger Entlassungswellen, allein im Frühjhar gingen 180 Mann und einem laufenden Restrukturierungsprogramm (bisheriger Spareffekt 6 Mrd. Forint), trägt die Malév immer noch schwer an altem, verkrustetem Erbe. 20-30%, so schätzen Experten, müssen die Kosten weiter runter, um überhaupt profitabel wirtschaften zu können. Gauss plant weiteren Stellenabbau, 2012 soll die Malév im Kernbetrieb mit ganzen 1.000 Mitarbeitern auskommen.

Kleine Erfolge, aber fehlende Rückendeckung

Als Erfolg kann Gauss das Online-Marketing verbuchen. Den Anteil der im Internet verkauften Ticket konnte er binnen 6 Monaten von 9 auf 18% verdoppeln. Die Destinationen sind bereits weitgehend angepasst, so dass der kommende Sommerflugplan im wesentlichen die gleichen Strecken wie in diesem Jahr bereit halten wird. In Richtung Balkan wird man die Kapazitäten sogar erhöhen, auch der Transitverkehr von und nach Russland könnte steigen. Gauss räumte in einem Beitrag der Wirtschaftszeitung Világgazdaság ein, dass die Schlüsselfrage zum Erfolg die klare Entscheidung für ein Geschäftsmodell ist. Malév kann durch seine Eigentümer, die auch die Aeroflot kontrollieren, ein zentraler Verteiler-Hub und EU-Link für den russischen Markt, inklusive der exsowjetischen Staaten nach Mitteleuropa und vice versa werden. Dabei, so Gauss, setzt man auf sparsame Touristen ebenso wie auf Geschäftsreisende mit höheren Ansprüchen.

Die Russen sagten einfach: Njet.

Die Grundfrage der Malév ist zur Zeit die nach der künftigen Eigentümerstruktur, aus der sich die Finanzierungssicherheit ergibt. Ohne zusätzliches Kapital, im Raum stehen um die 150 Mio EUR, ist eine Entwicklung hin zu einer mittelfristig stabilen Marktposition kaum möglich. Die russischen Eigentümer, die staatliche VEB Bank (sie halten die faktische Mehrheit an Malév-Eigentümer AirBridge, das auf dem Papier mehrheitlich in Besitz einer ungarischen Anwältin ist, damit die EU-Rechte erhalten bleiben), drohten dem ungarischen Staat indirekt mit Totalabsturz, wenn dieser nicht finanziell einspringt, obwohl laut Privatisierungsvertrag eigentlich der ursprüngliche Käufer Boris Abramowitsch, bzw. seine Rechtsnachfolger, in dem Falle sein Gläubiger VEB, zur Investition verpflichtet wären. Die Russen sagten einfach "Njet."

Als Geld scheinbar noch keine Rolle spielte... Eine Malév Crew 1981

Rückverstaatlichung als Vabanque-Spiel

Doch dem Finanzminister Péter Oszkó blieb nach etlichen Scharmützeln über Staatsgarantien, Strafzahlungen und Gesprächen in Moskau nichts weiter übrig als einen Schuldennachlass von rund 19 Milliarden Forint (ca. 70 Mio EUR) im Tausch für einen Minderheitsanteil anzubieten. Diese Teilrückverstaatlichung, von der niemand weiß, ob sie sich jemals rechnen wird, kann noch Ärger mit den EU-Wettbewerbsbehörden einbringen, die den Anteilserwerb dann als unerlaubte Beihilfe einstufen kann, wenn die dafür erworbenen Anteile nicht dem tatsächlichen Wert des Unternehmens entsprechen. Die Russen sind damit erst einmal fein raus, immerhin haben sie den ungarischen Staat in der Pflicht, behalten aber als Mehrheitseigner selbst das Sagen.

Was Martin Gauss nun zum arbeiten benötigt, sagt er klar: "frisches Kapital in Form von Bargeld, um arbeiten und uns reorganisieren zu können. Eine ideale Lösung wäre es, wenn das nicht aus Steuergeldern" geschehen müsste, sagte er der Tageszeitung Népszabadság. Die Umwandlung der Schulden in eine teilweise Staatsbeteiligung sei da zwar "eine realistische Lösung", aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Es gebe "keinen Plan B", wenn die notwendige Kapitalausstattung nicht gewährleistet werden kann.

-red

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