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(c) Pester Lloyd / 49 - 2009 POLITIK 30.11.2009
Alles Hysterie?
Offizielles Zweifeln verboten: Ungarn setzt auf Vollimpfung gegen Schweinegrippe - 34.000 neue Fälle in einer Woche?
Seit letzter Woche gibt es im ganzen Land mehr als 200 Impfzentren, in denen sich Impfwillige zügig mit dem Impfstoff gegen das H1N1-Virus versorgen lassen
können. 1,5 Millionen sind schon versorgt, angeblich explodieren die Grippefälle geradezu. Generalstabsmäßig wird die Massenimpfung abgespult, begleitet von reichlich Propaganda.
Ungarn hat in den letzten Wochen seine Bemühungen im Kampf gegen die neue
Grippe deutlich verstärkt. Seit letzter Woche gibt es im ganzen Land mehr als 200 Impfzentren, in denen sich Impfwillige zügig mit dem Impfstoff gegen das
H1N1-Virus versorgen lassen können. Zuvor war es auch hierzulande in einigen Apotheken zu langen Schlangen gekommen. Die Menschen kauften so ziemlich alles,
was gegen Vireninfektionen und die Übertragung selbiger hilfreich sein soll, weil die Austattung von Arztpraxen und Krankenhäusern mit dem Impfstoff nicht besonders
flächendeckend war. Das Gesundheitsministerium hat weiterhin eine Vereinbarung mit der Polizei getroffen, die sich um die Sicherheit der Impfstofftransporte kümmern wird.
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Tamás Székely, der ungarische Gesundheitsminister, teilte außerdem die
Einrichtung einer eigenen Informationsseite im Internet mit, die über die Impfungen, Vorsorge und Behandlung aufklären soll www.jarvany.hu . "Ich kann nur
jedem empfehlen, sich impfen zu lassen", sagte Székely. Regierungsmitglieder hatten sich schon vor einiger Zeit vor laufenden Kameras impfen lassen, was zu
einigem Umut führte, weil der Impfstoff für das Volk noch gar nicht flächendeckend zu erhalten gewesen war. In den ersten vier Tagen ihres Bestehens
haben, laut dem Minister, die Impfzentren 8.400 Dosen verabreicht. Bis 30. November sollten alle 4 Millionen vertraglich zugesicherten Dosen ausgeliefert sein,
zu einem Engpass werde es daher nicht mehr kommen. Bis zu 20.000 Menschen könnten nun täglich geimpft werden. Insgesamt seien 1,5 Millionen der zehn
Millionen Einwohner gegen die "Schweinegrippe" geimpft.
Die Sinnhaftigkeit der Impfung für gesunde Menschen und die Sicherheit des in
Ungarn entwickelten Impfstoffes für Kleinkinder und Schwangere ist nach wie vor heiß diskutiert, Zweifel wird aber regierungsseitig negiert. Viele Experten sind
überzeugt davon, dass die Schweinegrippe zwar hoch ansteckend ist, aber in Umfang, Schwere und Verlauf in keinster Weise an die Gefährlichkeit der normalen
Grippe heranreicht. Die Kritik von etlichen Ärzten und anderen Experten wurde aber zum Verstummen gebracht, allgemeiner Behördenkonsens ist nun die flächendeckende Impfung möglichst aller Bewohner.
Die ungarischen Ärzte meldeten in der vergangenen Woche 34.000 Fälle "mit
grippeähnlichen Symptomen", ein Plus zur Vorwoche von 55% bei den veröfentlichten Meldungen. Wieviele davon nachweislich H1N1 haben, erfährt man nicht, weil man
genaue Tests längst aufgeben hat. 234 Patienten werden derzeit wegen Grippe in ungarischen Krankenhäusern behandelt, meldet das Gesundheitsamt. Solche Zahlen
verfehlten ihre Wirkung nicht, die Impfwilligkeit der Ungarn ist binnen 30 Tagen von 16 auf 30% angestiegen.
Unterstützt wird die allgemeine Hysterie von Äußerungen von staatlich
beschäftigten Forschern, die u.a. erklären, dass man das H1N1-Virus zuerst unterschätzt hätte. Der Immunbiologe András Falus von der Semmelweis Universität
behauptet gar, dass die pandemische Verbreitung des Virus´ "Stoffe erzeugen kann, die die normale Widerstandskraft des menschlichen Körpers schädigen können" und
warnte vor dauerhaften Schäden an Lungenzellen, die später zu gefährlichen Lungenentzündungen führen könnten. Freilich Aussagen, die auf jede Grippe zutreffen.
Ungarn meldete bisher acht Todesfälle im Zusammenhang mit der neuen Grippe,
wobei nicht einer davon Menschen ohne Vorerkrankungen und -schädigungn und / oder chronische Belastungen ereilt hat. Bei einigen kann nicht einmal ein direkter
Zusammenhang zwischen dem Erreger und den Todesumständen belegt werden. Die Zahl der saisonnalen Grippetoten in Ungarn liegt, laut Schätzungen zwischen 800
und 1.500 pro Jahr, weshalb die Frage, wem das Getöse um die neue Grippevariante eigentlich nutzt, von großer Relevanz ist.
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