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(c) Pester Lloyd / 49 - 2009  POLITIK 03.12.2009
 

Lieber weit weg

Der ungarische Präsident auf Asientournee

Während sich Regierungschef Gordon Bajnai, auf Einladung des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden, vier Tage in den USA vom heimischen Lärm erholen darf, zieht es den Staatspräsidenten, László Sólyom schon seit einiger Zeit in weite Fernen. Erst kürzlich besuchte er Australien und Neuseeland, nun war er drei Tage in Südkorea und verbringt den Rest der Woche in Japan. Was macht er da?

Böse Budapester Zungen behaupten ja, der Staatspräsident reise jetzt nur deshalb so häufig in ganz ferne Länder, weil er in den Nachbarstaaten einfach kein Glück hat. In Rumänien schaffte er es, statt zum Amtskollegen, nur in ein siebenbürgisches Fettnäpfchen und in die Slowakei kam er erst gar nicht hinein (mehr zu diesen Highlights präsidialer Außenpolitik finden Sie in unseren Beiträgen unter diesem Text). Es scheint also eindeutig im Interesse Ungarns zu liegen, den Präsidenten möglichst weit weg zu wissen. Er wird nichts dagegen haben, denn wirklich erbaulich ist die Stimmung in der Heimat im Moment nicht.
 

Der ungarische Staatspräsident László Sólyom mit seinem
südkoreanischen Amtskollegen Lee Myung-bak

Um kritische Stimmen, die nach Sinn und Preisen solcher Reisen fragen, im Keim zu ersticken, verkündete der Präsident gleich am ersten Tag seines Aufenthaltes in Seoul eine 400 Mio USD teure Investition des Reifenriesen Hankook in Dunaújváros. Diese stand zwar schon seit Monaten fest, aber für so viel Geld kann man schon einmal persönlich anreisen, um sich die Auftragsbestätigung abzuholen. Was treibt den Präsidenten, der laut Verfassung ja eigentlich keine operativen politischen Aufgaben wahrnehmen soll, sonst durch die Welt?

In Australien und Neuseeland hat sich Sólyom allerhand erneuerbare Energieerzeugung vorführen lassen. Neben den ethnischen Minderheiten in den Nachbarländern, sind Solar- und Biomassekraftwerke sein zweites Hobby. Immerhin hatten den konservativen Rechtsprofessor dereinst auch Umweltgruppen zur Kandidatur gebracht. Ob aus den Besichtigungen jedoch konkrete Kooperationen hervorgingen, dazu schweigt man. In Südkorea nun konnte er neben dem Ausbau des Hankookwerkes auch die Schaffung eines gemeinsamen Foschungsinstitutes in Budapest verkünden, das in der nächsten Zeit mit immerhin vier Millionen Dollar ausgestattet werden soll. Seine Reise markierte den 20. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Sólyom versuchte, so oft wie möglich Vertreter der Wirtschaft und der Wissenschaften zu treffen und seiner Reise so praktische Kontakte folgen zu lassen. Das Handelsvolumen mit dem asiatischen Tiger liegt noch bei recht bescheidenen 1,5 Mrd. EUR im Jahr und gerade vierzig südkoreanische Unternehmen engagieren sich in Ungarn. Sólyom will sich nun dafür einsetzen, dass das Handelsabkommen zwischen der EU und Südkorea schnell ratifiziert wird und damit etliche Zollschranken in beide Richtungen fallen. Bei weiteren Treffen wurde verabredet, dass die Südkoreaner demnächst ein eigenes Kulturinstitut in Budapest einrichten werden, die Franz Liszt Musikakademie wird eine Zweigestelle in Seoul eröffnen. Auf weiteren Stationen der Reise sah sich Sólyom das Weltkulturerbe, den buddhistischen Bulguska-Tempel in Kyongju an und ließ sich zum Ehrendoktor ernennen.

Am Mittwoch traf der Präsident in Japan ein, mit dem man bereits seit 50 Jahren diplomatische Beziehungen unterhält, rechnet man K+K mit - und das ungarische Präsidalamt tut das ausdrücklich -, hält man schon seit 140 Jahren offizielle Kontakte. Bei einem ersten Meeting in der ungarischen Botschaft in Tokio versammelten sich Mitglieder der japanisch-ungarischen Freundschaftsgesellschaft, Prinz Akishino, der Zweitgeborene des Kaisers verlieh, gemeinsam mit seiner Gemahlin Kiko, dem Treffen aristokratischen Glanz.

Aus Anlass des diplomatischen Jubiläums veranstalteten beide Länder im jeweils anderen über das ganze Jahr eine Reihe von kulturellen Events, jene in Japan sollen 150.000 Bescuher gehabt haben. Am Donnerstag steht die Audienz bei Kaiser Akihito an, es folgen die Treffen mit Ministerpräsident Yukio Hatoyama und mit beiden Parlamentspräsidenten sowie ein Wirtschafts-Rundtisch, der hoffentlich auch dort jene Kontakte zu Stande bringt, die den Reiseaufwand für Ungarn armotisieren.

-red

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