Hauptmenü

 

 

 

 

(c) Pester Lloyd / 50 - 2009  AKTUELL 07.12.2009
 

Betrug, Bestechung, Unterschlagung

Polizei Budapest zur Verhaftung von Direktoren der Verkehrsbetriebe und des Flughafens

Am Wochenende sind die Direktoren der Rechtsabteilungen der Budapester Verkehrsbetriebe (BKV) sowie des Flughafens Budapest (BA) verhaftet worden. Beiden werden schwerwiegende Straftaten, wie Bestechung, Unterschlagung und Betrug in Millionenhöhe vorgeworfen.

Der Leiter der Rechtsabteilung der Verkehrsbetriebe BKV, György Sziebert, der früher ebenfalls am Airport arbeitete, wurde bereits am Freitagabend mit einer großen Menge Bargeld im Parkhaus eines Einkaufszentrums festgenommen, am Samstagmorgen erfolgte dann der Zugriff auf seine Kollegin vom Flughafen, Krisztina Rényi-Vámos, in deren Wohnung, teilt die ungarische Nachrichtenagentur MTI mit Bezug auf einen Polizeisprecher mit. (Fotos der Verhafteten in unserer ersten Meldung)

Die Polizei erklärte am Montag, dass man auch gegen drei weitere Mitarbeiter der Unternehmen ermittle, nannte jedoch nicht deren Namen oder Funktionen. Bereits seit April hat man von einer "Privatperson" einen Tipp erhalten, sagte Fanni Horváth, eine Polizeisprecherin.  Der Rechtsdirektor des Budapester Flughafens ist am Freitag in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums gestellt worden und hatte, mit zehn Millionen Forint an Bord seines Autos, sogar noch einen Fluchtversuch unternommen. "Spezialagenten" konnten ihn aber schnell zur Strecke bringen. Eine erste Hausdurchsuchung erbrachte zusätzlich noch eine "kleinere Menge von Drogen", offenbar für den persönlichen Bedarf, womit sich die Ermittlungsakte um einen weiteren Tatbestand erweitert.

Der Flughafensprecher Tamás Hardy erklärte sich und sein Unternehmen "geschockt" über die Neuigkeit, auch die Sprecherin der Budapester Verkehrsbetriebe schien überrascht. Man wusste zwar über Ermittlungen, sie erfuhr aber von der Festnahme erst aus den Medien. Sie wisse auch nicht, ob die Festnahme irgendetwas mit der Tätigkeit bei der BKV zu tun habe, man werde aber "uneingeschränkt" mit den Behörden zusammen arbeiten.

So weit sich die Informationslage überblicken lässt, geht es im wesentliche darum, dass die beiden Verdächtigen an einigen Vertragsabschlüssen ihrer Firmen mitgeschnitten haben. Wer zum Lieferanten werden wollte oder sonst Interesse an Aufträgen hatte, musste "Bakschisch" zahlen, eine nicht neue "Geschäftspraxis" und wirklich auch keine ungarische Erfindung, die hierzulande aber zu einiger Perfektion gereift ist. Auch die provisionspflichtige Abgabe von Fällen an "befreundete" Kanzleien steht im Raum. Als Leiter der Rechtsabteilungen saßen beide praktischerweise an der vertraglichen Quelle solcher Geschäfte. Freilich gilt für beide Verdächtigen bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Dass beide Unternehmenssprecher ziemlich hilflos reagierten, ist ein Hinweis darauf, dass man die Unternehmensführungen - wohl aus gutem Grund - nicht in die Ermittlungen einbezogen hat. Die BKV steht schon seit Monaten im Rampenlicht, nachdem dort - unter anderem - Lohnfortzahlungen an längst gekündigte Manager und überhöhte Abfindungen aufgeflogen sind. Der Budapest Airport Ferihegy wird von einer Tochtergesellschaft des deutschen Konzerns Hochtief betrieben.

Hintergründe zum Thema:

Das Selbstbedienungsland
Vier Fälle von Korruption und Intransparenz in Ungarn

Endstation Chaos
Der BKV-Skandal in Budapest landet vor dem Parlament

 

 

 

KOMMENTAR IM GÄSTEBUCH ABGEBEN
 


 

 

IMPRESSUM

 

Pester Lloyd, täglich Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa, Kontakt