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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009 KULTUR 14.12.2009
Gedanken in Quarantäne
Eine Ausstellung über das Béla Balázs Filmstudio in der Kunsthalle Budapest
Mit minimalem Budget und unter ständigem Druck der Zensur erarbeitete sich das Filmstudio hohe Anerkennung. Es erwarb sich eine Ausnahmestellung in
der Geschichte des ungarischen Films, der Kunst und der Intellektuellenszene. Dieser besonderen Institution spürt die Ausstellung in der Kunsthalle nach.
Es war noch keine vier Jahre her, dass der Aufstand der Ungarn gegen
das kommunistische Regime mit „Hilfe“ von Sowjetpanzern blutig niedergeschlagen wurde – das Trauma der ungarischen Opposition, das oppositionelles Gedankengut lange Zeit aus dem öffentlichen Leben
verbannte – da erblickte das Balázs Béla Stúdió (BBS) das Licht der Welt. 1959 auf Intitiative einiger junger experimenteller Filmemacher ins Leben gerufen, nimmt
dieses nach dem ungarischen Filmtheoretiker (und eigentlichem Gründer dieser Zunft) und Schriftsteller benannte Studio eine Ausnahmestellung in der Geschichte
des ungarischen Films, der Kunst und der Intellektuellenszene ein – ja sogar denen des gesamten ehemaligen Ostblocks.
Denn indem die jungen Künstler ein minimales Budget in Kauf nahmen, erreichten
sie – ganz im Gegensatz zur restlichen Filmindustrie – eine sehr geringe Zensur durch die staatlichen Institutionen. So konnten experimentelle, poetische oder
satirische Filme entstehen, die sich auf völlig freien Wegen vom Regime zugelassenen Themen wie Bildung, „Arbeiterklasse“ oder die deprimierende
wirtschaftliche Lage nähern konnten. Doch während das bald internationale Anerkennung gewinnende Studio in der ungarischen Intellektuellenszene immer
wichtiger wurde und sich Ende der 60er Künstlern, Schriftstellern, Musikern und auch Soziologen aus dem Budapester Untergrund öffnete, blieben öffentliche Vorführungen der Produktionen bis 1989 verboten.
Namensgeber und Inspirator Béla Balázs (links) mit György / Georg Lukács
Um diese wichtige Etappe der ungarischen Film-
und Kulturgeschichte den jüngeren Generationen näherzubringen, gibt es jetzt eine Ausstellung in der Kunsthalle Budapest zum 50-jährigen Jubiläum des Studios. In Anlehnung an die experimentelle
„Tradition“ des BBS (denn Tradition ist, wie es Gustav Mahler einmal formulierte, nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weiterreichen des Feuers) nähert sich die Ausstellung dem Studio
jedoch nicht in schlicht chronologischer Weise, sondern sucht selber fragend nach Wegen der Rekonstruktion dieser Geschichte – und fokussiert dabei auf Orte, Szene und Ereignisse, die auf
Photographien, in Zeitungen, Essays und Kunstwerken medialisiert sind. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung wird jeden Nachmittag um 14 Uhr ein Film aus dem Archiv des
Studios gezeigt, Donnerstags werden ExpertInnen und KünstlerInnen zur Diskussion und Filmbesprechung laden (Donnerstags hat das Museum bis 22 Uhr geöffnet)
BBS 50. Other Voices, Other Rooms – Attempt(s) at Reconstruction.
The 50 Years of te Balázs Béla Studio vom 16. 12. 2009 – 21. 2. 2010, Mücsarnok Kunsthalle Budapest, Dozsa György ut 37. (Hösök tere) Mehr: www.filmkultura.hu
Zum illustren Leben von Béla Balázs, Filmtheoretiker, Ästhetiker im Kreise von Gerorg Lukács, Schriftsteller, Librettist, Autor des Pester Lloyd
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