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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009  KULTUR 19.12.2009

 

Lieber in den Park

Versuch über einen "Meditationsweg" in der Budapest Galéria

Die Zeit ist eines der großen Themen in der bildenden Kunst. Große und kleine Künstler haben sich mit ihrer Wirkung, ihrem Vergehen auseinandergesetzt, niemand konnte sich ihr entziehen. Leider auch nicht Péter Soós, Künstler und Kurator in dunklen unauffälligen Kleidern und mit einem relativ ernsten Blick. Der vermeintliche Visionär möchte in der Budapest Galerie einen Meditationsweg initiieren.
 

Während der Neueröffnung der Budapest Galéria fallen Worte vom „Übertritt in eine andere Welt“, „die Ausstellung selbst ist Kunst“ und „es ist ein Spiel von Altem und Neuen“. Was aber ist tatsächlich zu sehen? Zunächst einmal große und kleine Bilder einheitlich gefärbt in rot bis blau. Dann Porträts von Soós, wie er mit Krügen und Schalen posiert. Meditationsweg? Die kunstvollen Krüge, die unter Plexiglas ganz für sich stehen sind bis zu 3300 Jahre alt. Von mysteriösen Kulturen in Kolumbien oder von Chinesen der Han Dynastie angefertigt, wecken sie Ehrfurcht und Respekt.

Doch gerade in diesem Moment als der Besucher einen Funken von Magie verspürt und beginnt in eine andere, von einem Laudator begeistert aufgefasste Sphäre zu steigen, schwindet der Zauber. Der Kahlkopf von Soós neben Werken, die sein künstlerisches Schaffen drei Mal in den Schatten stellen wirken wie Hohn. Der Kontrast von bunten Bildern und uralten Gefäßen kommt einer Schändung, wenigstens einer Parodie gleich.

Auch der Bezug auf Michel Foucault, der genauso wie Soós Versuche, Zeitverstehen zu relativieren, indem er den Zugang zur Zeit kontextualisiert, kann den Eindruck nicht entkräften. Soós mag diese Gedanken aufgegriffen haben und versucht haben, mit herkömmlichen Assoziationen zum Thema Menschheitsgeschichte zu brechen, dafür sind seine Urteile aber zu schwach. Nicht der Kontrast zu bunten Bildern bewegen den Besucher, sondern viel mehr die viel zu banale Umsetzung.

Für die Betrachtung interessanter, guter Arbeiten bietet die Galerie zu wenig. Für einen tiefen Meditationsgang zu viel. Der Raum ist voll mit immer gleichen, langweiligen Aussagen und zu allem Überfluss dann noch eine, weil es gerade trendy ist, in den Raum gestopfte Videoinstallation, die mit seltsam dreinschauenden Nonnen, der Ausstellung ihren Todesstoß versetzt. Vielleicht hätte etwas mehr Mut und stärkere Urteile, den Meditationsgang gerettet, so können sich die Freidenker Ungarns blicken lassen und meditieren, wahrscheinlich aber so, wie sie es auch im Park nebenan könnten.

Tibor Wilhelm Benedek

BUDAPEST GALÉRIA , 1056 Budapest V., Szabad sajtó út 5.
Telefon: (06 1) 318 8097, e-mail:
csik@budapestgaleria.hu
 

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