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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009  BUDAPEST 14.12.2009

 

Akademisches Trichtersaufen

Jeder kann hier mit jedem: College-Partys in Budapest

Zu Hunderten finden dieser Tage Studentenpartys statt. Eine Besonderheit dabei stellen die legendären „Kollég buli‘s“ in Budapest dar. Die wilden Tanz -und vor allem Trinkgelage sind der Wochenhöhepunkt der angehenden Akademiker und auch für Nichtstudenten eine interessante Abwechslung, wenn man Kondition, Stehvermögen und einen Hang zum Exzess mitbringt.

Gergö ist 23 und hat sich mit Tarnfarbe bemalt. Seinen kleinen rundlichen Körper ziert ein American Football Trikot. „College Party“ grunzt er vergnügt durch ein Megafon. Einige Gäste haben sich dem Motto entsprechend gekleidet. Die meisten Besucher aber sind „Normalos“: gemütliche Sweatshirts, weite Hosen und fast nur Turnschuhe. Die Wirtschafts- bzw. Technikstudenten trinken in ihren Zimmern vor, zwar füllt sich der Raum erst allmählich, die Stimmung ist dafür schon gut. Der dicke Gergö initiiert ein „collegetypisches Trichtersaufen“ und lässt seine Opfer aus einem abgekappten Gartenschlauch mit Alkohol versorgen. Die Kandidaten werden inbrünstig gefeiert und lassen sich auch von kursierenden Schweinegrippewarnungen nicht aus der Ruhe bringen.

Keiner vermisst die Pom Pom Lányok

Die Gerüchte, Partys in solchen Wohnheimen seien besonders wild, bewahrheiten sich tatsächlich und so ist es kein Wunder, dass die Bewohner, bei extra eingerichteten Kontrollen ihre Zimmernummern und Namen angeben müssen. Beeindruckend ist die Eigeninitiative der Studenten. Alleine vier DJs sind geladen und ein großes Team in Polo-Shirts kümmert sich um den Getränkeverkauf wie um die kostenlose Garderobe. Dass der Raum wenig geschmückt ist und die angekündigten Pom Pom Lanyok (Cheerleader) allenfalls in der aufgelegten Hip Hop und Party Musik eine Rolle spielen fällt nicht so schwer ins Gewicht. Dafür macht der spontane Gergö Stimmung und es ist auch sonst mal etwas anderes neben braunen 70er Jahre Kachelwänden sein Bier zu trinken, als in auf Unordnung getrimmten Pubs oder durchdesignten Edelclubs.

Ehrliche Gesichter und sogar ein Johnny

Die ehrlichen Gesichter, die im Pál Vásárhely Kollegium feiern haben es nicht nötig sich oder ihre Partys groß in Szene zu setzen, sie wissen, dass Besucher kommen werden. Einzig und alleine der Alkohol und die Freude am Feiern selbst scheinen wichtig zu sein. Viele junge Leute, auch von benachbarten Universitäten, kommen vorbei und sogar Johnny, ein Farbiger aus Texas: „The students are a little bit like home“. Der aus Odessa stammende Medizinstudent kann die Schickeria der sonstigen Clubs nicht mehr sehen, seitdem pendelt er von Kollég buli zu Kollég buli, wobei der Kreis des Onkel Páls, wie sich die Studenten hier selbst nennen zu seinen Lieblingsanlaufstellen gehört.

Ganz nette Durchschnittstypen mit Hang zum Exzess

Große Ankündigungen und Plakate gibt es von den Partys in den Wohngemeinschaften nicht, wohl aber Aushänge in den Universitäten selbst. Donnerstags und Samstags sind die beliebtesten Partytage. Meist wechselt das Programm, so dass sich nicht auf einen Musikgeschmack festgelegt werden kann. Dennoch kann in sofern verallgemeinert werden, dass die Budapester Studentenszene weniger exklusiv ist als die Deutsche. Vielleicht macht es dem einen oder anderen Budapest-Neuling so etwas leichter Kontakte zu knüpfen. Die Kreise sind relativ homogen und selbst bei den Konzerten, die an einigen Montagen im Monat im Pál Vásárhely Kollégium stattfinden, ist es nicht so wichtig, wie bunt oder ausgeflippt die Besucher aussehen. Jeder kann hier mit jedem.

Tibor Wilhelm Benedek

Pál Vásárhely Kollégium
Kruspér utca 2-4, 11. Bezirk 1111 Budapest
Kontakt: 06 1 463-4356
http://www.vpk.bme.hu/vpk/
vasarhelyi@mail.bme.hu

 

 

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