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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009
POLITIK 18.12.2009
Robin Hood mit Amtskette
Der Bürgermeister von Pécs legt sich mit der NATO an
Zuerst eroberte Zsolt Páva die Pécser Wasserwerke in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zurück und löste damit eine neue Suez-Krise aus,
gerade kämpft er um die Parkplätze seiner Stadt. Nun greift er die NATO an und errichtet Straßensperren gegen ihre LkW´s. Damit hat er wieder den Nerv
vieler Bürger getroffen, die sich gegen die Errichtung einer großen Radar-Abhöranlage der NATO auf einem nahegelegenen Berg empören.
Betonblöcke gegen NATO-Truppen
Mit Speckschwarte und Handy gegen NATO-Truppen? Der Pécser Sicherheitsmann hält die Stellung bei jedem Wetter
Hinsichtlich des seit Jahren laufenden Streits um die Errichtung der als die
Natur zerstörend geltenden Radaranlage, fand Bürgermeister Páva nun eine "Lösung" die so einfach wie genial erscheint. Er ließ die Zufahrtsstraße zu dem Berg Tubes
einfach mit ein paar Betonblöcken absperren und deklarierte, dass die Straße für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen nicht zugelassen ist. Heute baute man schon eine Schranke dazu und stellte einen
städtischen Wachmann dazu, noch unbewaffnet. Der Regierungssprecher der Sozialisten, Domokos Szollár wusste erst gar nicht, was er dazu sagen sollte. Dann
stammelte er etwas von "schockierend" und "nicht akzeptabel" sowie "illegal". Ungarn müsse seinen Bündnisverpflichtungen nachkommen. Er verwies darauf, dass ein
Gericht Ende November den letzten Einspruch gegen das Projekt abgewiesen hat. Doch "Robin" Zsolt Páva ficht das alles nicht an, er kündigte an, dass er in den
nächsten Tagen einen Protestzug gegen das Projekt anführen werde. Seine Herolde haben ihm zugetragen, dass die Bauarbeiten bereits Freitag dieser Woche beginnen sollen.
Bürger stehen hinter ihm
Páva stützt sich nach eigenen Angaben auf die
Unterstützung von 38.000 Bürgern von Pécs (immerhin jeder Dritte), die sich gegen die Anlage ausgesprochen hätten. Auch der Staatspräsident machte schon vor Jahren bei
Protesten gegen die Abhör- und Radaranlage mit (damals ging es noch um den Zengö), für die neue Protestbewegung hat sich sogar eine Sozialistin angekündigt. Genau die ehemalige
Parlamentspräsidentin Katalin Szili, gegen die Zsolt Páva vor Monaten seinen triumphalen Wahlsieg eingefahren hatte. Sie schießt gerne einmal gegen die Parteilinie. Neben der
ökologischen Problematik, stört viele die Sichtbarkeit der Anlage von Pécs aus, das nur ca. 4 km entfernt liegt. Auch Gerüchte um Strahlenbelastungen und Abhörprojekte wurden bereits ins Feld geführt.
Gefährdete Idylle, der Tubes, Hausberg von Pécs
Franzosen kalt einteignet in die Wüste geschickt
Wie man sich bei den Bürgern der Stadt beliebt macht, hat der robuste Fidesz-Mann,
schon länger raus. Nachdem er die einstige Sozialisten-Hochburg gestürmt hatte, legt er sich mit jedem an, der seinem Masterplan von einer bürgerfreundlichen Stadt
im Wege steht. Zuerst ließ er die Städtischen Wasserwerke, die die Stadt gemeinsam mit einer Tochter des französischen Suez-Konzerns von Sicherheitskräften betrieb,
umstellen und schickte die Franzosen kalt enteignet in die Wüste, weil er die Wassergebühren für zu hoch befand. Internationaler Ruhm und ängstliche Fragen
westlicher Länder hinsichtlich der Sicherheit ihrer Investitionen waren die Folge.
Die Faust ist nur kämpferisch, nicht weltanschaulich geballt.
Zsolt Páva ist als Fidesz-Mitglied ein strammer Nationalkonservativer.
Populismus oder Bürgernähe?
Zur Zeit bastelt er gerade an einer
Möglichkeit, die privatisierte Parkplatzverwaltung wieder in städtische Hände zu bekommen, weil er Parken in Pécs zu teuer findet. Noch tut er das in Verhandlungen. Mit
seiner neuesten Maßnahme berührt er gleichzeitig die nationale Ader seiner Klientel, wie auch das Anliegen der Umweltschützer, die ein wenig
verdutzt sind und in eine ideologische Sinnkrise geraten müssen, hatten sie doch aus dieser Ecke kaum Unterstützung erwartet. Feigheit vor dem Feind kann man dem
Pécser Bürgermeister sicher nicht vorwerfen, vielleicht ein etwas populistisches Gebahren. Aber in Ungarn ist Wahlkampf, immer. Und Pécs ist Kulturhauptstadt, 2010.
-red
(c) Fotos: MTI, Pécser Tourismusamt, Pester Lloyd, Archiv
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