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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009 WIRTSCHAFT 17.12.2009
Damoklesschwert Devisenkredite
Nachrichten aus der Finanzwelt: fragile Stabilität der Banken - Parlament begrenzt Gebühren für Kreditkarten-Transaktionen - Mastercard klagt - Wettbewerbsstrafe für K& H-Bank
Jeder neuerliche Wackler des Forint, der gerade mehrmals knapp die 280er Marke zum Euro streifte, kommt in Ungarn einem gefühlten Erdbeben gleich.
Alles zittert um die Deveisenkredite, die nicht wirklich weniger wurden. Die sonstigen Daten und Einschätzungen der Finanzaufsicht beruhigen da nur
wenig. Zwei Beispiele dreister Lernverweigerung bieten derweil Mastercard und die K & H Bank.
Jeder neuerliche Wackler des Forint, der gerade mehrmals
knapp die 280er Marke zum Euro streifte, kommt in Ungarn immer einem gefühlten Erdbeben gleich. Nicht nur Banken und staatlicher Schuldendienst schauen besorgt auf den Wechselkurs, vor allem die
Haushalte fürchten wieder höhere Kreditraten. Da meldete sich gestern die ungarische Finanzaufsicht PSZÁF zu Wort, um ein weiteres Mal die Stabilität des ungarischen Finanzsystems zu beschwören, im
gleichen Atemzug aber viele beunruhigende Details zu wiederholen.
Der Eingang zur ungarischen Finanzaufsicht PSZÁF
Die Kapitalausstattung der Banken sei ausreichend und "das Wachstum des
Kreditvolumens hat sich verlangsamt bzw. ist zum Stillstand gekommen", meint die staatliche Finanzmarktaufsicht PSZÁF, die von Finanzministerium und Nationalbank
eigentlich nur noch zu einem statistischen Herold mit minimaler Sanktionierungskompetenz degradiert wurde. Letztere Feststellung ist nicht gerade
eine gute Nachricht für kapitalbedürftige ungarische Klein- und Mittelunternehmen, sondern betont die schon fast lähmende Vorsicht der Banken, die ihr Geld lieber bei
der Nationalbank einbunkern als es risikoreich unter die Leute zu bringen. Die PSZÁF merkt auch an, dass die "Zahl verlustmachender Finanzinstitutionen" gewachsen ist
und auch die Performance der etablierten Häuser nachgelassen hat. Die Bereinigung der faulenden Kreditportfolios ist immer noch in vollem Gange, den größten Teil der
Abschreibungen haben die Banken aber bereits hinter sich, sagte der Chef der Behörde, Ádám Farkas.
45% der Finanzdienstleister schreiben Verluste
Auch für 2010 wird eine weitere Verschlechterung der Kreditportfolios und ein
weiterer Gewinnrückgang bei den in Ungarn operierenden Banken erwartet. Den Zeitpunkt für einen turn-around vorherzusagen, ist da eine sehr vage
Angelegenheit. Die Kapitalrendite der Banken in den ersten beiden Quartalen des Jahres betrug rund 12,7% (also der Bruttoüberschuss auf eingesetztes Geld), die
größeren Banken machten noch Gewinne, neuen kleinere Finanzinstitute wiesen jedoch Verluste aus. Nur die Profitraten von Versicherern und - ausgerechnet -
Investmentbankern erreichten mit 23.2 bzw. 35,1% neue Allzeithochs. 45% aller Finanzdienstleister sind in den roten Zahlen. Die größten Rückgänge gab es im
Geschäft der Autofinanzierung und bei der Immobilienfinanzierung.
Die Eigenkapitalausstattung der Banken stieg von Juni bis September von 12,3 auf
13,1%, allerdings wohlgemerkt im Durchschnitt. Das gesetzliche Minimum beträgt hier 8%, was von Experten ohnehin als viel zu niedrig bemängelt wird. Die
Nettoabschreibungen auf die Kreditportfolios betrugen im Schnitt 1,5%, zuvor 1%. Der Anteil von Zahlungsverzögerungen über 90 Tage verdoppelte sich zum Vorjahr
auf 5,4%. Der Anteil von Fremdwährungskrediten sank zwar, aber das Kredit-Einlagen-Verhältnis bei Devisen ist mit 140% Prozent immer noch höher als
gesund. Vor allem diese Position ist durch den wackeligen Forint am gefährdensten für Banken und Volkswirtschaft. Mehr als 60% (nach Volumen) aller Privatkredite
lauten in Devisen, mehr als 700.000 Menschen sind mit ihren Rückzahlungen in Verzug.
Parlament begrenzt Kreditkartengebühren - Mastercard klagt
Anfang der Woche beschloss das ungarische Parlament mit knapper Mehrheit ein
Gesetzespaket mit einigen neuen Regeln für den Finanzmarkt. Darunter befindet sich u.a. eine Limitierung von Krediten für Privatleute, die jährliche Zinsrate darf ab
kommendem Jahr bestimmte Grenzwerte nicht mehr übersteigen. Eine weitere Veränderung betrifft eine Begrenzung der Transaktionsgebühren und Kommissionen für Kreditkartengeschäfte. Ab 2010 dürfen Kreditkartenbuchungen nur noch mit
maximal 2% Gebühren auf den Transaktionswert belegt werden. Die Transaktionsgebühr beim Abzug von Beträgen von Debitkarten wurde auf 0,3% bzw. maximal 100 Forint limitiert.
Dreht gern das ganz große Rad: MasterCard
Nicht ganz unerwartet war Mastercard
das erste Unternehmen, das - laut einer Meldung von MTI - rechtliche Schritte gegen das Gesetz angekündigt hat. Das Unternehmen wendet ein, dass es zu
dem Beschluss weder eine öffentliche Anhörung noch ausreichende Hintergrundstudien über die Auswirkungen gegeben hat, (offenbar also zu wenig Gelegenheit, die Lobbymaschine anzuwerfen? Anm.). Die großen
Kreditkartenunternehmen hatten sich jahrelang in Ungarn mit Banken zu einem Kartell zusammengefunden und sich an der Kundschaft schadlos gehalten bis das
Wettbewerbsamt die Sache auffliegen ließ und die höchsten jemals in Ungarn verhängten Strafen für illegale Kartellbildung aussprach.
Strafe gegen K & H Bank wegen unlauterer Werbung
Mit 28 Millionen Forint (ca. 100.000 EUR) wird die ungarische K&H Bank,
Tochter einer belgischen Großbank, dafür bestraft, Kunden mit diversen kostenlosen Angeboten in der Werbung gelockt zu haben, hinter denen sich dann doch Gebühren versteckten. Diese
uralte Masche ist einer der häufigsten Gründe, warum das Wettbewerbsamt GVH Strafen gegen Banken verhängen muss.
In dem konkreten Fall ging es darum, dass die Gebührenbefreiung für ein privates
Kreditpaket, anders als in der Annonce dargestellt, eben nicht über die gesamte Laufzeit gegeben war. Eine weitere Strafe gab es für die Versicherungsabteilung der
K&H, die bei einer Autoversicherung mit Rückerstattungen warb, die Bedingungen dafür konnten aber von vornherein nur ein sehr kleiner Teil der Kunden erfüllen. Die
Strafe ist zwar im Lichte der gesamten Erschütterungen im Bankwesen nur eine Kleinigkeit, die Handlung der Bank zeigt aber, wo gewisse Institute ihre Prioritäten
setzen. Marktanteile und Kundengewinnung um jeden Preis.
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