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(c) Pester Lloyd / 51 - 2009  POLITIK 19.12.2009

 

Kleiner Mauerfall

Kleiner Mauerfall: Seit heute können die Bürger von Serbien, Montenegro und Mazedonien ohne Visa in die EU

Eine ganze Generation von Serben hatte bisher kaum eine Chance, etwas von Europa zu sehen. Seit heute ist die "Kriegsstrafe" Aussperrung vorerst Geschichte. Das wurde um Mitternacht auch in Roszke offizell gefeiert. Tausende Serben nutzten schon in der Nacht die neue Reisefreiheit, angeblich sei man aber für den Ansturm gerüstet. Bosnier und Albaner bleiben aber weiter außen vor.

Die Außenminister von Serbien und Ungarn ließen es sich nicht nehmen, aus der Visabefreiung eine nächtliche Medieniszenierung zu machen. So stempelte sich der serbische Außenminister Vuk Jeremic kurz nach Mitternacht am Grenzübergangspunkt Roszke seinen Pass gleich selbst ab und ließ sich von seinem ungarischen Amtskollegen begrüßen, der lobend erwähnte wie hart er und man in der EU dafür gearbeitet hat, die "Grenzöffnung" noch vor Weihnachten zu ermöglichen.

In Jeremic´ Schlepptau befanden sich außerdem die Innen- und Justizminister. Ungarns Außenminister Balázs gab zu bedenken, dass es noch jede Menge Arbeit gibt, schließlich müsste man sich nun auf größeren Verkehr an der Grenze einstellen, deshalb sollten bald mehr Grenzübergangsstellen eröffnet werden. Mit speziellen Worten begrüßte Balázs die Angehörigen der ungarischen Minderheit aus der Vojvodina, die, neben vielen anderen Bürgern, noch in der Nacht von der neuen Reisefreiheit Gebrauch machten. Der Chef der serbischen Grenzpolizei Milorad Veljovic sagte, dass man auf einen großen Ansturm an den Grenzübergangsstellen vorbereitet sein.

Eine ganze Generation war ausgesperrt

Außenminister Jeremic erinnerte bei aller Freude jedoch auch daran, dass sein Land seit zwanzig Jahren auf diesen Schritt gewartet habe. Der nächste solle dann die Mitgliedschaft in der Europäischen Union sein, damit "Serbien nicht nur geographisch" ein Teil Europas werde. Faktisch wurde das serbische Volk für seine kriegerischen Regierungen von der Völkergemeinschaft in Mithaftung genommen und jahrelang einfach ausgesperrt, was man in Serbien immer noch als Kriegsstrafe betrachtet. Eine ganze Generation junger Serben hat dadurch kaum etwas von Europa, geschweige denn dem Rest der Welt gesehen, was nicht zuletzt auch nationalistischen Parteien anhaltend Auftrieb brachte.

Auch in Belgrad feierte man die Visabefreiung. Der stellvertretende Ministerpräsident Božidar Ðelic hat um Mitternacht fünfzig ausgewählte Bürger des Landes, die an einer Initiative “Europa für Jedermann” mitmachten in ein Flugzeug nach Brüssel gesetzt und ihnen warme Grüße in die europäische Verwaltungshauptstadt mitgeschickt.

Bosnien und Albanien bleiben ausgesperrt

Die Visabefreiung gilt für Bürger aus Serbien, Montenegro und Mazedionen, jedoch nicht für Bosnier oder Albaner, die, so die offizielle Version, nicht rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen bei Passausstellung und Grenzregime erfüllen konnten. Visa werden jedoch weiterhin für Großbritannien und Irland benötigt, die nicht Teil des Schengener Abkommens sind. Für die Nicht-EU-Staaten Norwegen, Schweiz und Island sind sie hngegen nicht nötig, da diese dem Schengenraum angehören.

red

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