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(c) Pester Lloyd / 01 - 2010 KULTUR 01.01.2010
Primus der Zeitmessung
Im Interview mit Áron Becsei, dem derzeit angesagtesten Uhrmachermeister aus Ungarn
Es gibt nicht sehr viele weltweit bekannte Kunsthandwerker aus Ungarn und nur ein einziger von ihnen ist ein Uhrmacher. Áron Becsei, gerade dreißig
Jahre alt, gilt indes schon als einer der besten Uhrmacher der Welt. Als ungarischer Vertreter in der unabhängigen, internationalen Akademie der
Uhrmacher (AHCI), in die er als eines von nur 31 Mitglieder, in diesem Jahr gewählt wurde, vertritt er sein Land, sein Handwerk und seine Kunst.
Becsei entstammt einer Uhrmacherfamilie in
dritter Generation und verdankt seinen Erfolg u.a. der Tischuhr Tourbillon Nr. 1, die er 2005 vorstellte und er stellte die kleinste Pendeluhr der Welt her, die Miniatur Zappler.
Seine Kreationen verkauft Becsei unter dem Label Bexei.
Wann entschieden Sie sich dafür, die
Familientradition fortzuführen?
Ich war meine ganze Kindheit über von Uhren umgeben, denn mein Vater und mein
Großvater widmeten ihnen ihr ganzes Leben. Doch es dauerte bis ich ungefähr achtzehn Jahre alt war, als ich wirklich Interesse für Uhren zeigte. Ich bin sicher,
dass es dafür eine genetische Veranlagung gibt, doch hätte ich nicht diese vielen Jahre mit den Uhren in meiner Familie erlebt, hätte sich mein Interesse wohl kaum zu einem Beruf entwickelt.
Was war der Antrieb, Uhren nicht nur zu
reparieren, sondern zu beginnen, selbst welche herzustellen?
Während ich Reparaturen oder Überholungen
vornahm, musste ich immer wieder fehlende Teile ersetzen, ich musste ihre Größe abmessen, sie entwerfen und selbst herstellen. Nach einer Weile kam ich darauf,
dass, wenn ich alle Einzelteile selbst herstellen könne, ich auch eine ganze Uhr selbst entwerfen und machen kann. Und so kam ich
auf die Idee, die kleinste Pendeluhr herzustellen, die Miniatur Zappler. Das gab mir einen starken Auftrieb und ermutigte mich, mich mit komplexeren Projekten wie
der Tourbillon zu befassen. Die Erfahrung, die ich dabei sammelte, ermöglichte mir den Bau der Primus Armbanduhr.
Wie würden Sie die Primus selbst beschreiben?
Was die Primus einzigartig in der Welt
macht, ist das dreiachsige Tourbillon-System, das auf einem exklusiven, traditionellen Rubinlager aufbaut. Der gesamte Mechanismus wiegt dabei nur 1,5 Gramm, einschließlich der goldenen Zahnräder. Um
die gefprderten Durchmesser zu erreichen, benötigte ich die beste verfügbare Qualität der Materialien, hauptsächlich Edelmetalle.
Wie lang dauerte die Herstellung der Primus?
Die vorbereitende Planungsphase umfasste ca. 6 Monate. Als das Design stand
dauerte die Herstellung der Uhr rund eineinhalb Jahre. Ich setzte zuerst das Uhrwerk zusammen, auf der Basis von sehr präzisen Plänen und unter Verwendung
ausschließlich von selbst hergestellten Teilen. Weihnachten 2008 begann der Tourbillon-Mechanismus zu laufen und ich sah, dass meine Pläne wirklich funktionieren könnten.
Wie wichtig ist das Gehäuse für eine Uhr?
Es ist sehr wichtig, denn schließlich ist es das, was man sofort sehen kann und was
den ersten Eindruck der Uhr vermittelt. Es ist aber mehr als reine Zierde, denn die Form und die Ausmasse eines Gehäuses geben auch Auskunft über ihr Innenleben,
die Anordnung und Größe der Teile. Bei der Gestaltung einer Armbanduhr, muss man ein komplettes und funktionierendes Uhrwerk in einem sehr sehr kleinen Raum
verstauen und eine gute Balance zwischen Eleganz und Extravaganz finden. Normalerweise setzt mir nur meine Vorstellungskraft die Grenzen.
Woran arbeiten Sie gerade?
Die nächste Bexei Armbanduhr wird Ende des Jahres vorgestellt werden und Anfang
2010 kommen drei weitere Modelle auf den Markt. Eine davon wird einen einzigartigen Torubillon-Mechanismus enthalten, doch aus Patentierungsgründen möchte ich hierzu noch keine Details verraten.
Das Gespräch führte Tamás Szitás für www.fidelio.hu
In Kooperation mit
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