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(c) Pester Lloyd / 01 - 2010  POLITIK 04.01.2010

 

Ungarn: "Chance auf einen Neustart"

Neujahrsansprache des Präsidenten von Ungarn und Lage vor der Wahl

Die ungarischen Hoffnungen auf eine "Erneuerung" spiegelten sich in der Neujahrsansprache des Präsidenten wider, auch wenn das Ungefähre die Oberhand behielt.

"2010 als ein Wahljahr wird eine Chance für einen Neustart in der Politik und im öffentlichen Leben eröffnen." Präsident László Sólyom machte nie einen Hehl aus seiner Abscheu der sozialistischen Machtklammerpolitik, allerdings unterstützte er auch die Rechte, zuletzt mehr als amtsgerecht. Immerhin ist sogar bei den Sozialisten, zunmindest jenen der Basis, mittlerweile die Einsicht gereift, dass man das Recht an der Macht im Lande verwirkt hat. Sólyom zieht ein bitteres, leider wahres Resümée der vergangenen 20 Jahre. "Viele Menschen erhofften sich durch den Regimewechsel in den Neunzigern einen Aufschwung zu westlichem Lebensstandard; ihre Erwartungen endeten in bitterer Enttäuschung."

"Jeder Wähler, sollte daher gut überlegen, wem er die Authorität über die Regierung des Landes" überträgt. Die Aufgaben des Staates sind, so Sólyom, die Garantie der öffentlichen Sicherheit, die Ermöglichung von wirtschaftlicher Stabilität und der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Kampf gegen Armut und die "Wiederherstellung von Ungarns Prestige in der Welt". Die Bekämpfung der Korruption, meint der Präsident, kann nur durch die Unterstützung der Öffentlichkeit gelingen, egal welche Regierung an der Macht ist. Er fordert weiter mehr Zusammenarbeit zwischen "Familien und der Schule" und fordert "intensivere Anstrengungen, zum Schutz der ungarischen Sprache und des kulturellen und historischen Erbes und der Identität, sowohl innerhalb als auch außerhalb der ungarischen Grenzen".

Drückendes Erbe für die kommende Regierung

In Ungarn wird im April ein neues Parlament gewählt, viel zu spät eigentlich, denn bereits seit der berühmt gewordenen Rede des damaligen Premiers Gyurcsány, also seit 2006, haben die regierenden Sozialisten ihre Machtlegitimation verloren, doch aufgegeben haben sie die Macht nicht einmal als 2008 die Liberalen die Koalition verließen. Eine eigentlich unlegitimierte Minderheitsregierung aus parteilosen Wirtschaftsexperten und sozialistischen Altkadern manövrierte das Land seitdem durch die schwere Wirtschaftskrise. Sie verhinderte - mit fremder Hilfe - den Staatsbankrott, war aber anosonsten Sklave der Gläubigerauflagen von IWF und EU und verstand dementsprechend Krisenmanagement überwiegend als einseitiges Sparprogramm auf Kosten der Masse.

Reformen wurden in diesem eng gesetzten Rahmen daher nur begonnen, die großen Projekte, also die Reformierung des Öffentlichen Dienstes, die Sanierung der Staatsbetriebe sowie der Kampf gegen die allgegenwärtige Intransparenz bei Ausschreibungen, Korruption auf allen Ebenen und die allgemeine Steuerverweigerung bleiben Projekte für die vage Zukunft und ein drückendes Erbe für die kommende Regierung. Die Nomenklatura konnte im Hintergrund, und oft gar nicht allzu verborgen, das Land weiter aufteilen, sich bereichern und nun, da die Machtübernahme durch die Rechte offensichtlich ist, macht manch einer schon Wetten auf die Zukunft, in dem sich die großen Parteien immer öfter in Hinterzimmerdeals am Lande gütlich tun.

Trotz vieler offener Fragen in der Programmatik und dem Ungefähren der immer populistisch eingefärbten Ankündigungen des nationalkonservativen Fidesz, wird der Machtwechsel im Frühjahr eine Befreiung für Ungarn darstellen. Nicht nur, weil ein schon jetzt endlos scheinender Wahllkampf zu Ende gehen wird, sondern auch, weil das Fidesz dann über eine ausreichende Legitimation verfügt, um die "nationale Erneuerung" zu gestalten. Meinungsforscher rätseln nur noch, ob es eine absolute oder eine 2/3-Mehrheit der Parlamentssitze werden wird. Nicht wenige, das zeigt die Zahl der unentschlossenen Wähler in Ungarn, gehen jedoch davon aus, dass - so wie fast immer seit der Wende - nur eine "Bande" von der anderen abgelöst wird. Eine Befürchtung, wie sie auch von den Menschen in den meisten anderen Ländern Osteuropas geteilt, aber leider nur resigniert hingenommen wird.

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Aus der Rolle gefallen

Geschönte Bilanz: Präsident Sólyom machte Ungarn 2009 viel Kummer

Die offizielle Jahresbilanz aus dem Präsidialamt ist eine Sammlung von nichtssagender Statistik und unglaublicher Schönfärberei. Denn seit der Wende gab es in Ungarn keinen Präsidenten, der so unverblümt parteiisch ins politische Tagesgeschäft eingegriffen hat und es sich mit zwei Nachbarländern in einem Jahr verscherzte. Er beschädigte Amt und Land gleichermaßen, seine Wiederwahl ist, auch unter nationalkonservativer Ägide, keineswegs gesichert.

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