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(c) Pester Lloyd / 01 - 2010  NACHRICHTEN 04.01.2010

 

Die „Gefledderte Maus”

Zu viel Routine beim 19. Silvesterball in der Oper Budapest

Die ungarischen Gäste wissen, was sie in ihrem schönen Opernhaus zum alljährlichen Silvesterball erwartet, sie nehmen es hin und kritisieren wenig. Die vielen deutsch- und englischsprachigen Gäste ließen sich auch diesmal wieder überraschen. Letztere wurden wenigstens neben der ungarischen Conference in perfektem Englisch von den Medienmoderatoren Mariann Peller und Zoltán Szujó begrüßt.

Das allerdings zu ausladend, denn die Verlesung der ungarischen Künstlernamen (standen alle im dreissprachigen Programmheft) und der Handlung der allseits bekannten „Fledermaus” war nicht nötig, wohl aber wenigstens eine kurze Begrüßung in deutscher Sprache als eine Offerte an die Nachbarn und die lange deutschsprachige Geschichte des Opernhauses und Ungarns, hätte möglich sein müssen, zumal Zoltán Szujó auch im Deutschen ausgezeichnet moderieren kann.

Fotos: Pester Lloyd

Es folgten bunte Ausschnitte aus Johann Strauss’ „Fledermaus” in der Patina-Inszenierung von Miklós Szinetár. Die Gesangsnummern wurden in deutscher Originalsprache und mit ansprechenden Stimmen vorgetragen. Die seichten Dialoge in Ungarisch gerieten überlang und damit zum Gähnen, über die dann auch nur die Ungarn lachen konnten, mit Ausnahme des Frosch, der in Ungarn Iván (?) heißt und von Frigyes Andrássy auch leidlich witzig in Szene gebracht wurde. Die balltollen Mannsbilder gaben sich alle alterssenil trottelig. Adele und Ida, letztere tänzerisch komisch in die hübschen Ballettnummern eingebaut, spielten agil und sangen sehr ansprechend. Der Orlowski wurde von Andrea Meláth stimmig und stimmlich gekonnt charakterisiert. Warum aber ausgerechnet die Rosalinde der Éva Bátori so wenig Grandezza in den Dialogen zeigte und sie auch noch - in Ungarn!- den berühmten Csárdás nicht singen durfte, ist unerklärlich/megmagyarázhatatlan! Das Orchester spielte unter Kálman Szennai temperamentvoll auf, viel Confetti und Tuten im Schlussapplaus. Vorhang!

Danach wurden die Gäste für eine reichliche halbe Stunde in den übervollen Buffetraum verabschiedet, wo man sich um Getränke anstellte, bis die Bühne als wohl prächtigster Dinnerroom Budapests aufwartete. Endlich ertönte dann auch der elegante ungarische Palotás/Palasttanz, gekonnt zelebriert vom Staatsopernballett. Allerdings fand das erst nach fast vierzigminütiger Pause ohne weitere musikalische Zwischen-Idee statt. Die Veranstaltung funktionieren jedes Jahr fast gleich. Gleich bleibt aber auch, dass anscheinend niemand an die Stimmung der Silvestergäste denkt. Nach Walzer-, Polka- und Sektseligkeit auf der Bühne, fühlen sich die Gäste doch wohl in Hochlaune, um die sich aber niemand bis zu Dinner denkt.

Das Opernorchester muss einpacken, um auf der Bühne Platz zu schaffen. Weder Walzerklänge aus der Konserve noch leichte Klaviermusik überbrücken diesen Tiefpunkt. Nur dezentes Besteck- und Gläserklingen aus den Logen als Zeichen, dass die Gastronomie aus dem Restaurant „Gundel“ dort bereits funktioniert. Gleiches im Buffet, wo fleißig gearbeitet wurde, auch vom Weltmeister aller Barkeeper, András Lajsz. Auch hier keine leisen Klänge, die die Stimmung hoch halten würden. Das Tanzorchester auf der Bühne macht Soundcheck, sonst nichts. Hier klafft leider ein Loch im ansonsten zu akzeptierenden Konzept, bis die Tourniertänzer wie alle Jahre wieder elegant die Vorbühne umschweben. Der Rest ist Automatismus: 24 Uhr – Neujahrsbegrüßung, Ungarische Hymne, Luftballons aus dem Topp-Ball bis in die Morgestunden zu internationaler Tanzmusik je nach Kondition.

Was bleibt am Ende vom Silvestabend in Budapest? Das herrliche Opernhaus, in dem man gut gegessen hat, eine zweitklassige Fledermaus, aber kaum ungarisches Kolorit erleben durfte. Routine? Schade wäre es! Vielleicht fällt V.I.P. Arts beim XX. Silvesterball doch noch eine Konzeption ein, die mit Silvesterlaune eine durchgängige Begeisterung erzeugt, damit die vielen Ausländer auch im nächsten Jahr so zahlreich wieder kommen. Oder soll die Staatsoper auch diese Veranstaltung - wie heuer den Opernball - lieber wieder in die eigenen Hände nehmen...?!

E.F.

 

 

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