|
(c) Pester Lloyd / 01 - 2010 BUDAPEST 05.01.2010
Survivial of the Fittest
Neue Verkehrsregeln in Ungarn sollen angeblich Radfahrer und Fußgänger besser schützen...
Einige neue Verkehrsregeln, die in Ungarn mit 1. Januar in Kraft traten, kommen auch einmal Fußgängern und Fahrradfahrern zu Gute, so hofft es
zumindest das Verkehrsministerium in einer Aussendung. Bei näherer Betrachtung scheint nun eher die Jagdsaison auf Radfahrer, ohnehin eine massakrierte Minderheit in Budapest, vollends eröffnet zu sein.
Nach den neuen Regeln wird es
für Autofahrer nun "verpflichtend" vor Fußgängerüberwegen "abzubremsen", wie immer das konkret auch messbar sein wird. Während in westlichen Ländern dort (und nicht nur dort) eine
Haltepflicht besteht, wenn Fußgänger im Begriffe sind die Straße zu überqueren, fungiert der Zebrastreifen in Ungarn bisher mehr oder weniger nur als informeller Bereich erhöhter Aufmerksamkeit, wo
die theoretische Möglichkeit für Straßenüberquerungen durch Fußgänger besteht, was regelmäßig zu lebensbedrohlichen Hüpfern seitens ungeübten Besuchern des Landes führt.
Besonders lustig klingt auch die Regelung, nach der für gemeinsam für Radfahrer
und Fußgänger zugelassene Wege eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 km/h gilt und Radler den Latschern "Platz machen müssen". Bisher waren dort 30-50
km/h erlaubt, wobei bisher noch nie ein Fahrradfahrer gesichtet worden ist, der auf den sogenannten Fahrradwegen diese Höchstgeschwindigkeit erreichen konnte.
Verkehrsberuhigende Maßnahmen in Form von Laternen, aufgerissenem Asphalt, Hitzewöbungen oder Frostrissen hinderten ihn meist schmerzhaft daran.
Ob die weiteren Regelungen dazu geeignet sind, Fahrradfahrern das Fortkommen in
Budapest zu erleichtern oder ob durch die neuen Freiheiten eher eine mortale Endlösung des "Problems" angestrebt wird, ist offen. Jedenfalls dürfen sich
Radfahrer nun in den fließenden Verkehr einordnen und sind nicht mehr zwangsweise den sich öffnenden Autotüren am rechten Fahrbahnrand ausgeliefert.
Auch ist es nun erlaubt, sich bei Rot bis vorn an die Ampel durchzuschlängeln (gilt auch für Motorradfahrer), Einbahnstraßen dürfen gegen die Richtung befahren
werden, auch wenn dies nicht ausdrücklich auf dem Einbahnstraßenschild vermerkt ist.
Motorradfahrer dürfen zudem ab sofort auch die Busspur benutzen, was sie aber
schon immer taten, wenn sie nicht von Autos zugefahren war. Die Maßnahmen sollen eigentlich die Verkehrssicherheit erhöhen, wer jedoch öfter in Budapest
Fahrrad gefahren ist, der weiß, dass diese neuen Regeln eher einem Feldversuch der Lehren Darwins vom “Überleben des Geschicktesten” entsprechen. Fairerweise
muss man sagen, dass in den letzten zwei Jahren eine ganze Reihe vernünftiger Fahrradwege hinzu gekommen sind, von einer fahrradfreundlichen Stadt ist Budapest jedoch noch meilenweit entfernt.
KOMMENTAR IM GÄSTEBUCH ABGEBEN
|