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(c) Pester Lloyd / 02 - 2010  WIRTSCHAFT 12.01.2010

 

Last Minute-Deal

“Die Regierung ist kein guter Hotelier”, sagt die ungarische Regierung und vergibt ihre Ferienobjekte neu

29 regierungseigene Hotels und Ferienobjekte kommen wahrscheinlich noch vor den Wahlen unter den Hammer und damit an neue Besitzer bzw. Pächter. Die Regierung sagt, weil der Unterhalt einfach zu teuer ist. Die Opposition fürchtet - wohl kaum zu Unrecht - Günstlingswirtschaft. Was immer stimmt, die Optik eines solchen Last-Minute-Deals ist ziemlich schief.

Jetzt hat es auch die Regierung eingesehen. Ministerien und Staatsbeamte sind einfach keine guten Hotelmanager. Daher will man jetzt, ein paar Monate vor der Wahl, bis auf zwei, alle im Staatsbesitz befindlichen Ferienimmobilien in Ungarn, immerhin 29 Anlagen, an neue Betreiber übergeben. Bereits vor ein paar Monaten kündigte man einen solchen Schritt für 13 Hotels und Bungalowsiedlungen an, jetzt wird man nur noch zwei "sicherheitsrelevante" Objekte am Balaton in Tihány und Balatonoszód in eigener Regie behalten.

Das größte Haus auf der Liste ist das 132 Zimmer große Hotel "Golden Beach" / “Aranypart” (Foto) in der Balaton-"Hauptstadt" Siófok. Die über 200 Angestellten des Hauses haben, laut einer Meldung des Boulevardblättchens Blikk, bereits ihr Kündigungsschreiben erhalten und können nur hoffen, dass sie zur neuen Saison von einem noch zu ermittelnden Pächter übernommen werden. Der Wert des Hauses beträgt geschätzte 400 bis 600 Millionen Forint.

Regierungssprecher Domokos Szollár sagte zwar, dass es noch zu fürh sein von konkreten Verkäufen zu sprechen, aber es "muss etwas geschehen, immerhin kostet der Unterhalt der Objekte den Steuerzahler pro Jahr rund 1 Milliarde Forint." (ca. 3,8 Mio EUR). "Dieses Geld haben wir nicht mehr", sagte Szollár zu Blikk und gestand ein, dass man vom Betreiben von Hotels einfach nicht genug verstehe. 14 Hotels und 15 weitere Ferienanlagen sollen daher bald in einer öffentlichen Ausschreibung an neue Besitzer und / oder Pächter gebracht werden.

Für die Opposition ist das ein weiteres gefundenes Fressen, mutmaßt man - vermutlich nicht zu Unrecht - hinter jedem zweiten Bewerber einen Günstling oder Strohmann der Sozialisten, die sich für die Trauerzeit nach verlorenen Wahlen gemütlich absichern wollen. Tatsächlich ist der Verkauf bzw. die Neuvergabe fast aller Objekte so kurz vor den Wahlen im April juristisch machbar, aber ein sehr unglücklich aussehender Schritt, der ganz sicher Wahlkampfthema und damit eine weitere Hypothek für die regierende MSZP werden wird.
 

 

 

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