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(c) Pester Lloyd / 02 - 2010 WIRTSCHAFT 12.01.2010
Am Anfang der Talsohle
Vorsichtige Beruhigung bei Industrieproduktion und Außenhandel in Ungarn - Euro in vier Jahren?
Ungarns Premier hofft zwar, dass das Land in vier Jahren den Euro einführen kann, warnt aber weiter vor wirtschaftspolitischen Hazard-Spielen. Die
Industrieproduktion sinkt nicht mehr, der Export erholt sich leicht, die Inflation bleibt (vorerst) überschaubar. Der Arbeitsmarkt, der Konsum, private und
staatliche Verschuldung und die Unwägbarkeiten der internationalen Märkte bleiben aber kritische Faktoren.
Wenn Ungarn an seiner Haushaltsdisziplin festhält, könnte
es bereits in vier Jahren der Eurozone beitreten. Dies erklärte ein weiteres Mal Ministerpräsident Gordon Bajnai, diesmal in einem Interview beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender m1. Wenn die
Defizitziele eingehalten werden, könnte man mit dem Euro sogar vor Polen und Tschechien dran sein, meinte Bajnai. Er ergänzte jedoch, dass man derzeit kein einziges der Kriterien für die Einführung der
Gemeinschaftswährung erfülle und es daher auch noch kein konkretes Datum für die Vorbereitungsphase ERM-2 gibt.
Laut Bajnai hängt es vor allem davon ab, welche wirtschaftspolitische
Grundrichtung die nächste Regierung einschlägt. Sollte sie von (seinem Pfad) der unbedingten Sparsamkeit und Konsolidierung abweichen, bräuchte sie den Euro gar
nicht erst auf die Agenda setzen. Er kritisierte scharf die wahlkampfgesteuerten Verlautbarungen, wonach Ungarn in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von bis zu
7,5% befürchten muss. Solche Äußerungen sorgten nur für Misstrauen und würden das Land weiter vom Ziel der Euroeinführung entfernen.
Seine Regierung hat den Rahmen geschaffen und die wirtschaftlichen Aussichten
täten ihr übriges, um dem Land in den kommenden vier Jahren zusätzliche Einnahmen von bis zu 2.000 Milliarden Forint (ca. 7,5 Mrd. EUR) einzubringen.
Diese sollten für den Schuldenabbau und Wachstumsimpulse ausgegeben werden, nicht aber zur Finanzierung teuerer Wahlversprechen. Es sei zwar eine positive
Entwicklung, dass nach ersten Berechnungen das 2009er Defizit um 75 Mrd. Forint geringer ausfallen wird als zuerst prognostiziert, doch werde dies Geld nicht frei.
Der einzige Effekt ist, dass unsere Schulden weniger wachsen und damit die Zinszahlungen etwas geringer ausfallen. Dies stabilisiert den Forint und die rund 1,7
Millionen ungarische Familien, die Kredite in ausländischen Währungen laufen haben, "sind etwas sicherer."
Industrieproduktion sinkt statistisch nicht mehr
Zwei wichtige Indikatoren untermauern den sehr vorsichtigen Optimismus des
Regierungschefs: Ungarns führende Volkswirtschaftler erwarten für den letzten Monat des vergangenen Jahres einen leichten Anstieg der Industrieproduktion im
Vergleich zum Dezember 2008. Im November fiel die Industrieproduktion (um kalendarische Effekte bereinigt) um 9,3% gegenüber dem November 2008. Damit
hat sich der Rückgang wiederum verlangsamt. Der erhoffte Stopp des Rückgangs oder sogar ein leichtes Wachstum im Dezember gegenüber dem Vorjahr, hat
natürlich auch damit zu tun, dass der Dezember 2008 bereits der erste Krisenmonat war, in dem die Industrieproduktion dramatisch einbrach. Dennoch ist man mit den
Zahlen im November recht zufrieden. Die Industrieproduktion soll 2010 gegenüber dem Krisenjahr 2009 jedoch insgesamt nur um 4% wachsen, ein bescheidener
Ausblick, doch immerhin ein Zeichen von allmählicher Konsolidierung, vor allem auf den für Ungarn so lebenswichtigen Exportmärkten.
Außenhandel konsolidiert auf niedrigem Niveau
Im Monat November konnte der ungarische Außenhandel wiederum einen deutlichen
Handelsbilanzüberschuss von 411 Mio. EUR ausweisen (Oktober +471 Mio EUR). Diese Überschüsse (alles vorläufige Zahlen) haben jedoch nichts mit besonders
erfreulichen Entwicklungen zu tun, sondern erläutern nur, dass der Import noch mehr geschrumpft ist als der Export. Dies bedeutet neben Konsumzurückhaltung
vor allem auch ein Minus an Einfuhren von Investitionsgütern und Rohstoffen. Immerhin werden die Devisenreserven der National- und Handelsbanken dadurch ein
wenig entlastet. Auch im November sanken die Importe stärker als die Exporte, beide Rückgänge verlangsamten sich aber weiterhin. Die Exporte schrumpften im
Jahresvergleich um 3% auf 5,8 Mrd. Forint (allerdings waren sie schon im November 2008 stark eingebrochen), die Importe nochmals um 9% auf 5,4 Mrd. HUF. Von
Januar bis November 2009 konnte Ungarn einen Außenhandelsbilanzüberschuss von 4,2 Mrd. EUR ausweisen, 2008 war es noch ein Defizit von knapp 320 Mio EUR. Die
ersten elf Monate 2009 fielen die Exporte insgesamt um 20% auf 54,8 Mrd. EUR, die Importe um 27% auf 50,6 Mrd. EUR. 2008 stiegen die Exporte noch um 3,4%
und erreichten fast 74,4 Mrd. EUR, Importe lagen bei 73,3 Mrd. Anfang Februar liegen die bereinigten Daten des Statistischen Zentralamtes aus Budapest vor.
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