|
(c) Pester Lloyd / 03 - 2010 BUDAPEST 23.01.2010
Sitzt einfach da
Mitten in Budapest hat sich ein Uhu niedergelassen. Hat das etwas zu bedeuten?
In Budapest ist ein Uhu eingezogen und es fällt sehr schwer, die sich aufdrängenden Gleichnisse dieses Vorganges nicht satirisch ausufern zu lassen.
Belassen wir es also einfach bei der Feststellung, dass "die Weisheit" in Budapest einen Platz zum leben sucht und sich die Frage stellt, ob ein so seltener Vogel
in der ungarischen Hauptstadt derzeit ein sicheres Asyl finden kann.
Nach Auskunft der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz ist das Auftauchen
eines Uhus in der Großstadt durchaus ein sehr seltener Vorgang, auch wenn der Zuzug von Wildtieren in die urbanen Metropolen kein neues Phänomen ist. Berlin hat
seine Wildsäue, Mumbai die Affen, London ab und an mal einen Wal und Budapest nun einen Uhu. Der Uhu indes ist nicht so dreist oder verwirrt, dass er sich mit
Menschen gemein macht, sondern extrem sensibel und scheu und meidet daher eigentlich jegliche Siedlung, zumal eine lärmende, stinkende 1,7 Millionen-Stadt.
Schon vor einem Monat, in der Weihnachtszeit also saß die Rieseneule auf einem
Schornstein im 12. Bezirk. Es tut uns leid, aber wie können wir den Bericht der hauptsätdtischen Ornithologen nicht zum Anlass nehmen, auf die besondere Symbolik
des Vorganges zumindest hinzuweisen. Die Vogelschützer berichten, dass "der Uhu auf seinem Schornstein heftig von Krähen (hintertriebene Aasfresser, Anm.d.R.) und
Elstern (diebisch, Anm.d.Red.) attackiert wurde." Woraufhin alarmierte Ornithologen zum Ort des Geschehens eilten, weil sie ein verletztes oder
entkräftetes Tier vermuteten. "Aber es stellte sich heraus, dass es völlig gesund war." Nur attackiert eben.
Buhudapest - Die Rieseneule ist ein echter Schornsteinfeger
Mittlerweile ist der Uhu in den 8. Bezirk umgezogen, aus dem privilegierten
Villenviertel in "den Slum". Vermutlich hat er unsere interessante Reportage über diesen mit Vorurteilen belasteten Bezirk gelesen und will sich nun selbst ein Bild machen. Auch dort bevorzugt er Schornsteine, die er als Wärmequellen nutzt. Er
sitzt einfach da und schaut. In der Dämmerung dann breitet “die Weisheit” ihre Schwingen über Budapest - o.k., der Uhu geht nachts auf die Jagd. Vermutet wird,
Achtung jetzt nochmal Symbolhammer, dass das Tier im kalten Winter in die Stadt zog, weil es hier mehr Ratten und anderes Ungeziefer vorfindet. Da der Uhu weder
Ring noch Fessel trägt, klar, wer kann schon der Weisheit Fesseln anlegen, wird eine wilde Herkunft angenommen. Möglich ist jedoch auch, dass der Uhu aus der Gefangenschaft ausbrach.
Bemerkenswert am Bericht der Tierschützer ist, dass auch hier schon wieder eine
Schätzung vorgenommen wird. Der Wert eines Uhu wird mit 250.000 Forint angegeben, ca. 920.- EUR und hinzugefügt, dass die Art gefährdet und äußerst
selten ist, gerade 40 Paare werden in den felsigen Ecken der ungarischen Mittelgebirge vermutet. Vielleicht hat man mit der Wertangabe auch deshalb so
untertrieben, weil sich für weniger als einen Tausender kaum ein Ganove findet, der sich über die Dächer schlägt, um "der Weisheit" nachzujagen. So hoffen alle, außer
Ratten, Elstern, Krähen, dass sie lange in Buhudapest bleiben und sich häuslich einrichten möge...
-red
Foto 1: Archiv, Foto 2: Ung. Gesell. f. Ornithologie und Naturschutz
KOMMENTAR IM GÄSTEBUCH ABGEBEN
|