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(c) Pester Lloyd / 03 - 2010  POLITIK 22.01.2010

 

Medaillenwürdige Impfaktion

30% der Bevölkerung gegen H1N1 geimpft, 100 Tote, die Regierung ist sehr zufrieden

Die ungarische Regierung hat, wegen der ständig kleiner werdenden Nachfrage, entschieden, die Impfzentren, die extra wegen des H1N1-Virus eingerichtet wurden, am 4. Februar zu schließen. Fast 100 Menschen sollen an der neuen Grippe gestorben sein, 3 Millionen wurden geimpft, dafür will der Regierungschef den Verantwortlichen am liebsten eine Medaille umhängen. Zweifel am Sinn der teuren Großaktion hat offiziell niemand mehr.

Gesundheitsminister Tamás Székely bezifferte die Todesfälle, "die mit der neuen Grippe in Verbindung gebracht werden können", auf 94, wöchentlich kommen derzeit noch 2-3 dazu. der jüngste Fall ist ein 33jähriger, der am Mittwoch in Debrecen vertarb. In der abgelaufenen Woche sollen sich 14.200 Menschen "mit Grippesymptomen" bei Ärzten und in Krankenhäusern gemeldete haben, 9% weniger als in der Woche zuvor und deutlich unter dem für eine Epdemie in Ungarn festgesetzten Grenzwert von 20.000.

Ministerpräsident Gordon Bajnai würde seinem Nationalen Epidemie Zentrum am liebsten eine Medaille überreichen und ließ ausrichten: "gäbe es eine Europameisterschaft im Kampf gegen die Grippe, Ungarn wäre auf jeden Fall auf dem Siegerpodest." Der oberste Gesundheitswächter Ungarns, Ferenc Falus, warnte, dass es Ende des Monats und nochmals im März eine weitere Grippewelle über das Land schwappen könnte, sowohl ausgelöst durch das H1N1-Virus als auch durch die saisonale Grippe.

Ungarn hat mit 3 Millionen Geimpften, also 30% der Bevölkerung, eine der höchsten Impfraten in der EU. Es benutzt einen im Lande entwickelten Impfstoff der Firma Omninvest, deren verschlungene Eigentümerstruktur auch ein Fall für parlamentarische Unstersuchungen wurde. Es gibt den Vorwurf, dass die Hintermänner, die die Mehrheit an dem Unternehmen angeblich über eine zypriotische Off-Shore-Gesellschaft halten, als Strohmänner für einige sozialistische Abgeordnete agieren. Ein sehr gutes Geschäft hat Omninvest auf jeden Fall gemacht.

Kritisch zu betrachten ist auch die Propagandaschlacht, die Regierungsbehörden um die Impfung anzettelten. Kritische oder zweifelnde Stimmen wurden diffamiert und mundtot gemacht, bei etlichen mit der Grippe in Zusammenhang gebrachten Todesfällen ist erheblicher Zweifel an einem direkten Einfluss des Virus´ auf die Todesursache angebracht. Auch die Zahlen über die Neuerkrankungen sind empirisch unbrauchbar, da die Gesundheitsbehörden alle Grippesymptome in einen Topf wirft und einmal kräftig umrührt.

Hintergrund - Chronologie:

Mikulás als Virenschleuder (Dez 2009)
Ungarn warnt die Kinder vor dem Nikolaus

Alles Hysterie? (Nov 2009)
Offizielles Zweifeln verboten: Ungarn setzt auf Vollimpfung gegen Schweinegrippe

Das Selbstbedienungsland (Nov 2009)
Vier Fälle von Korruption und Intransparenz in Ungarn (siehe: Fall 2)

Ungarische Regierung lässt sich öffentlich impfen (Nov 2009)

Warum die Eile? (Okt 2009)
Streit um H1N1-Impfstoff auch in Ungarn

Impfstoff gegen H1N1 in Ungarn zugelassen (Sep 2009)

H1N1: Ungarn testet und produziert schon Impfstoff (Jul 2009)

 

 

 

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