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(c) Pester Lloyd / 03 - 2010
POLITIK 22.01.2010
Jeder Zweite will nicht
Offizieller Startschuss in Ungarn: Wahl in 72 Tagen - MIT UMFRAGE
Wie bereits mehrfach zuvor angekündigt, hat der ungarische Präsident László Sólyom nun auch offizell den Wahltermin für die Parlamentswahlen 2010
angekündigt. Er wählte den frühestmöglichen Termin, wonach wenigstens 72 Tage zwischen Ankündigung und erstem Wahlgang liegen müssen. D.h. der
erste Wahldurchgang findet am Sonntag, 11. April statt, die zweite Runde am 25. April.
Nach bisherigen Umfragen ist das Interesse an den Wahlen und
überhaupt an politischen Themen in Ungarn so niedrig wie noch nie. Die Krise und der seit Jahren andauernde Grabenkampf der politischen Blöcke, hat viele Menschen resignieren lassen.
Jeder zweite Wahlberechtigte wird wohl nicht an der Wahlurne erscheinen. 43% wollen bisher nur sicher. Die letzte Umfrage des
Institutes Szonda Ipsos sieht in Ungarn ein Drei-Parteien-Parlament entstehen. Die rechtsextreme Jobbik wird die 5%-Hürde mühelos nehmen, die noch regierenden
Sozialisten kämpfen um die 20%-Marke und das nationalkonservative Fidesz wird vermutlich die absolute Mandatsmehrheit erlangen können. Auch eine
2/3-Mehrheit, mit der eine Partei allein die Verfassung ändern könnte, wird dem Fidesz zugetraut.
Das hängt aber auch davon ab, wie stark die Molbiliserung der Anhänger gelingt, wieviel die Rechtsextremen am
rechten Rand des Fidesz abknabbern können und ob das sich abzeichnende Wahlbündnis der moderat-konservativen Partei MDF und den Resten der Liberalen vom SZDSZ den Sprung über die 5%-Hürde
schafft. Sie selbst trauen sich gar 8-10% zu, Umfragen sehen beide zusammen eher bei 3-5%. Es ist zwar unwahrscheinlich, doch durch den Verzicht des einen oder
anderen MSZP-Direktkandidaten, könnte der Einzug in dem einen oder anderen Wahlkreis, z.B. in Budapest über ein Direktmandat gelingen. In 72 Tagen kann aber
noch viel passieren, die (offiziellen) Wahlkampagnen laufen gerade erst an, auch wenn in Ungarn gefühlt schon seit zehn Jahren Dauerwahlkampf herrscht.
Wenn am nächsten Sonntag in Ungarn Wahlen wären...
Im Dezember gab es keine wesentlichen Veränderungen bei der Wählergunst
gegenüber den Parteien in Ungarn. 63% der zur Wahl entschlossenen Befragten würden Fidesz wählen, 21% die MSZP. Die rechtsextreme Partei Jobbik konnte von
10 auf 12% zulegen. Das Demokratische Forum (MDF) liegt bei 2%, das liberale SZDSZ und die grün-alternative Partei LMP bei je 1%. Wären am nächsten Sonntag
Wahlen, würden jedoch nur 43% der Wahlberechtigten zu den Urnen gehen, dieser Wert lag bei den Umfragen vor letzten Wahlen noch zwischen 55 und 58%, die tatsächliche Beteiligung dann bei um 60%.
Rechnet man die Unterstützung auf alle Wahlberechtigten hoch, kämen die
regierenden Sozialisten auf nur noch 14% Rückhalt in der Bevölkerung, Fidesz auf 35%, Jobbik auf 7%. Den stärksten Zulauf hat das Fidesz bei Wählern unter 50, die
Sozialisten werden von über 60jährigen überproportional unterstützt, aber auch dort nur von 25%. Jobbiks Anhänger rekrutieren sich überwiegend aus
Unterdreißigjährigen. Die Umfrage stammt aus der zweiten Januarwoche, die Fehlerquote wird von Szonda Ipsos mit +/- 2,5%-Punkten angegeben.
Wie würden Sie wählen? Wie geht die Wahl aus? Machen Sie mit bei unserer Leserumfrage Alles weitere in unserem Dossier: Wahlen in Ungarn 2010
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