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(c) Pester Lloyd / 04 - 2010  WIRTSCHAFT 28.01.2010

 

Kein Schwert für den Ninja

Wettbewerbsstrafen für Aldi und Penny in Ungarn

Während Penny es mit Trappista, angeblich ein Käse, akciómäßig etwas zu bunt getrieben hatte und dafür eine empflindliche Geldstrafe erhält, wurde Aldi wegen groben Unfugs mit Karnevalskostümen eher symbolisch verdonnert. In einer ellenlangen Beweisführung legt das Wettbewerbsamt die Folgerichtigkeit seiner Minimalstrafe dar, so als ob es im ungarischen Wettbewerb sonst nichts zu kontrollieren gibt.

Penny, Teil des deutschen Rewe-Konzerns, feierte 2009 seinen 13. Geburtstag in Ungarn und die rund 130 Filialen boten entsprechende Geburtstagsaktionen feil. Dabei fiel den Wettbewerbshütern von der GVH vor allem eine Akció für Trappista auf, aber nicht weil dieser Käse vielleicht geschmacklos wäre, ja altreifenartig schmecken würde, sondern weil Etwas mit den -80% der Sonderaktion nicht stimmte. Es ging dabei um den Aktionspreis und den sonstigen Ladenpreis. Penny meinte es wäre so und so viel gewesen. War es aber nicht, zumindest nicht oft genug, meinten die Leute von der GVH und stellten nicht nur eine Verzerrung des Wettbewerbs durch unlautere Werbung fest, sondern auch eine Irreführung des Konsumenten. Für diese und eine andere Aktion wurde Penny nun mit Strafen von 33 Millionen Forint, ca. 120.000 EUR belegt.

Nur ca. 3.670 EUR, also 1 Million Forint ist die GVH dagegen der Schindluder wert, den Aldi, der Deutschen liebster Discounter, mit ungarischen Kindern getrieben hat. In den Aldi-Filialen, die übrigens noch echte Frischlinge auf dem ungarischen Einzelhandelsmarkt sind, wurden in der letzten Faschingssaison Karnvealskostüme als "Kidz Alive" Set angeboten. Darunter eine Prinzessin oder Fee, ein Indianer und ein Ninja. Der Fee fehlte im Set der Zauberstab, der auf der Packung jedoch zu sehen war, dem Indianer ging das Thomahawk ab und der Ninja blieb ohne Schwert, obwohl er es auf der folie noch schwang.

Affäre von internationalem Ausmaß

Prompt meldeten das enttäuschte Eltern dem Wettbewerbsamt und übersahen dabei, dass auf der Packung mit einem * vermerkt war, dass die Kostüme " * ohne Dekoration" verkauft werden. Das meldete Aldi nun wiederum dem Wettbewerbsamt. Monate vergingen. Gutachter zerbrachen sich die Köpfe darüber, ob ein Indianer ohne Waffe ein Indianer und ob ein Ninja ohne Schwert nicht einfach nur ein Sushi-Bäcker ist. Des Pudels Kern wurde letztlich aber die Frage, inwieweit es für den "durchschnittlich gebildeten und verantwortungsvollen" Konsumenten ersichtlich sein musste, dass mit dem "ohne Dekoration" automatisch gemeint sein musste, dass die Kostüme ohne Besteck daherkommen und wie zwangsläufig sich dieser Zusammenhang im Kaufprozess ergibt. So ungefähr führt es das GVH in einer ellenlangen Begründung aus, die uns sogar zweisprachig vorliegt, weil das GVH darin offenbar eine Affäre internationalen Ausmaßes sieht, schließlich geht es auch um die ungarisch-japanischen Beziehungen und mit den indigenen Völkern will es sich auch niemand verscherzen.

Das GVH am dann irgendwie doch zu einem Schluss und sprach 1 Mio Forint Strafe aus, eine Höhe, die nicht gerade nach einer überzeugten Sanktion klingt. Aldi hat die Möglichkeit des Einspruchs dieser Strafe vor Gericht. Wir hätten da einen Tipp: ninja heißt auf japanisch wörtlich: der Verborgene. Mithin war das Schwert natürlich im Set, aber eben verborgen, weltläufige Kunden haben das auch erkannt, nur ein paar Landeier müssen natürlich wieder mit ihrer Unwissenheit prahlen. Zauberstäbe können sich auch selbst wegzaubern und Thomahawks? Nun, die 333.000 Forint zahlt Aldi sicher gerne, wenn, ja wenn die Wettbewerbsbehörde GVH, im Namen der gesamten Bevölkerung endlich dafür sorgt, dass in Ungarn in allen Geschäften, in denen Staubsauger verkauft werden, ab sofort immer auch die passenden Beutel verfügbar sein müssen!

Mehr zu den Aktivitäten der GVH:

Aufseher im Akció-Zoo
Die ungarischen Wettbewerbshüter ziehen eine zwiespältige Bilanz 2009
 

 

 

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