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(c) Pester Lloyd / 04 - 2010 WIRTSCHAFT 27.01.2010
Hoher Risikoaufschlag
Warum lieh sich Ungarn 2 Milliarden US-Dollar?
Ungarn hat eine Staatsanleihe über 2 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Die Laufzeit des "Schuldscheins" liegt bei 10 Jahren, die Verzinsung bei 6,25% pro
Jahr und damit 2,65% über vergleichbaren US-Anleihen. Diese Differenz, Spread genannt, liegt damit höher als beispielsweise bei Anleihen der Türkei,
das von Ratinagenturen jedoch als riskanter eingestuft wird als Ungarn.
Die Türkei platzierte eine 30-Jahre-Anleihe
kürzlich mit einem Spread von 198 Basispunkten (also 1,98% über dem vergleichbaren amerikanischen Produkt). Das fast bankrotte Griechenland zahlte 350 Basispunkte mehr.
Nicht ganz unerwartet ging die ungarische Anleihe "weg wie warme Semmeln". Mehr als 190 institutionelle Anleger, also Banken, Fonds, bedienten sich bei dem lukrativen Angebot. Die
Nachfrage stieg auf über 7 Mrd. US-Dollar an, was Kritiker dazu veranlasst, die Verzinsung als überzogen zu bezeichnen.
Die ungarische Regierung unternahm nach der Notrettung durch EU und IWF mit 20
Milliarden EUR, angestrengte Versuche, möglichst bald wieder auf dem internationalen Anleihemarkt Fuß zu fassen, nach dem ungarische Staatspapiere im
Herbst 2008 praktisch unverkäuflich waren. Auf die letzte Rate des IWF-Kredites hatte man sogar verzichtet und sie als Reserve zurückgestellt. Auf den Markt der Euro-Bonds konnte man bereits zurückkehren.
Die Finanzierung der Staatsschuld über Anleihen gilt in der finanzmarktdominierten
Wirtschaft als der Regelfall, eine gute Bonität als wichtiger Vertrauensaspekt auch für andere Investoren. Aber warum jetzt in USD und nicht in EUR? Der Chef des
ungarischen Schuldendienstes begründete den Schritt mit der "Erweiterung der Investorenbasis", zwei Drittel der Anleihezeichner waren demnach US-Investoren.
Diese sehen zwar die Bemühungen der Ungarn um Stabilität, betrachten das Land aber dennoch nicht als risikoarm. So kann man natürlich den Zinssatz in die Höhe treiben.
Durch Anleihen in ausländischer Währung geht Ungarn jedoch auch ein Risiko ein,
sollte der USD gegenüber dem Euro deutlich erstarken, was durch die Neuverschuldungen im EU-Raum mittelfristig durchaus denkbar ist, zahlt Ungarn am
Ende und bei den Zinszahlungen drauf. Gleichzeitig hat Ungarn, durch seine Entscheidung für den Dollar und gegen den Euro, der Gemeinschaftswährung nicht
gerade einen Dienst erwiesen. Ein schwacher Euro hilft allerdings wiederum exportorientierten ungarischen Unternehmen.
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