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(c) Pester Lloyd / 04 - 2010 BUDAPEST 28.01.2010
Das große Fressen
Fette Tage in Budapest: Mangalica Festival und "Verfressener Donnerstag"
Die Gourmands übernehmen im Februar das Regiment in der ungarischen Hauptstadt. Nicht, dass feingesponnene Gourmets, homöopathische Vegetarier
oder Slow Food-Asketen hier irgendwann etwas zu melden gehabt hätten, doch im Februar bricht sich die Völlerei vollends Bahn: mit dem Mangalicafestival
vom 5. bis 7. Februar und dem "verfressenen", wörtlich eigentlich "naschhaften", (aber wir wissen ja, worauf es hinausläuft), Donnerstag, am 18. Februar.
Das Mangalica Festival findet vom 5. bis 7.
Februar an der Burg Vajdahunyad im Stadtwäldchen statt und rückt eine Schweinerasse ins rechte Licht, die in Ungarn gezüchtet, zwischenzeitlich fast vergessen wurde und kurz vorm Aussterben
stand, aber seit einigen Jahren eine erfreuliche Renaissance feiert. Es gibt wieder mehrere Zuchtfarmen und Verarbeitungsbetriebe, die sich auf das Mangalica, zu Deutsch auch Wollschwein,
spezialisiert haben und die Zahl der Tiere dürfte bald 15.000 übersteigen.
Abb. Mangalica Festival
In Ungarn ist man stolz auf die
Wiedergeburt dieser Rasse und trägt bei der Vermarktung sehr bewusst die nationalen Farben dick auf. Freilich gibt es, wie bei allem womit Geld zu verdienen
ist, auch neagtive Erscheinungen. Während am Anfang vor allem Biobetriebe von dem Mangalica-Aufschwung profitierten, übernehmen nun häufiger wieder
Massenbetriebe das Geschäft. So ist längst nicht überall Mangalica drin, wo es draufsteht und grunzt und ein spanischer Investor läßt die Schinken des dicken
Zottels sogar als "Iberico-Art" vermarkten, eine Art Ost-Serrano also, obwohl weder die Rasse und schon gar nicht deren Ernährung und Lebensweise etwas mit dem Original-Iberico gemein haben.
Das Fleisch, und das ist auch so ein marketingbedingtes
Missverständnis, ist keineswegs "so gesund", wie es landläufig heißt. Es ist sehr sehr fett und auch cholesterinhaltig, aber, es enthält einen recht hohen Anteil an ungesättigten Fetten und dem
Omega-3-Wunder, das zumindest die Bildung des guten Cholesterins (HDL) begünstigt. Richtig ist, dass der hohe Fettgehalt dem Fleisch
Zartheit in der Textur und einen üppig-feinen Geschmack verleiht, wie überall lautet auch hier Maßhalten die Empfehlung. Eine Spezialität, ein Hungaricum ist es allemal,
in den ungarischen Gasthäusern bis hin zu österreichischen Hauben-Küchen hat es seinen Platz gefunden. (Hintergrund zum Mangalica auf der Webseite des Biohof Gyürüspuszta).
Volksmusik und -tanz umrahmt das dreitägige Spektakel am Stadtwäldchen, es gibt
sogar ein eigenes Mangalica Festivalorchester. Aber auch "Ethnofunk" wird geboten und das "Road kill cafe" tritt auf. Am Abend spielt die Popband von Verá Tóth. Im
Zentrum steht jedoch das große Fressen, von Spanferkel, über Würste bis Schinken. Auch lebende Exemplare werden vorgestellt, Mangalica gibt es ja in vielen Farben
und Ausformungen. Diese dürfen dann zusehen, wie am Stand nebenan ihre Verwandten verspeist werden. Details zu Ausstellern, Programmen und Organisatorischem auf der Webseite: www.mangalicafesztival.hu
18. Februar: Schlemmen zum halben Preis
Der "Torkos Csürtörtök", also der "verfressene", wörtlich eigentlich "naschhafter",
(aber wir wissen ja, worauf es hinausläuft), Donnerstag, lockt in hunderte Restaurants, die an diesem Tag Speis´ und Trank zum halben Preis anbieten. Diese
Marketingaktion der Ungarischen Tourismus AG hatte in den letzten Jahren schon großen Erfolg, 2009 sollen angeblich 1.300 Restaurants daran teilgenommen und
230.000 Gäste bewirtet haben. Die Veranstalter weisen die teilnehmendne Lokale übrigens darauf hin, dass die gesamte Karte für den Tagesrabatt zur Verfügung
stehen muss und nicht nur eine verkürzte Event-Variante, mit der sich clever dünkende Wirte aus der Affäre ziehen wollten. Auch wurden Lokale, die sich nicht an
die Abmachungen hielten, in diesem Jahr von der Teilnahme ausgenommen.
Interessanterweise wird der Dicke Donnerstag seit Jahren immer auf den Tag nach
dem Aschermittwoch gelegt, was im katholisch dominierten Ungarn doch eine ziemliche Provokation der Hüter des Kirchenkalenders darstellt. Schließlich markiert
der Aschermittwoch den Beginn der österlichen Fastenzeit und Völlerei ist sowieso als Todsünde untersagt, was hier aber noch niemandem den Appetit verdorben hat. Der
Registrierungsprozess läuft noch, doch in einigen Tagen werden die teilnehmenden Lokale auf dieser Webseite erscheinen: www.menjunkenni.hu
-red
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