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(c) Pester Lloyd / 04 - 2010 BUDAPEST 29.01.2010
Zwischen den Stühlen
Zu Besuch bei Möbelrestaurator Kibelbeck in Budapest
Viele alte Berufsgruppen sind vom Aussterben bedroht, auch in Ungarns Hauptstadt. Doch noch findet man, anders als in anderen Städten, in Budapest
eine ganze Reihe von alten Gewerken und Originale, so wie József Kibelbeck. Verschmitzt grinst der 60 Jahre alte Handwerker in seinem blauen Arbeitskittel im Laden an der Bartók Straße.
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Er ist so ein Handwerker der alten Schule und er und seine Werkstatt sehen auch so
aus. Seit 45 Jahren sind alte Tische und Stühle sein Metier, das er am liebsten allein beackert. Seine Domäne sind vor allem antike Möbel, die neu bepolstert oder poliert
werden sollen. Stolz erklärt der große weißhaarige Mann, dass er in einem Jahr in Rente geht: „Ich fürchte mich überhaupt nicht vor dieser Zeit, ich werde viel Geld
bekommen, weil ich viel gearbeitet habe.“ "Viel Geld", das sind 300 Euro im Monat, die ihn erwarten, zum Unterschied zur Mindestrente, die gerade die Hälfte
ausmacht. Doch werde er die Hände nicht von Tischen und Stühlen lassen. Zum einen, weil er sich in 45 Jahren so sehr an die Arbeit gewöhnt habe und zum
anderen, weil er sich so noch etwas dazu verdienen könne.
„Alte Möbel sind wie Tote“ - es gibt immer welche
Zur momentanen Auftragslage kann er nur den Kopf schütteln. Sie ist in der
Wirtschaftskrise bis zu 40% zurückgegangen, wenn auch seine kleine Werkstatt eine andere Sprache spricht. Der winzige Raum ist bis zur Decke gefüllt mit alten Möbeln
und Werkzeug. Kibelbeck gibt zu, dass die Situation in anderen Berufsgruppen viel dramatischer ist. „Alte Möbel gibt es immer, genauso wie Tote. Es ist nur die Frage,
ob die Menschen sie weiterhin schätzen werden oder lieber auf die großen Konkurrenten, wie den Discounter Kika umspringen.“
Vier Schritte und viel warten
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Heute kommen vor allem Stammkunden in seinen Laden. Die rund einhundert Jahre alte Bank aus Pécs wird schon
zum zweiten Mal bearbeitet. Was so einfach klingt, ist Knochenarbeit über Wochen hinweg. Zunächst abschmirgeln, dann Farbe auftragen, aber der aufwendigste Schritt ist das Polieren selbst, meint
Kibelbeck. Mit einem weichen Schwamm kann er nur zwei bis drei Stunden pro Tag an einem Stück arbeiten, da für eine ordentliche Politur Einzugszeiten berücksichtigt
werden müssten. Unter anderem für diesen Zweck leistet sich der Handwerker einen Lagerraum, in dem die schönen und alten Stücke chaotisch nebeneinander stehen und auf ihre nächsten Arbeitsschritte warten.
Seine freundliche zurückhaltende Art und das gemütliche Chaos in seiner kleinen
Werkstatt erfüllen das Klischée vom kleinen traditionsbewußten Handwerker wie gemalt. Hat Kibelbecks Zunft, seine Werkstatt eine Zukunft? Einst hatte er einen
Auszubildenden, aber die Zeiten seien vorbei. Er komme ohnehin alleine besser zurecht und wenn es doch ein Problem gibt, dann hat er mittlerweile genügend Kontakte, sagt er.
Tibor Wilhelm Benedek
Die Werkstatt befindet sich im XI. Bezirk in der Bartók Béla Straße 36-38, Telefon: (01)466-4466
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