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(c) Pester Lloyd / 05 - 2010  KULTUR 05.02.2010

 

Sammelleidenschaften
russischer Textilfabrikanten

"Von Degas bis Picasso" im Museum der Schönen Künste in Budapest

Bis zum 25. April bietet das Museum der Schönen Künste Budapest den Einblick in Logik und Leidenschaft von Kunstsammlern und die Möglichkeit die französische Malerei von Mitte des 19. Jh. bis zum Anfang des 20. Jh. zu entdecken. 150 Jahre französische Kunst, ihre Entwicklung und Strömungen, Ausartungen und bekannten Gesichter, dargestellt in 55 Werken der Sammlung Morozov-Schukin aus dem Moskauer Puschkin-Museum.

Das Foyer des Museums ist überladen mit Menschen. Die Kassen verstopft und der Gedanke, die Ausstellung vielleicht erst morgen zu besuchen, kommt auf. Trotzdem wird sich angestellt und gewartet und gesucht und bezahlt und mit einem freundlichen Lächeln und akzentfreiem Englisch wird mir der Weg zur französischen Malerei gewiesen. In den Keller des Museum, vorbei an den Garderoben. Die Ausstellung „Von Degas bis Picasso“ ist in zwei Räumen angelegt und chronologisch aufgebaut. Die Räume sind dunkelgrau gestrichen und verleihen den in schweren barocken Goldrahmen steckenden Gemälden schwerfälligen Glanz alter Zeit. Die erste Station der französischen Zeitreise ist der Realismus.

Jede neubeginnende Strömung und Kunstrichtung wird mit einleitenden Worten und Überblicksinformationen eingeführt, die allerdings, hat man nicht selber grundlegende Kenntnisse auf den verschiedenen Gebieten der Kunst, ewig unfertig und mangelhaft bleiben. Man wird geführt von Hochzeitsportraits zu verschwommenen Landschaftsaufnahmen. Vom alles beschönenden Impressionismus zu Paul Cezanne, der versucht Grundfestigkeit in die impressionistische Bewegung einzuführen. Von Seerosen zu naiver Kunst bis zur Abstraktion des Kubismus und nur noch angedeuteten Formen und Farben. Jedes Bild hat seine Erklärung und jedes Werk seine Berechtigung.

Zu sehen sind die Künstler Degas, Monet (Bridge over a Pond of Water Lilies, Foto oben), Van Gogh (Gefängnis Hof), Rousseau (Ein Jaguar greift ein Pferd an, siehe unsere Abb. weiter unten), Picasso(Young Harlequin) und Matisse (Der Tanz). Von Realismus über Symbolismus, The Fauves, Avant Garde, Kubismus.

Das bunt gemischte Bilderensemble ist offen und lebendig. Die Mischung der realistischen Bilder mit denen der naiven Kunst und des Impressionismus mit Kubismus ist eine anregende Zusammenstellung, die wiederum für die meisten der Besucher eine Besonderheit bieten wird. Das Konzept der Ausstellung jedoch muss beim Betrachten beachtet werden. Die Leihgabe des Puschkinmuseum Moskau hat weder den Anspruch der Vollständigkeit und chronologischen Eindeutigkeit noch das Ziel und die Ambitionen dem Besucher vordergründig Fakten und Informationen zu vermitteln.

Im Mittelpunkt steht nicht die Kunstgeschichte, entworfen und empfunden durch die Augen der Künstler, im Fokus des Museums stehen Geldgeber, Sammler, Förderer und Aussteller. Die 55 Bilder sind in ihrer Gesamtheit aufgekauft, zusammengekauft und ausgestellt worden von zwei privaten Sammlern. Morozov and Schukin waren russische Textilfabrikbesitzer und Förderer zeitgenössischer Kunst.

Der Schwerpunkt dieser Ausstellung ist nicht die Darstellung der Kunst in ihrer historischen Entwicklung, sondern die (A)Logik der Sammlung, die Leidenschaft der Förderer, die Interessen der russischen Mäzene und die vielleicht nicht vorhandene Struktur innerhalb ihrer Einkäufe. Der Mensch sammelt was gefällt. Der Mensch fördert und unterstützt, allein mit seiner subjektiven Entscheidung des Wohlgefallens, über Erhalt oder Zusammenbruch, publik werden oder Einsamkeit von Kunststilen. Ohne es vielleicht gewusst oder geahnt zu haben, sind diese beiden Privatsammlungen französischer Kunst mit die wichtigsten Sammlungen von Privatpersonen. Ohne es sicher im vollen Ausmaß bedacht zu haben und spätere Konsequenzen zu betrachten, sind Morozov und Schukin Mitgestalter der Kunstszene.

Sammler und Förderer als immer unterschätzte und vernachlässigte Seite. Sammler und Förderer als mitbestimmendes Moment und weichenstellende Möglichkeiten. Die Ausstellung ist die bunte Kollektion zweier Sammler und gibt Einblick in die vielleicht wahllos erscheinende Aneinanderreihung von Werken, die im Nachhinein die gesamte franzöische Malereihistorie im Ausschnitt wiedergibt. Kunstkauf zur Kunsterhaltung. Kunstkauf zur Förderung. Kunstsammler als vielleicht die eigentlichen Künstler mit dem Druckmittel Förderungen im Hintergrund.

Katherin Wagenknecht

Bis 25. April, 3000 HUF, ermäßigt 1500 HUF
Im Museum der Schönen Künste, Heldenplatz, Budapest
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