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(c) Pester Lloyd / 05 - 2010
POLITIK 05.02.2010
Wer´s glaubt...
Die Vermögenserklärungen der Parlamentarier in Ungarn wurden veröffentlicht
Für Psychologen wären diese Bögen sicher ein dankbares Forschungsobjekt. Eigentlich auch für Kriminalisten. Manche sind lustlos zusammengestrichen,
andere nervös detailliert bekritzelt, wieder andere mit großer Feder kleingehalten. Gemeint sind die jährlich von den Abgeordneten des ungarischen
Parlamentes auszufüllenden Einkommens- und Vermögensbescheinigungen, die in ihrer handschriftlichen Originalversion auf der Webseite des Hohen Hauses zu sehen sind.
Ja, meine Brille ist ein Kassengestell, aber woher haben Sie Ihre teure Krawatte?
(Klicken Sie auf diesen Link des Parlamentes, suchen Sie sich einen Abgeordneten aus
und klicken Sie dann auf den Punkt: “Vagyonnyilatkozat 2009”, es öffnet sich die entsprechende pdf-Datei)
Wir erfahren allerdings nicht viel Spektakuläres, man wundert sich aber doch. Vor
allem darüber wie relativ darbend die Abgeordneten zu sein scheinen. Fast alle haben Kredite laufen, die Autos sind teilweise älter als ihre Kinder, viele besitzen gar keine
(Autos), fahren aber auch nicht mit dem Fahrdienst vors Parlament. Von ihren Häusern und Wohnungen gehören ihnen nur Viertelanteile, Nebenbeschäftigungen
oder gar Firmenbeteiligungen gaben die Wenigsten an und nur manche besitzen einen privaten Laptop. Vielleicht sollte man in Zukunft solche Aufstellungen von der
gesamten Verwandschaft der Mandatare mit einfordern, um wenigstens eine halbwegs plausible Einschätzung zu haben.
Zu den etwas Wohlhabenderen zählt z.B. János Koka, der ehemalige
Wirtschaftsminister unter Gyurcsány, jetzt Fraktionschef der Liberalen und sonst ein pfiffiger IT-Geschäftsmann. Der junge Mann fährt einen A8, allerdings geleast, hat
ein großes Haus, ein kleines Haus und viele Grundstücke. Ganz Ungarn weiß, dass er Forintmilliardär ist, aber dennoch hat einen Kredit laufen. Na gut. Die Parteichefin
der MSZP meldet Ersparnisse von gerade etws mehr als 1.000 EUR an, lebt in einer 100qm-Wohnung und erhält im Monat neben ihren 400.000 Forint Abgeordnetendiät
noch 280.000 Forint (etwas mehr als 1.000 EUR) für die Leitung der Partei. Sie konnte sich über Weihnachtsgaben von 30.000 Forint (110.- EUR) wie z.B. Kalender
etc. freuen. Ihr Spitzenkandidat, Attila Mesterházy besitzt eine Wohnung im dritten Bezirk, zwei Garagen in Veszprém (um Ende April das Fluchtauto zu wechseln?) sowie
ein Waldstück und, sage und schreibe, ein 15 Quadratmeter-Garten am Balaton, woran man wohl erkennt, dass die Sozialisten keine Ahnung von gescheiter Veranlagung haben.
Fidesz-Chef Orbán gibt als monatliches Einkommen 400.000 Forint
Abgeordnetenhonorar sowie 402.000 Forint als Parteivorsitzender an, was zusammen nicht einmal 3.000 EUR ergibt. Noch dazu brutto! wie er ausdrücklich in seiner
Erklärung unterstreicht. Letztes Jahr leistete er sich einen Laptop und lebt mit seiner Frau in einem 180 Quadratmeter-Haus im noblen 12. Bezirk wo er persönlich
den Schnee wegfegt. Einen auf 7 Jahre lautenden 20 Mio Forint-Kredit haben die beiden letztes Jahr zurückgezahlt, das Familienglück scheint perfekt. Die MDF-Chefin
Ibolya Dávid besitzt zwei Wohnungen in Buda, eine weitere im dritten Bezirk und 2/3 eines Ferienhauses, bekommt aber kein Geld als Parteichefin, manche meinen, zu recht.
Etwas deftiger geht es da bei Nationalbankspräsident András Simor zu, sein
Vermögen gibt er mit knapp 1,5 Milliarden Forint, rund 5,5 Mio EUR an, auch, weil er seine umstrittenen Beteiligungen an einer zypriotischen Off-Shore-Unternehmung
auf Druck der Opposition verkauft hat. Die Vize-Zentralbankchefin Júlia Király gibt an, 400 Mio Forint auf der hohen Kante zu haben, immerhin 1,45 Mio EUR. Warum
die Nationalbanker eines völlig überschuldeten Landes selbst Euromillionäre sind? Keine Ahnung, in Ungarn ist das so. Die lustigste Offenbarung stammt jedoch von
Budapests Oberbürgermeister Gábor Demszky. Bei ihm kommt nämlich heraus, dass er gar nicht in Budapest wohnt, sondern in Budakeszi. Er hat Anteile an zwei
Häusern und einer Wohnung und ihm gehört ein 130 Quadratmeter Feriendomizil in Kroatien. Das wird er wohl bald ausführlich genießen dürfen, denn Dank BKV-Skandal
und anderer Malaisen bleibt ihm die gefühlt 38. Amtszeit als Bürgermeister ganz bestimmt erspart.
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