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(c) Pester Lloyd / 05 - 2010  KULTUR 05.02.2010

 

Besucher aus Macaristan

Auf den Spuren von Bartók, Kossuth und Rákóczi in der Türkei

Seit Anfang des Monats gibt es in der Türkei ein kleines Museum, das sich dem Wirken des ungarischen Nationalkomponisten Béla Bartók in der Türkei widmet. Auch ein Kossuth-Museum gibt es am Bosporus und die wenigsten wissen, dass der Nationalheld Ferenc II. Rákoczi im türkischen Exil starb. Sein letztes Wohnhaus ist heute Museum und wurde gerade renoviert. Es gibt also mehr Verbindungen zwischen beiden Ländern als nur der Einfall der Osmanen in Macaristan.

In Osmaniye, der 450.000-Einwohner-Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Süden des Landes, eröffneten der türkische und der ungarische Kulturminister, Ertuğrul Günay und István Hiller, am 2. Februar die ständige Ausstellung zu Béla Bartók. Er besuchte die Türkei im November 1936. Binnen zwei Wochen hielt er sich in rund 14 anatolischen Gemeinden und abgelegenen Siedlungen auf, um mit rund 30 Bewohnern seine berühmten Phonograph-Aufnahmen von Volksmelodien und -gesängen zu machen. In erster Linie war er den Wurzeln und verschlungenen Pfaden der ungarischen Volksmusik auf der Spur, was gleichzeitig zu einer ethnographischen, etymologischen und musikwissenschaftlichen Lebensforschung wurde. Seine Studien halfen aber auch in der Türkei einer Systematisierung der Volksmusiken der verschiedenen dort lebenden Ethnien. In der ständigen Ausstellung werden die Vorbereitungen der Expedition illustriert, die Reise dokumentiert sowie über die Ergebnisse berichtet.

Neben der ständigen Bartók-Ausstellung, gibt es in der Türkei noch drei weitere Museumsstätten mit ungarischem Inhalt. Darunter befindet sich das Kossuth Museum in Kütahya im nordwestlichen Kleinasien (und übrigens eine Partnerstadt von Pécs), wo Kossuth nach seinen abenteuerlichen Rückzugsgefechten 1849 bis 1851 bis zu seinem Asyl in Amerika ausharren konnte, ohne den Österreichern ausgeliefert zu werden. Dann gibt es das Gedenkhaus für Imre Thököly, einen antihabsburgischen, protestantischen Adligen aus dem damaligen Nordostungarn, der auf der Seite der Türken vor Wien (1683) kämpfte sowie das Museum für seinen Stiefsohn, Ferenc II. Rákoczi in Tekirdağ (Foto), historisch eher als Rodostó bzw. Redestós bekannt. Hier starb 1735 der Prinz und Sohn eines Fürsten von Siebenbürgen, der wie sein Vater, Anführer eines vom Adel organsierten Aufstandes gegen die Habsburger zu Beginn des 18. Jahrhunderts war. Sein Feldzug für die Unabhängigkeit, zumindest die Unabhängigkeit der ungarischen Feudalherren von den österreichischen, dauerte acht Jahre und sollte der letzte seiner Art sein. Rákóczi wird in Ungarn heute als einer der Nationalhelden verehrt. Seine Familie war eine der reichsten der Region.

Kulturminister István Hiller machte auf seiner Türkei-Reise auch in Tekirdağ Halt, weil das Rákoczi-Museum nach einer Renovierung wiedereröffnet werden konnte. Hiller betonte die Bedeutung des Hauses als letzter Wohnort des Prinzen, der "für die Freiheit seiner Menschen gekämpft" habe. Für Hiller ist das Museum eine der kulturellen Brücken zwischen der Türkei und Ungarn. Der Minister freute sich, dass sich beide Länder, durch ihre Städte Istanbul und Pécs in diesem Jahr den Titel als Kulturhauptstädte Europas teilen können, den damit zusammenhängenden Kulturaustausch und den Tourismus bezeichnete er als die weiteren Kulturbrücken zwischen beiden Ländern. In Pécs wird es im Kulturhauptstatjahr eine Reihe von Veranstaltungen geben, die das türkische / osmanische Erbe der Stadt beleuchten, das als mehr aus der Besetzung von "Macaristan" im 17. Jahrhundert bestand.
 

 

 

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