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(c) Pester Lloyd / 06 - 2010 KULTUR 14.02.2010

 

Mehr Ball, weniger Theater

Eindrücke vom 15. Budapester Opernball

Während am Donnerstag der Wiener Opernball in seinen üblichen Ritualen erstarrt, hüftsteif und medial überbeleuchtet über die Bühne ging, wurde am Samstag der Ball der Ungarischen Staatsoper in Budapest gefeiert. Die Eleganz der Teilnehmer präsentiert sich hier bescheidener und natürlicher als in Wien, auf nervtötende Maskottchen wie verhaltensauffällige Baumeister verzichtet man donauabwärts ebenso wie auf die ordensbehangene Parade von Politik, Industrie, Finanz und Boulevard. Dafür ist in Budapest Platz zum Tanzen und Zeit zum Speisen.

Die Debütanten beim 15. Budapester Opernball. Im Unterschied zur Wiener,
blieb die Budapester Oper weitgehend von Kriegsschäden verschont,
so dass man heute noch im 125jährigen Original wandeln kann. Fotos: Pester Lloyd

Die Opernsängerin Ilona Tokody zelebriert, mitten unter den Debütanten den ungarischen Hymnus als Opernarie, stammt er ja auch vom Nationalopernkomponisten Ferenc Erkel. Eines hatte diesmal Budapest den Wienern voraus: Hier trat ein wirklicher Weltstar auf, während in Wien das hausangestellte Personal ran musste. Der argentinische Tenor José Cura, der zur Zeit hauptsächlich am Opernhaus in Zürich singt, aber auch an allen wichtigen Opernhäusern der Welt bekannt ist, gab hier zwei Lieder aus Zarzuelas („Soneto IV“, „Somos novios“) und ein Duett mit Ildikó Komlósi („Lippen schweigen“ - auf Deutsch) zum zum besten, nachdem er mit dem später noch unermüdlich aufspielenden Opern-Ballorchester das Duett zur „Überreichung der silbernen Rose“ aus dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss dirigiert hatte.

Echter Star, statt Logenluder: Der argentinische Tenor José Cura (Foto oben und hier 3. v.r.), die Sängerin Ilona Tokody sowie Operndirektor Lajos Vass (mit Micro) während der Eröffnung

Der charmante Cura machte insgesamt eine gute Opernballfigur: dirigierte anständig, sang allerdings zu verhalten, ließ kaum seinen früher auch hier strahlenden Tenor hören, schleppte ein kleines hübsches Mädchen übers Parkett und versprach schließlich dem strahlenden Generaldirektor Lajos Vass, bald wieder in diesem schönen Haus aufzutreten. Dabei erinnerte er sich an seinen grandiosen Auftritt im Erkel Theater vor zehn Jahren.

Der Intendant konnte an diesem Abend nicht nur wegen dieser Zusage zufrieden sein, schließlich fand der 15. Budapester Opernball im 125. Jahr des Bestehens dieses Opernhauses auch erstmals unter seiner Leitung statt. Sein Konzept, hier einen wirklichen ungarischen Ball auf die Beine zu stellen, ging vom ersten bis zum letzten Takt dieses sehr angenehmen Abends voll auf und wurde von den Ballgästen – darunter auch viele Österreicher und Deutsche – mit großer Zustimmung angenommen.

Wandeln, Essen, Trinken, Tanzen in prächtigen Räumlichkeiten: hier ein Blick ins Parterre-Foyer

Denn schließlich unterscheidet diesen Ball doch etwas ganz Besonders von dem in Wien, und das ist ebenfalls typisch ungarisch: Hier wird während des Balls gegessen! Und das nicht schlecht. Diesmal kamen allerdings die Köstlichkeiten in vier Akten nicht aus dem „Gundel“, sondern in hervorragender Qualität vom „Aréna Catering“ mit Lajos Bíro an der Spitze. Im gesamten Haus war reichlich für gastronomische Erlebnisse gesorgt, nicht nur durch die überall griffbereit herumliegenden kleinen Häppchen, sondern auch durch ein exzellentes Getränkeangebot – das sogar alkoholfreien Wein und Sekt bereit hielt.

In Wien undenkbar: Luft zum Atmen und echte Bewegungsfreiheit auf dem Budapester Parkett

Das Programm bot - neben Jóse Cura - nach dem obligatorischen Einmarsch und dem Tanz der Debütanten (da ist allerdings Wien nicht zu übertreffen!) bis hin zum „Alles Walzer!“ auch die ExperiDance Company (Foto links) unter Sándor Róman auf, die ein szenisches Ballett gab, das an die temperamentvollen Freuden am Hofe des ungarischen Renaissancefürsten Corvinus erinnern sollte. Komplettiert wurde das vielseitige Programm durch Einlagen des Opernballetts, Ausschnitte aus dem Polanski-Musical „Tanz der Vampire“ (vielleicht ein Gruß an die anwesenden Banker?) und Musik in allen Räumen, die, bis auf die ausgezeichneten Jazz-Piano-Klänge in der Sektbar, allerdings die Gespräche übertönte.

Alles in allem ein sehr gelungener ungarischer Ball, der an die besten Traditionen dieser Kultur hierzulande anzuknüpfen scheint und der sich die erkennbare Mühe macht, sich von Jahr zu Jahr verbessern.

Die schöne Tradition aus Wien, den für den Ball hergerichteten Zuschauerraum am Tag danach für kostenlose Kindervorstellungen zu öffnen, hat man dankenswerterweise auch in Budapest übernommen.

pl / gbs

www.opera.hu

 

 

 

 

 

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