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(c) Pester Lloyd / 07 - 2010 GESELLSCHAFT 17.02.2010
“Denkzettel” für eine lebendige Donau
100.000 Unterschriften für eine sanfte Nutzung und gegen sorglosen Ausbau der Donau
Am 16. Februar unterzeichneten Minister und hochrangige Regierungsvertreter aus 14 Ländern des Donaubeckens den Donau-Bewirtschaftungsplan für die
kommenden fünf Jahre, der eigentlich für Nachhaltigkeit in der Donaunutzung stehen soll. Doch Umweltschützer kritisieren, dass viele geplante
Baumaßnahmen einfach verschwiegen werden. Man fürchtet die schrittweise Zerstörung eines unersetzlichen Natur- und Kulturraumes.
Die Donauenauen bei Hainburg in Österreich, ein Beweis,
dass ziviler Protest zum Erfolg führen kann
Am 16. Februar unterzeichneten Minister und hochrangige Regierungsvertreter aus
14 Ländern des Donaubeckens - Österreich, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Montenegro, Moldawien, Rumänien,
Serbien, die Slowakei, Slowenien, die Ukraine - den Donau-Bewirtschaftungsplan für die kommenden fünf Jahre. Der Plan legt Maßnahmen fest, die bis zum Jahr 2015
umgesetzt werden müssen, um die Donau und ihre Nebenflüsse in guten ökologischen Zustand zu bringen und eine nachhaltige Wassernutzung im Donau-Einzugsgebiet zu
erreichen, doch Baumaßnahmen u.a. zu Gunsten der Schifffahrt drohen diese Zielesetzungen zu untergraben.
Viele der geplanten Baumaßnahmen mit potentiell schädlichen
Auswirkungen auf das Flusssystem und die für den Menschen wichtigen “Dienstleistungen” der Natur werden im Donaubewirtschaftungsplan verschwiegen, reklamieren die Umweltschutzorganisationeb WWF und
BUND. Sie überreichten 100.000 Unterschriften von Bürgern aus den Anrainerstaaten, sozusagen als Denkzettel für eine "lebendige Donau". Zum Beispiel, so die Umweltschützer,
bedrohen Flussausbaupläne zur Verbesserung der Schifffahrt die Trinkwasservorräte Ungarns, ähnliche Projekte in der unteren Donau könnten die stark gefährdeten
Stör-Populationen an den Rand der Ausrottung bringen. An der oberen Donau zwischen Straubing und Vilshofen würde ein Ausbau der Wasserstraße mit Staustufe
und Kanal die letzte große frei fließende Donaustrecke in Deutschland mit gravierenden Folgen für die Biodiversität und den Wasserhaushalt in der Region zerstören.
“Über 100.000 Bürger des Donauraumes haben eine Petition für umweltverträgliche
Schifffahrtsprojekte unterschrieben” sagt Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). “Heute Morgen haben wir
diesen beeindruckenden Beweis öffentlicher Besorgnis an die Minister der Donauländer übergeben und sie aufgefordert, ihre Bemühungen für eine lebendige Donau zu intensivieren.“
Auch der wirtschaftliche und politische Druck, neue Wasserkraftwerke zu bauen,
bedroht die Donau. Während Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle darstellt, können Wasserkraftwerke, ob groß oder klein, das fragile Flusssystem aus dem
Gleichgewicht heben. Daher müssen Wasserkraftanlagen sehr gründlich geplant werden und sollten Teil einer umfassenden Energiestrategie sein, die Energieeinsparung an erste Stelle setzt.
Der Donau-Bewirtschaftungsplan ist eine Vorgabe der europäischen
Wasserrahmenrichtlinie, der fortschrittlichen EU-Gesetzgebung zum Erreichen des “guten ökologischen Zustands” von Süßgewässern. “Das Neue am Donaubewirtschaftungsplan ist, dass er alle Umwelteinwirkungen
betrachtet und dass seine Zielsetzungen weiter reichen als die Wasserqualität zu verbessern, neue Kläranlagen zu bauen und gute landwirtschaftliche Praxis zu propagieren” sagt
Andreas Beckmann, der Direktor von WWFs Donau-Karpaten-Programm. “Zum ersten Mal wird nicht nur der große Einfluss von Wasser-Infrastrukturmaßnahmen auf
die Flussgesundheit betont, sondern auch die Notwendigkeit integriert zu denken und zu handeln”.
Staufstufen von Wasserkraftanlagen, Hochwasserdeiche oder Buhnen für die
Schifffahrt stehen im Konflikt mit der natürlichen Flussdynamik und reduzieren so die Lebensraumvielfalt, die nötig ist, um Flussorganismen Entfaltungsmöglichkeiten
zu geben. Der Plan setzt daher Ziele, um diesen negativen Einfluss zu verhindern oder zu minimieren. Zu den Maßnahmen gehören beispielsweise der Wiederanschluss
von Altarmen und die Rückverlegung von Flussdeichen, um Feuchtgebietsflächen wiedererstehen zu lassen. Diese Feuchtgebiete haben vielfache Funktionen. Bei
Hochwasser fangen sie überschüssige Wassermassen ab, während sie in Dürreperioden langsam Feuchtigkeit an die Umgebung abgeben. Sie dienen auch der
Wasserreinigung durch Filtration und sind wichtige Habitate für verschiedene Lebensstadien von Tieren, beispielsweise Fischen und Vögeln.
WWF / PL -red / Fotos: BUND, PL-Archiv
Weitere Informationen der Initiatoren: wwfdcp.org
Weitere Informationen in englischer Sprache bezüglich Donau, Auenrenaturierung, Schifffahrt auf: www.panda.org/dcpo und in deutscher Sprache auf www.bund-naturschutz.de/donau
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