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(c) Pester Lloyd / 08 - 2010 FORSCHUNG 24.02.2010
Networking per Voucher
Die österreichische Initiatve Centrope_tt will Forschung marktfähig machen
centrope_tt, ein offiziös organisiertes Netzwerk zur Förderung des wissenschaftlichen Austauschs und Technologietransfers zwischen Forschern und
KMU der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Österreich, präsentierte Anfang der Woche in Wien seine Aktivitäten. Man will, unter anderem mit einem
Voucher-System, Schwung in den noch eher dümpelnden Austausch zwischen Spitzenforschern und Klein- und Mittelbetrieben der Region bringen. Die bräuchten aber eher Kapital als noch eine Datenbank.
Nach den Worten der Veranstalter arbeiten "bereits über 100 Experten aus der
Centrope-Region (Slowakei, Tschechien, Ungarn und Österreich) seit Sommer 2009 gemeinsam am Aufbau einer Plattform zum Informationsaustausch zwischen
Forschungseinrichtungen und Industrie-Unternehmen." Die Zielgruppe der Initiative, die im wesentlichen von den Hauptstädten sowie den Wirtschaftskammern der Region
betrieben wird, sind Klein- und Mittelbetriebe, die sich keine eigene Forschungsabteilung leisten können.
Von links nach rechts: Mag. Helmut Miernicki, Dr. János Rechnitzer, Dr. Petra Bohuslav, Prof. Dr. Jan
Vrbka, Magistra Renate Brauner , Dr. Robert Redhammer, Dr. Josef Glößl, Mag. (FH) Vera Vyskovsky, Foto: centrope_tt, © Thule G. Jug
„Mit über 2.200 Forschungseinrichtungen verfügt die Region Centrope über ein
ungeahntes Know-how, welches wir für unsere Unternehmen in Zukunft stärker nützen möchten“, erklärt die Wiener Wirtschaftslandesrätin Dr. Petra Bohuslav zum Start des
Projektes centrope_tt, das im Rahmen des "CENTRAL EUROPE Programms" mit 2 Millionen Euro gefördert wird und unter der Koordination von ecoplus. Niederösterreichs
Wirtschaftsagentur GmbH (in Landeskontrolle) steht. „Zu den drei wichtigsten Instrumenten der centrope_tt community gehören die centrope_tt map, der centrope_tt
voucher und die centrope_tt academy“, erklärt Mag. Helmut Miernicki, ecoplus Geschäftsführer.
Die centrope_tt map liefert einen Onlinezugang unter der Website www.centrope-tt.info
zu einer Datenbank mit 2.200 F&E (Forschung und Entwicklung) Instituten und Unternehmen der Region Centrope. Die Suchfunktionen nach Regionen und Disziplinen,
sollen es, "sowohl Managern in Firmen als auch Wissenschaftlern in Forschungseinrichtungen erlauben, sich rasch und gezielt über Forschungsanbieter in den
benachbarten Regionen zu informieren." Der centrope_tt voucher ist als Impulsinstrument für 50 grenzüberschreitende Forschungskooperationen vorgesehen. Unternehmen erhalten
eine finanzielle Unterstützung bis maximal 5.000 Euro und Begleitung bei den Kooperationsbestrebungen. Der centrope_tt Initiative testet in den nächsten 1,5 Jahren
die Umsetzung dieses grenzüberschreitenden Finanzierungsinstruments.
Die centrope_tt academy ist eine Einrichtung die Technologieexperten in Form von
Trainings ein kompaktes Bild über die unterschiedlichen Förder- und Finanzierungsstrukturen in den Centrope Ländern vermittelt. Im Rahmen des CENTRAL
EUROPE Programms erhalten die Gründerinstitutionen eine durchschnittliche Finanzierung von 79 %. „In der heutigen Zeit wäre ein Projekt dieser Größe ohne Hilfe der EU nicht
realisierbar. Damit schafft die EU entscheidenden Rahmenbedingungen für die europäische Integration mit sehr konkreten Maßnahmen“ ist Landesrätin Dr. Bohuslav überzeugt.
Forscher und KMU brauchen Kapital, Datenbanken haben sie selber
In Wirklichkeit springt die EU aber mit ihren Förderungen eher für die Ängstlichkeit
heimischer Banken in die Bresche, die sich aufgrund ihres neuen Risikomanagements weitgehend aus dem Bereich Venture Capital, vor allem für Kleinbetriebe mit innovativen
und daher nicht einfach zu bewertenden Entwicklungen, verabschiedet haben. Zumal der Anteil des Venture Capital in Europa traditionell viel geringer an der Startfinanzierung von
gemeinsamen Projekten von Forschung Entwicklung mit Klein- und Mittelbetrieben ist, als beispielsweise in den USA. IWF und Europäische Entwicklungsbank haben zwar einige
Kreditprogramme aufgelegt, die die KMU-Finanzierung über die traditionellen Geschäftsbanken befeuern sollen, Statistiken beweisen aber, dass die daraus
ausgereichten Kredite überwiegend für konservative Branchen und Finanzierungswünsche benutzt werden.
Jeder Ansatz, Forschung vermaktbar zu machen und die Schnittstellen zwischen
Forschungslandschaft und Mittelstand zu vermehren, mag zwar positiv klingen, die administrative Kontrolle durch staatlich beeinflusste und finanzierte Einrichtungen wie im
Falle von centrope_tt, muss jedoch, vor allem was den Einfluss auf die Auswahl der zu fördernden Projekte und die realistische Einschätzung ihrer Marktmöglichkeiten betrifft, kritisch betrachtet werden.
Außerdem ist die Kooperation von Österreich aus deutlich westlastig, was eben auch ein
Finanzierungsproblem ist. Wenn Centrope_tt glaubt, gerade durch dieses Projekt mehr Richtung Osten wirken zu können, ist der offensichtliche Ausschluss des in der Region
wirtschaftlich dominanten Deutschland dafür kein guter Plan und in heutiger Zeit eher von gestern, K+K statt F&E. Es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, dass durch die
Bündelung von EU-Förderungen in offiziösen Initiativen solche Mittel praktisch re-nationalisiert und gesteuert werden, auch wenn man centrope_tt nur beste Absichten
unterstellen kann. Nützlicher wäre in jedem Fall der einfachere Zugang zu Risikokapital als der zu einer weiteren Datenbank.
www.centrope-tt.info
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