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(c) Pester Lloyd / 08 - 2010  OSTEUROPA 26.02.2010

 

Energie-Monopoly

Die Energiekonferenz in Budapest zwischen Vernunft und Lobbyismus

Während sich die Länder Osteuropas einig sind, dass nur ein Ausbau der Vernetzung und viele verschiedene Lieferquellen - mit Einbindung Russlands - die Energiesicherheit der Region erhöhen können, versuchen die Amerikaner ihren Einfluss auf unvernünftige Weise zu sichern und den Europäern South Stream auszureden. Dabei hat Nabucco bisher kaum sichere Lieferanten vorzuweisen. / Weil sie ihre Stromnetze nicht erneuern wollen, sollen Genehmigungen für Wind- und Solarkraftwerke in Tschechien und der Slowakei bald nicht mehr erteilt werden.

Regierungschefs und andere hochrangige Regierungsvertreter der Region Ost- und Südosteuroa trafen sich in dieser Woche in Budapest zu einer Energiekonferenz: V4+ Energy Security Summit. Dabei ging es in erster Linie um die Energiesicherheit, die dafür notwendige bessere Vernetzung und strategische Pläne für die Zukunft. Am Ende des Treffens stand eine gemeinsame Erklärung, die als Basis für weitere konkrete Projekte in der Zukunft dienen wird. Zu den Teilnehmern zählten die Länder der Visegrád-4-Gruppe: Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei. Hinzu kamen Vertreter aus Bulgarien, Rumänien, Serbien, Slowenien, Österreich, Bosnien-Herzegowina sowie ein Sondergesandter der USA, dessen Aufgabe es vornehmlich war, Stimmung gegen das russische South-Stream-Projekt zu machen.

Pipeline-Dreieck von Polen bis Kroatien

Teil der Verabredungen zwischen den Ländern ist die Schaffung eines Nord-Süd-Ost Pipeline-Dreiecks für die Gasversorgung, wobei Nabucco die Ostecke markieren soll, das Flüssiggasterminal im polnischen Gdanks den nördlichen Beuzgspunkt und selbiges auf der kroatischen Insel Krk den südlichen Punkt. Dazwischen sollen möglichst viele Verbindungen für eine umstandsfreie Verteilung von Erdgas Sorgen, je nach Lieferlage oder -engapss auch in verschiedene Richtungen. All dies ist eine Lehre aus dem Lieferstopp über die Ukraine vor gut 13 Monaten. Auch im rumänischen Constanca ist ein Flüssiggashafen geplant. Pipelineverbindungen zwischen Ungarn und Rumänien, Ungarn und Kroatien sind auf dem Weg, Verbindungen zwischen Slowakei und Österreich und Ungarn in der ernsteren Planungsphase.

Auf der Konferenz wurde nochmals deutlich, dass die Länder überwiegend pragmatisch vorgehen und, abseits mutmaßlicher ideologischer Barrieren, die Energiebelieferung auf möglichst vielen Alternativen aufbauen. Serbien ließ in die Abschlusserklärung aufnehmen, dass neben Nabucco auch das von Russland (an der Ukraine vorbei) betriebene Projekt South Stream von einigen Ländern verfolgt wird, Ungarn gehört u.a. dazu. Der ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai betonte, dass man sich für diese "riesigen Investitionen" verstärkt um Finanzierungen aus dem Kohäsionsfonds der EU kümmern sollte, der Energieinfrastrukturprojekte und verbindende Netzwerke mitfinanziert.

Nabucco und South Stream: Störfeuer aus Übersee

Sowohl der Exekutivdirektor der internationalen Energieagentur, Nobuo Tanaka, als vor allem auch der amerikanische Sondergesandte für Energiefragen, Morningstar, trübten das Treffen durch ziemlich offensichtliche Lobbyarbeit gegen russische Einflussbestrebungen. Sie betonten ausdrücklich, dass Nabucco dem South Stream Projekt vorzuziehen sei, was eine ziemlich freche Einmischung darstellt, denn beide sind weder finanziell noch organisatorisch an den Projekten beteiligt, noch hängt die Energiesicherheit der USA daran. Es geht schlicht und einfach um Marktanteile und Einflusssphären.

Ungarn, Serbien, Kroatien, Österreich und andere Länder haben sich - aus gutem Grund - mit Russland auf South Stream eingelassen. Nicht nur weil es früher fertig sein wird, sondern vor allem, weil bei Nabucco noch nicht einmal klar ist, ob es überhaupt ausreichend einspeisende Länder geben wird. Bisher gilt nur Aserbaidshan als fixer Kandidat. Alle anderen Länder um das Kaspische Meer sind entweder ohnehin im Einflussbereich der Russen oder - wie Iran, Irak, Afghanistan - politisch unkalkulierbar. Die Amerikaner, die für diese Unsicherheiten mit verantwortlich sind, konnten auch keine verbindlichen Lieferzusagen machen.

Im übrigen waren sich die Länder einig, dass ein Ausbau und eine bessere Diversifizierung der Netzwerke untereinander und verschiedene Lieferquellen der richtige Weg in eine sichere Zukunft ist. Uneinig war man sich naturgemäß bei der Atomkraft, fast allen Länder unterschrieben, dass man sie "auf effiziente" Weise einsetzen werde, Österreich widersprach dem, das Land sieht die Atomkraft nicht als einen Weg zur sicheren und nachhaltigen Energieerzeugung an. Ungarn, Bulgarien, die Slowakei und andere Länder haben indes einen Ausbau ihrer Atomenergiekapazitäten angekündigt. Auch im Bereich der Stromversorgung wurde klar, dass mächtige Investitionen in grenzüberschreitende Netzwerke notwendiger werden denn je, auch, um die Einspeisung von Erneuerbaren Energien und die wichtigen damit verbundenen Investitionen weiter fördern zu können.

Erneuerbare Energien: Lobbyisten siegen über die Vernunft

Doch gerade beim Thema Erneuerbare Energien geben derzeit vor allem Tschechien und die Slowakei ein miserables Bild ab. Offenbar haben dort die Lobbyisten konvetioneller Energieerzeugung beste Arbeit geleistet und es geschafft, trotz der guten Erfahrungen und massiven EU-Förderungen eine Antistimmung durchzusetzen. Die Slowakei hat bereits vor zwei Monaten festgelegt, dass - sobald eine Gesamtkapzität aller Solarkraftwerke von 120MW im Lande erreicht ist, keine weiteren Anlagen mehr genehmigt werden, weil man sonst negative Schwankungen im Verteilernetz befürchtet. Wirtschaftsminister Lubomír Jahnátek legte vor wenigen Tagen nach, dass generell "Die Energieerzeugung aus erneubaren Quellen eingeschränkt werden soll, da eine große Menge so erzeugter Energie das Vertriebsnetz destabilisiert". Er sagte vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlamentes "Wir haben den Fehler gemacht, dass wir bei der Energieerzeugung aus erneubaren Ressourcen von den Investoren oder vom Betreiber nicht die Sicherung der Distribution auf eigene Kosten verlangten" und zeigte sich überrascht und überfordert "von dem großen Interesse" der Investoren.

Auch der nationale tschechische Netzbetreiber ČEPS macht ziemlich aggressiv Stimmung gegen die sauberen Energieformen und forderte jetzt rundheraus ein: "Genehmigungsstopp für Solar- und Windanlagen", weil sonst die "Stabilität der landesweiten Stromversorgung gefährdet" sei. Die ČEPS habe bereits entsprechende Anträge an die Energiekonzerne ČEZ, E.ON und Pražská energetika gerichtet. ČEPS-Generaldirektor Petr Zeman bedauert regelrecht, dass sich Tschechien "zu einem Photovoltaik-Paradies" entwickelt habe. "Nirgendwo anders in Europa würden so hohe Erzeugerpreise für Strom aus erneuerbaren Quellen erzielt, was immer mehr Investoren anziehe." Dass das daraus entstandene Problem von starken Schwankungen bei der Einspeisung, mit denen das Netz klarkommen muss, längst duch überfällige Investitionen in eine Dezentralisierung und moderne Umspann- und Verteilerwerke hätte behoben werden müssen, übergeht man in den beiden Ländern einfach und sieht Erneuerbare Energien mehr als Klotz am Bein, statt als eine zukunftsfähige und umweltschonende Alternative, für die - unabhängig von der Hinterfragung der Einspeisungssubventionen - im allgemeinen Interesse gefälligst die technischen Voraussetzungen zu schaffen sind.

-red

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