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(c) Pester Lloyd / 08 - 2010 WIRTSCHAFT 26.02.2010
Gewinne kein Verdienst
Die in Osteuropa stark aktive Erste Group legte ihre Zahlen für 2009 vor
Die Erste Group, eine der führenden Bankengruppen in Österreich und Mittel- wie Südosteuropa hat ihre Zahlen für 2009 vorgelegt. Diese beweisen, dass Banken
eigentlich immer verdienen: gehen die Zinsen aus Kreditvergabe wegen einer - auch selbst verschuldeten - Krise zurück, steigen fast automatisch die Einlagen von
Sparern und auch mit Aktien ließ sich prächtig verdienen. Die Geschäftsbasis sicherten ohnehin die Staaten. Auch im krisengeschüttelten Osten machten alle
Tochterinstitute der Erste Gewinne, wenn auch deutlich rückläufige, nur die Ukraine schmierte ab.
Die Erste Gruppe konnte ein Ergebnis nach Steuern, Risikorücklagen etc. von
rund 903 Millionen EUR ausweisen, ein Plus gegenüber 2008 von mehr als 5%. Auch wenn "die Analysten" mehr erwartet hätten und vor allem das vierte Quartal recht deutlich hinter den
Erwartungen zurückblieb, ist es doch ein erstaunlich gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass sich die Risikorücklagen für faulende Kredite im
letzten Jahr mehr als verdoppelt haben. Dass auch die Östtöchter durchweg Gewinne machten, ist u.a. Folge von strengen Kostensparmaßnahmen und einer risikoärmeren
Geschäftspolitik, hat aber auch mit Kundengewinnung zu tun, da österreichische Geldhäuser bei Kunden in Osteuropa oft einen besseren Ruf haben als einheimische oder
exotische Banken. Das gute Abschneiden sollte ein Grund mehr sein, kleinen und mittleren Unternehmen den Kredithahn auch außerhalb von EBRD-gestützten Programmen wieder
großzügiger zu öffnen, um auch der Realwirtschaft die Möglichkeit auf profitables Wirtschaften zu geben.
Der meiste Gewinn fließt aus Tschechien
Die Erste Group in Osteuropa, das sind vor allem die Česká spořitelna, der Slovenská
sporiteľňa, die Erste Bank Hungary, die Banca Comercială Română, Erste Bank Croatia, Erste Bank Serbia und Erste Bank Ukraine. Den größten Brocken im Ergebnis macht
Tschechien aus, wo die Erste Marktführer ist. Die dortigen Mechanismen, die auf das Zustandekommen des Ergebnisses Einfluss hatten, sind exemplarisch für die meisten
Märkte in Osteuropa, daher sollen sie hier ausführlicher dargestellt werden (Quelle: Erste): Der Nettozinsertrag verringerte sich 2009 um EUR 25,1 Mio bzw. 2,3% auf EUR 1.083,0
Mio. Währungsbereinigt zeigte sich jedoch ein Anstieg von 2,9 %, dazu hat vor allem der anhaltende Zufluss an Spareinlagen beigetragen. Negativ beeinflusst wurde das
Zinsergebnis von rückläufigen Marktzinssätzen, die im Vergleich zum Vorjahr von 3,75% auf nunmehr 1% zurückgegangen sind. Die markante Aufstockung der Risikovorsorgen von
EUR 131,9 Mio im Vorjahr um EUR 156,2 Mio auf EUR 288,1 Mio reflektierte den erhöhten Risikovorsorgebedarf – insbesondere im Kommerz- und Retailbereich – als Folge
des wirtschaftlichen Abschwungs. Zudem war das Ergebnis durch Bewertungserfordernisse (sprich Abschreibungen) bei Immobilienveranlagungen belastet. Der Jahresüberschuss nach
Steuern und Minderheiten lag mit EUR 347,4 Mio geringfügig (0,7%) unter dem Wert des Vorjahres von EUR 349,8 Mio. Währungsbereinigt entsprach dies einer Verbesserung um
4,6%. Die Kosten-Ertrags-Relation lag bei 44,9% (48,6% im Vorjahr), die Eigenkapitalverzinsung bei 34,4% (Vorjahr: 43,3%).
Weitere Details der Erste in Osteuropa entnehmen Sie bitte dieser firmeneigenen Tabelle
Ungarn: 100 Mio EUR mehr Risikovorsorge
Ungarn - Im ungarischen Privatkunden- und KMU-Geschäft
verbesserte sich das Zinsergebnis von EUR 298,7 Mio im Vorjahr auf nunmehr EUR 353,6 Mio (+18,4% bzw. währungsbereinigt +32,6%), in erster
Linie aufgrund des nach wie vor markanten Anstiegs der durchschnittlichen Kundenausleihungsvolumina. Der Rückgang im Provisionsergebnis von EUR 130,7 Mio im
Vorjahr um EUR 44,5 Mio auf EUR 86,2 Mio (-34,1 % bzw. währungsbereinigt -26,2%) beruhte auf den rückläufigen Ergebnisbeiträgen aus dem Wertpapier- und Retailgeschäft.
Gemeinsam mit einem deutlichen Anstieg im Handelsergebnis von EUR 4,5 Mio im Vorjahr auf EUR 29,9 Mio, stieg das Betriebsergebnis von EUR 210,1 Mio um 21,7%
(währungsbereinigt: +36,3%) auf EUR 255,7 Mio. Die Betriebsaufwendungen lagen mit EUR 214,0 Mio um EUR 9,8 Mio (-4,4% bzw. währungsbereinigt +7,1%) unter dem
Vergleichswert des Vorjahres von EUR 223,8 Mio. Der währungsbereinigte Anstieg erklärte sich aus der Mehrwertsteuererhöhung in der zweiten Jahreshälfte 2009. Die
Kosten-Ertrags-Relation wurde von 51,6% zum Jahresende 2008 auf nunmehr 45,6% deutlich gesenkt.
Die allgemeine Wirtschaftssituation in Ungarn und die damit einhergehende
Währungsabschwächung (vor allem im ersten und zweiten Quartal 2009) prägten auch in der Erste Bank Hungary den Anstieg in den Risikovorsorgen von EUR 73,5 Mio im Vorjahr
auf EUR 170,8 Mio. Der Rückgang im sonstigen Erfolg resultierte aus positiven Einmaleffekten 2008, wie Veräußerungserlösen aus Immobilien und Beteiligungen. Mit EUR
-1,3 Mio lag der sonstige Erfolg um EUR 12,1 Mio unter dem Wert des Vergleichsjahres 2008 von EUR 10,8 Mio. Der Jahresüberschuss nach Steuern und Minderheiten
verschlechterte sich um 47,1% (währungsbereinigt -40,8%) von EUR 109,5 Mio auf EUR 57,9 Mio. Die Eigenkapitalverzinsung lag bei 14,7%.
Weitere Ergebnisse
Rumänien
- Der Jahresüberschuss nach Steuern und Minderheiten lag mit EUR 73,5 Mio um EUR 166,6 Mio (-69,4% bzw. währungsbereinigt -64,8%) unter dem Wert des Vorjahres (EUR 240,1 Mio). Slowakei
- Ergebnis nach Steuern, 27,6 Mio (-66,6% gegenüber 2008) Kroatien - Von EUR 71,8 Mio im Vorjahr auf EUR 51,3 Mio auf (-28,4% bzw. währungsbereinigt -27,4%) Ukraine
- Die Erhöhung der Risikovorsorgen um EUR 55,7 Mio auf EUR 76,7 Mio basierte maßgeblich auf der Verschlechterung des Kreditportfolios
als Folge der Marktentwicklung in der Ukraine. Insgesamt lag der Jahresüberschuss nach Steuern und Minderheiten mit EUR -83,7 Mio um EUR 55,0 Mio unter dem Wert des
Vorjahres von EUR -28,7 Mio. Der Personalstand wurde in fast allen Tochtergesellschaftn zurückgefahren, in der Summe um knapp 10%.
Erste-Vorstandschef Andreas Treichl (links) mit dem österreichischen Präsidentenpaar
Fischer beim Wiener Opernball 2009, den seine Gattin (rechts) organisierte.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Erste
Group ihren Laden im Lichte der Krise ziemlich gut in den Griff behalten hat. Die Gewinneinbrüche sind zwar markant, wenn man aber bedenkt, dass alle Wirtschaften der Region ins Minus
gezogen sind, spiegeln sie nicht gerade das Ursache-Wirkungs-Prinzip wider, immerhin waren es ja "die Banken" bzw. die Finanzwirtschaft im weiteren Sinne, die das Unglück vorbereitet und
ausgelöst haben. So gesehen ist das Ergebnis der Erste Gruppe für die Märkte ein beruhigendes Signal, zumindest für alle jene, die hoffen, es möge bald so weitergehen wie vor der Krise. Über
eine gesonderte Bankensteuer will Österreich ein wenig an der staatlichen Protektion, die das Bankenwesen genoss und die es auch rettete, partizipieren. Diese Gewinne sind jedenfalls kein Verdienst.
-red. / Quelle: Erste Group
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