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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010  WIRTSCHAFT 01.03.2010

 

Tabula Raser

Der Balatonring für den MotoGP in Ungarn steht auf der Kippe

Nicht nur Experten, auch Minister haben offenbar große Zweifel daran, ob die zugesagte staatliche Finanzierung der Rennstrecke Balatonring wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich sauber ist. Die Investoren vermuten mafiöse Verschwörungen am Werk und beschuldigen eine Firma und eine Partei der Korruption. Der Regierungschef will jetzt ein internes Papier veröffentlich lassen, wohl um die Sache endgültig abblasen zu können.

Der ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai hat seinen Finanzminister angewiesen, eine hausinterne Studie über Nutzen und Risiken der staatlichen Finanzierung des Balatonrings umgehend öffentlich zu machen. Die Regierug hatte im Herbst zwar grundsätzlich einer staatlichen Finanzierung über Bürgschaften und Kredite in Höhe von bis zu 20 Milliarden Forint (ca. 75 Mio EUR, davon allein 15 Mrd. über die Staatliche Entwicklungsbank) zugestimmt. Die Verträge sind aber, aufgrund erheblicher interner Zweifel an der Seriosität des Projektes, bisher nicht unterschrieben worden.

Nach Medienberichten heißt es in dem ministeriellen Papier, dass die staatliche Finanzierung, unwirtschaftlich, zu riskant und rechtswidrig sein könnte. Es gibt, so zitieren ungarische Medien das Papier, so gut wie keine Garantien, dass der Staat das investierte Geld jemals wiedersieht. Der Betrieb der Anlage bedürfe vermutlich über längere Zeit staatlicher Zuschüsse, was nicht in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen sei und das Budgetdefizit vergrößern würde. Bereits in der Vorwoche meldeten Zivilorganisationen, darunter die ungarische Sektion von Transparency international, erhebliche Zweifel am ökonomischen Sinn der Finanzierung des Projektes durch den Staat. Der zu erwartende Umsatz rechtfertige nicht so eine große Investition.

Der Chef der Investorengruppe, Bence János Kovács, sieht hinter all dem eine Verschwörung und macht parteipolitische und mafiöse Erpressungsversuche für "diese Attacken auf das Projekt" verantwortlich. Auf einer Pressekonferenz am Freitag erklärte er kryptisch, dass "eine Firma, die im Motorsport tätig ist sowie lokale Immobilienunternehmen" hinter den Angriffen steckten. Man habe von ihm 30 Mio Forint (ca. 110.000 EUR) verlangt, einmal für die nicht genannte Motorsportfirma selbst als auch "für eine Partei, die sich sehr anstrengt, um bei den kommenden Wahlen ins Parlament zu kommen". Die betroffene Partei dementiert heftig.

Der Grundstein durch die spanische Gruppe Sedesa und die Grupo Milton wurde bereits 2008 gelegt, im Herbst 2009 sollte eigentlich schon das erste Rennen stattfinden. Der Investor, Savoly Motorcentrum Fejleszto will nun insgesamt 40 Mrd. Forint in das Projekt investieren, hatte aber während der Finanzkrise Schwierigkeiten mit einer herkömmlichen Finanzierung über Geschäftsbanken. Der Staat wollte einspringen, in der Hoffnung, durch die Motorrad-WM und andere Events Touristen und damit Umsatz ins Land locken zu können.

Zum Thema:

Geld für Schall und Rauch (Okt 2009)
Ungarn unterstützt Balatonring mit 75 Mio EUR und üppiger Bürgschaft
 

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