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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010  WIRTSCHAFT 05.03.2010

 

Retortenbaby "Centrope"

Eine Studie des WIFO belegt, dass von einer "gemeinsamen Wirtschaftsregion Centrope" eigentlich keine Rede sein kann.

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung in Wien, WIFO, legte jetzt eine Bestandsaufnahme über die "Wirtschaftliche Integration in Mitteleuropa" vor. Am Beispiel der CENTROPE-Region (Teile von Tschechien, der Slowakei, Österreich und Ungarn) stellte es fest, dass der Austausch von Arbeitskräften und grenzüberschreitende Aktivitäten von Unternehmen der Zeit noch weit hinterherhinken. Woran das wohl liegen mag?

Das Urteil des WIFO lautet: dass die Region bei allen Fortschritten "wirtschaftlich immer noch schwach integriert" ist. Dies betrifft vor allem die grenzüberschreitende Mobilität der Arbeitskräfte. Das WIFO führt aus: die Pendel- und Migrationsbewegungen innerhalb der Region sind eher gering. In der österreichischen Ostregion stammen 2,1% der erwerbsfähigen Bevölkerung aus anderen CENTROPE-Ländern. Unter den CENTROPE-Regionen der neuen EU-Mitgliedsländer ist der Anteil der im Ausland geborenen Erwerbspersonen im tschechischen Südwesten (mit 1,6%) am höchsten und in der Westslowakei (mit 0,5%) am niedrigsten. Nur aus der ungarischen (nach Österreich) und der slowakischen Grenzregion (nach Ungarn und Tschechien) sind nennenswerte grenzüberschreitende Pendelbewegungen zu verzeichnen.

Befragungen über die Pendel- und Migrationsbereitschaft in der Region zeigen überdies in Wien wie auch in der Grenzregion der Slowakei ein "reales" Potential (Personen, die bereits um eine Arbeitsgenehmigung angesucht oder sich um einen Arbeitsplatz beworben haben) von rund 2,5% der Bevölkerung. Österreich wird dabei von rund einem Drittel der slowakischen Arbeitskräfte als präferiertes Zielland genannt. Überwiegend wollen die Befragten jedoch in anderen Ländern arbeiten. Vor allem Großbritannien und Deutschland, aber auch Italien und die angrenzenden neuen EU-Länder (insbesondere Tschechien) sind weitere beliebte Zielländer für Slowakinnen und Slowaken, heißt es beim WIFO.

Blockade aus niederen Motiven

Die Gründe für die geringe Mobilität sind vielfältig, einer ist aber, dass der Arbeitsmarkt in Österreich und Deutschland den Bürgern aus den osteuropäischen Staaten noch bis 2011 verschlossen ist, da man dort aus vordergründig populistischen Gründen ("Billigarbeiterschwemme") die Übergangsfristen bis zum letztmöglichen Termin verlängert hatte, obwohl alle demographischen Erhebungen wie auch der Bedarf in den Zielländern dagegen sprechen. Es existieren aber Listen mit Ausnahmen (z.B. Köche, Facharbeiter der Automobilindustrie etc.), außerdem können die Sperren durch Werksverträge bzw. die Dienstleistungsfreiheit umgangen werden, was sie um so politischer motiviert erscheinen lässt. Die Industriellenvereinigung in Österreich, wahrlich kein Hort sozialier Ambitionen, fordert seit Jahren die Abschaffung der Zugangsbeschränkungen.

Große Unterschiede - so wieder das WIFO - bestehen auch in den Internationalisierungsaktivitäten von Wiener und westslowakischen Unternehmen. Wiener Unternehmen sind mit 22,2% beinahe doppelt so häufig auf einem Auslandsmarkt tätig wie Betriebe aus Bratislava oder Trnava (11,4%). Während in beiden Herkunftsregionen etwa 36% der Unternehmen angeben, dass internationales Engagement für sie grundsätzlich in Frage kommt, sind von diesen Unternehmen am Standort Wien zwei Drittel, in der Region Bratislava / Trnava jedoch nur ein Drittel auch tatsächlich international tätig.

Eine Region als Wille und Vorstellung

Centrope ist eine in Österreich erfundene Plattform der regionalen Kooperation, ein Retortenbaby offiziöser Eltern, das bisher vor allem Konferenzen und stapelweise Broschüren produziert hat, um Bürgermeistern, Lokalpolitikern und Wirtschaftsverbandsvertretern als Aushängeschild für deren Ostkompetenz zu dienen. Genauso wie die "Twin City" (Wien-Bratislava) orientiert sich "Centrope" nicht an einer tatsächlich gewachsenen oder wachsenden Region mit ähnlichen Eigenschaften, Bedürfnissen und Potentialen, sondern lediglich am selbstdarstellerischen Willen seiner Protagonisten. Man könnte es damit zusammenfassen, dass Centrope nichts weiter als eine fixe Idee ist, eine künstliche Marke, vertreten von jenen Kräften, die in Österreich als europafreundlich gelten, weil sie wirtschaftsfreundlich sind.

Weitere Informatione: www.wifo.ac.at

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