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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010 BUDAPEST 02.03.2010
Lichtblick im Standardpomp
Das Jugendstil-Kaufhaus Paris in Budapest sucht seinen Platz auf dem Prachtboulevard
Auf der Andrássy ut, der Prachtstraße Budapests, sind hauptsächlich die bekannten Marken-Geschäfte anzutreffen, wie das in anderen Hauptstädten auch der Fall ist,
wie es aber in Budapest all jene enttäuscht haben muss, die die jahrelange schrittweise Sanierung der prächtigen Palais mit der Hoffnung auf eine stilvolle
Zukunft verbanden. Läden, die nicht zum Portfolio der Luxuskonzerne gehören, mussten angesichts exorbitanter Mieten weichen. Das neu-alte Paris ist da ein Lichtblick.
Der Rahmen stimmt. Was fehlt, ist manchmal noch das Publikum. Das Café in den Räumen des
früheren Casinos im Kaufhaus Paris Budapest
Darunter eine der ältesten durchgehend in Betrieb gewesenen Apotheken der
Stadt, die hier unweit der Oper mit ihrem hölzernen Innenleben aus dem Jahre 1889 viele Touristen die Fotoapparate zücken ließ (Foto). Auch sie hat den Verdrängungswettbewerb
nicht überlebt, ebenso, wie das immer gut besuchte Café Eckermann, das nicht nur die Kaffeehauskultur hochielt, sondern auch Menschen aus aller Welt zusammenbrachte. Ein stets leerer
Marken-Taschen- und Kofferladen eroberte den Platz, die Reisenden zuvor hatten anderes Gepäck. Die Gastronomie hat sich, bis auf einige schreiend touristische Ausnahmen, in die Nebenstraßen verzogen, was
nicht unbedingt ein negativer Effekt ist, denn die Kreativität braucht ruhige Biotope.
Zwar war die Andrássy schon immer eine Edelmeile,
doch der anspruchslose Pomp der heutigen Jet set-Lieferanten, ist im Vergleich mit der heute umständlich anmutenden Verkaufskultur der damaligen Hoflieferanten nicht viel mehr als eine
kulturzerstörende Peinlichkeit, bedingt durch die Renditeerfordernisse der Immobilieninvestoren und -entwickler, die doch letztlich nichts anderes als Vermarkter sind.
Kaffeehaus im Casino
Da kann man es durchaus einen Lichtblick nennen,
wenn nun seit ein paar Wochen das Párizsi Nagy Áruház wieder seine großen Flügeltüren geöffnet hat. Jahrelang war das 1911 von Samuel Goldberg und Gustav Petschacher als Großes Pariser Warenhaus
eröffnete Jugendstil-Schmuckstück seit der Wende dem Verfall preis gegeben, - wenn man mal von ein paar untauglichen Versuchen einer zeitweiligen Wiederbelebung als
Damenmodehaus nach dem Zweiten Weltkrieg oder als Billig-Supermarkt vor fünf Jahren absieht. Sigismund Sziklai ist der Architekt und Károly Lotz hat einst die Innenausstattung
übernommen. Von ihm stammen auch die Decken-Fresken im ehemaligen Casino, in dem sich nun wohl eines der attraktivsten Cafés des Stadt befindet.
Das renovierte und sorgsam angepasste Innenleben des “Paris”
Die Bücherkette „Alexandra“ hat hier den größten
Teil der Verkaufsfläche auf drei Etagen belegt und dafür gesorgt, dass dieses geräumige und sehr einladende Lese-Café entstanden ist, in dem auch literarisch-musikalische Veranstaltungen
stattfinden. Noch liegen hier die Preise für Kaffee, Kuchen und kleinen Imbiss unter denen der sonstigen Lokale auf der Andrássy. Noch sind aber auch etliche Quadratmeter Ladenfläche in den
oberen Etagen zu vermieten. Ein Anfang ist gemacht, seinen Platz auf dem verglobalisierten Luxusboulevard Andrássy út muss das Paris aber erst wieder finden. Das Paris ist ein Projekt der
Orco-Gruppe, ein Riesenladen, der seit der Finanzkrise nicht wenig Schwierigkeiten zu überstehen hat und daher froh sein wird über meistbietende Mieter... Es wäre auf jeden Fall ein
Gewinn, wenn das Kaufhaus nicht nur von den Platzhirschen der glattgebügelten Wald- und Wiesenpassagen westlicher Großstädte erobert würde. Vielleicht "reißt" das Paris ja
eine Lücke in die Protzfassade, trotz aller Nöte der Zeit und der Bilanzen.
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