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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010  NACHRICHTEN 05.03.2010

 

Kirchen in Ungarn mischen im Wahlkampf mit

Eine geradezu scheinheilige Erklärung gaben am Donnerstag die großen christlichen Kirchen in Ungarn ab. In einem gemeinsamen Papier versprachen die lokalen Oberhäupter der Katholiken, Lutheraner und der Reformierten (Kalvinisten) ihre Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher zum Urnengang bei der Wahl am 11. und 25. April zu bewegen. Es sei wichtig, den Menschen die Bedeutung ihrer Stimme klar zu machen, dass sie Einfluss hätten auf ihre eigene Zukunft. Die Wahrnehmung des Wahlrechtes ist nicht nur eine Freiheit sondern auch eine Verantwortlichkeit. In der Erklärung heißt es weiter, dass die Wähler einen gründlichen Blick in die Parteiprogramme werfen sollen, um zu sehen, wer die "vereinenden Kräfte in der Gesellschaft", die laut den Kirchen: Familie, Gemeinde und Nation sind, am besten vertritt. Die Wähler sollten Kandidaten wählen, die hoffentlich das Gesetz stärken, die Korruption verringern und Vertrauen zwischen den Menschen aufbauen.

Abseits dieser wohlklingenden Erklärung der Kirchen, ist es dort seit Jahren unkontrollierbarer Brauch, dass Pfarrer direkte Wahlempfehlungen, ja sogar Wahlanweisungen erteilen. Katholische Priester neigen da, nicht so überraschend eher den Konservativen bzw. Nationalkonservativen zu, bei den Reformierten gibt es aber auch nicht wenige Sympathisanten für die rechtsextreme Partei Jobbik. Pfarrer der Kalvinisten segneten regelmäßig die Mitglieder der "Ungarischen Garde", andere segneten in der Weihnachtszeit sogenannte Straßenkreuze, ebenfalls eine Initiative von Jobbik und mussten erst von ihren Vorgesetzten zurückgepfiffen werden.
 

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