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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010 WIRTSCHAFT 01.03.2010
Von VEB zum VEB
Die ungarische Airline Malév wurde rückverstaatlicht
Mit der Rückübernahme von 95% der Anteile an der 2006 privatisierten Fluglinie Malév durch den ungarischen Staat, endet vorerst eine lange Hängepartie. Sie lehrt,
dass der Meistbietende nicht immer die beste Wahl bei Privatisierungen ist. Bis 2012 soll Malév wieder profitabel werden, danach wird die Suche nach einem geeigneten
Investor von Neuem beginnen - wenn die Schulden dann bezahlt sind.
Am Ende eines monatelangen Pokerturiniers zwischen der staatlichen, russischen
Vnesheconombank und Vertretern der ungarischen Regierung, steht die Rückverstaalichung der ungarischen Airline Malév. Am Samstag verkündete das
Finanzministerium, dass der Minister mit den Bankvertretern eine Übereinkunft getroffen hat, die eine Übernahme von 95% der Aktien beinhaltet.
Über eine Kapitalerhöhung von 25,2 Milliarden Forint (ca. 93 Mio EUR), die
zum Teil in Cash, zum Teil durch die Umwandlung von Verbindlichkeiten abgewickelt wird, kommt der ungarische Staat wieder in Besitz der Airline, die er erst 2006 durch einen
Tender an die Firma AriBridge des russischen Investors Boris Abrwamowitsch veräußert hatte. Dieser hielt auch Beteiligungen an weiteren regionalen Airlines in Russland, die er zu
einem großen Konzern verschmelzen wollte. Doch die Finanzierung dieser Expansionen auf Pump brachte den Oligarchen in der Finanzkrise in erhebliche Schwierigkeiten. Er konnte
bzw. wollte dann weder die im Privatisierungsvertrag festgeschriebenen Schuldenrückzahlungen schultern, noch die drückenden Forderungen seiner Finanziers befriedigen.
Zur Wirtschaftskrise kam noch eine Eigentümerkrise
Nach und nach übernahm der wichtigste Gläubiger, eben die Vnesheconombank (VEB), die
Kontrolle über die AirBridge und damit die Malév. Die Bank, die auch einen wesentlichen Einfluss bei der Aeroflot ausübt, nutzte die Malév als Türöffner in die EU, in dem sie die
Mehrheit der Aktien auf dem Papier im Eigentum einer ungarischen Rechtsanwältin beließ, um mit dem Status der EU-Airline den Zugang zu Start- und Landerechten in der
Europäischen Union zu behalten. Budapest, so der Plan sollte dann als westliche Verteilerstation für den Verkehr von und nach Russland und die ehemaligen Staaten der
Sowjetunion entwickelt werden. Ungelöst blieben aber die Fragen von Schuldendienst und den anderen Auflagen.
Während der zähen Verhandlungen muss es heiß her gegangen sein, denn erst als das
ungarische Finanzministerium eine Bürgschaft über 30 Mio. EUR fällig stellte und mit Klage drohte, kam Bewegung in die Sache. VEB taktierte und war offenbar weder gewillt
die finanziellen Verpflichtungen des Schuldners als die eigenen anzuerkennen, noch die Kontrolle über das Unternehmen so einfach herzugeben. Während dieser Zeit musste die
Malév auch noch im operativen Geschäft den Widrigkeiten des krisengebeutelten Fluggeschäftes Stand halten, eine strategische vernünftige Sanierung und
Neupositionierung waren durch die Störgeräusche von Eigentümerseite besonders schwer. Trotzdem konnte die Malév, wenn auch weiter tief in roten Zahlen, einige Fortschritte bei
Passagierzahlen, Konstenstruktur und Online-Marketing verbuchen, auch die Neustrukturierung des Streckennetzes und die Modernisierung der Flotte schreitet voran.
Die Zeiten für die Mitarbeiter werden sicher nicht ruhiger
Ungarn nannte das Weiterbestehen der Malév als "nationales Interesse", daher die
Rettungsaktion. Nun werde man, so das Finanzministerium für langfrstige finanzielle Stabilität sorgen, um das Restrukturierungsprogramm zum Erfolg zu führen, allein schon,
"um die Schulden, die das Unternehmen beim ungarischen Steuerzahler hat", tilgen zu können, wie es hieß. Von der EU wird, so lange es Ungarn in erster Linie um die
Sicherung seiner finanziellen Ansprüche geht, kaum Einspruch wegen unrlaubter Staatshilfen geben, sagt zumindest das Ministerium und kündigte gleich ein ganzes Paket
von neuen Maßnahmen an, die auch "Entlassungen und Neuverhandlung von Absprachen mit den Gewerkschaften sowie Überprüfungen von Zulieferverträgen" beinhalten. Die
Zeiten für die Mitarbeiter werden also sicher nicht ruhiger. Der neue Eigentümer hat jedoch wenig Grund die operative Spitze der Malév auszutauschen, Generaldirektor Martin
Gauss, ein erfahrener Sanierer, hat, im Rahmen der Möglichkeiten, einen guten Job gemacht. Was passiert, wenn Staatsmanager das Ruder in die Hand bekommen, haben
andere VEB´s, z.B. MÁV und BKV, in allen schrecklichen Einzelheiten vorgeführt.
Ein Teil der Aktien an die Börse?
Wie es nach 2012 oder 2013, wenn die Malév - so der Markt will - wieder profitabel sein
soll, weitergehen wird, ist noch nicht ganz klar. Das naheliegendste Szenario besteht in der Suche nach einem neuen strategischen Investor, wobei nicht klar ist, ob sich die VEB
ein Vorkaufsrecht, z.B. für eine Sperrminoriät oder ein Vetorecht gesichert hat. Immerhin bleibt der ehemalige Großaktionär der wichtigste Gläubiger der Malév, was
einen gewissen Einfluss erhält. Auch wäre es denkbar, daneben einen Teil der Aktien an die Börse zu bringen, so dass ein neuer Mehrheitseigentümer unter einer besseren
Kontrolle steht als der vorherige. Doch zuerst muss saniert und Schulden bezahlt werden, ein weiter Weg.
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