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(c) Pester Lloyd / 09 - 2010  WIRTSCHAFT 03.03.2010

 

Kampf gegen Kreditfäulnis

Die OTP, größte Bank von Ungarn, legte ihre Geschäftszahlen für 2009 vor

Ungarns größte Bank, OTP, hat das Krisenjahr 2009 recht glimpflich überstanden. Den deutlich verminderten Gewinn hatten alle erwartet. Die faulen Kredite sind nach wie vor das Hauptproblem nicht nur dieser Bank, jeder zehnte Kunde wackelt. Auch die zahlreichen Auslandstöchter in Osteuropa und das Leasing machen der OTP wenig Freude. In Serbien allerdings, wo kürzlich noch von Verkauf die Rede war, will man das Geschäft verdoppeln. Weitere Zukäufe sind denkbar, Staatshilfe wird zurückgezahlt.

Die größte ungarische Bank, OTP, legte am Dienstag die Geschäftszahlen für das Krisenjahr 2009 vor. Der operative Gewinn sank danach um 37% auf 151,2 Milliarden Forint (ca. 564 Mio EUR), ein Ergebnis das weitgehend im Rahmen der eigene Erwartungen wie denen der Analysten lag. Das Ergebnis für das vierte Quartal lag bei 20,4 Milliarden Forint, etwas besser als die prognostizierten 16 Mrd, jedoch dramatisch unter dem Vorjahresergebnis. Der Gewinn nach Steuern fiel im vierten Quartal um 54% geringer aus als 2008. Der Gewinn pro Aktie lag für 2009 bei 570 Forint, -39% zu 2008.

Risikorücklagen stiegen um 124%

Filiale in Makarska, Kroatien

Die Einkommen aus Zinsen wuchsen 2009 um 38% auf 601,4 Milliarden Forint, ein Ergebnis, das auch und vor allem mit den gestiegenen Forintverbindlichkeiten aus Fremdwährungskrediten der Kunden erklärt. Der Forintverfall verteuerte vor allem noch in den ersten beiden Quartalen die Zahlungen. Für die Bank hieß das neben gestiegenen Forinteinnahmen aber auch gestiegene Devisenkosten sowie eine Anhebung der Risikorücklagen um 124% für faule und riskanter gewordene Kredite. Um diese Rücklagen bereinigt, stieg das Zinsaufkommen lediglich um 8%. Die Summe der Rücklagen 2009 belief sich auf insgesamt 249,6 Milliarden Forint also mehr als 930 Mio EUR. Bei der OTP sind die Raten für 9,8 Prozent aller Kredite länger als 90 Tage in Verzug, vor einem Jahr lag diese Rate noch bei 4,5%, im Marktvergleich steht die OTP damit ungefähr im Durchschnitt.

Privatkredite um 6% heruntergefahren

Filiale in Bratislava, Slowakei

Die Lohnkosten konnte die Bank durch Streichungen von Sondervergütungen und die Verhinderung spürbarer Lohnerhöhungen um 7% auf 155,5 Milliarden senken, die Zahl der Mitarbeiter in der Gruppe blieb mit 31.337 fast gleich. Alle anderen Betriebskosten wurden um 4% auf 349,1 Mrd. Forint gesenkt. Das Kosten-Umsatz-Verhältnis sank von 46,6 auf 44,3%. Das Betriebsvermögen der OTP hielt per 31.12.2009 bei 9.774,6 Milliarden Forint (ca. 35,4 Mrd. EUR), 4% mehr als vor einem Jahr, den Anteil an Privatkrediten (inkl. Einzelunternehmer) fuhr man um 6% auf 6.349 Mrd. Forint herunter. Das Kreditportfolio für Privatkunden und Kleinstunternehmen betrug Ende 2009 umgerechnet rund 23,7 Mrd. EUR. Die Einlagen der Bankkunden stiegen um 8% auf 5.646 Forint. Das Kredit-Einlageverhältnis der OTP fiel von 134 auf 121%.

Filiale in Brasov (Kronstadt), Rumänien

Schwierige Lage bei Leasing
und Auslandstöchtern

Geht man die Divisionen bzw. Tochtergesellschaften der OTP Bank durch, ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Leasing-Abteilung "Merkantil" verbuchte einen Verlust von 1,8 Milliarden Forint. Hier ging der Markt in Ungarn 2009 fast um 50% zurück. Auch bei der OTP Leasingtochter war die notwendige Risikorücklage der Hauptfaktor für den Verlust. Leasinggeschäfte sind von Inslovenzen oft noch stärker betroffen als Privatkredite, weil es einen Unterschied ausmacht, ob man auf einen Zweitwagen oder das eigene Zuhause verzichten muss. Im Ausland lief es wie folgt: Ukraine - Verlust von 43,6 Mrd. Ft, Russland - Gewinneinbruch um 63% auf noch 3,1 Mrd. Forint, allein hier stiegen die Risikorücklagen auf 21 Mrd. Bulgarien - 24,8 Mrd. Gewinn, -20%, Serbien - 9 Milliarden Forint Verlust, Slowakei -6,7 Mrd. Ft., Kroatien - Gewinn -36% auf 3,2 Mrd., Rumänien +1,1 Mrd. Ft., Montenegro - 428 Mio Ft. Gewinn bzw. -85%.

 

Auf der Flucht nach vorn in Serbien

Aus der Not geborene Pläne, die serbische Tochter abzustoßen wurden fallengelassen. Hier tritt man nun die Flucht nach vorne an und will seinen Marktanteil "mittelfristig" auf 5% mehr als verdoppeln. Der Strategiewechsel ist eine Lehre der Krise, der zeigte, das Serbiens Bankenmarkt stabiler war als zuvor angenommen und die Erschütterungen der Finanzkrise relativ glimpflich überstand. OTP hatte zuvor drei kleinere Banken aufgekauft. OTP Banka liegt mit einem Marktanteil von 2,4% und rund 500 Mio EUR Einlagen auf dem 15. Platz der 34 in Serbien zugelassenen Finanzinstitute.

Filiale in Varna, Bulgarien

Keine Gewinnprognose für 2010

Für 2010 will die OTP, im Gegensatz zu den Vorjahren, keine Gewinnprognose abgeben. Dazu seien zu viele Unwägbarkeiten im Markt, hieß es aus der Zentrale. Wohin die Richtung geht, ist aber klar. Das Kreditportfolio soll um weitere 5% reduziert werden und das möglichst nicht durch Abschreibungen, versteht sich. Die Kundeneinlagen will man hingegen um weitere 5% nach oben treiben, also das Kredit-Einlage-Verhältnis weiter verbessern.

Sándor Csányi (rechts auf dem Foto ganz oben), nicht nur nebenher ein in der Lebensmittel- und Weinindustrie umtriebiger Vorstandschef der OTP, sprach davon, dass neben den internationalen Marktrisiken vor allem die ungarische Wirtschaft das größere Risiko darstellt. Er spielte damit auf das Haushaltsdefizit an, dessen vermutliche Nichteinhaltbarkeit (geplant waren 3,8%, befürchtet werde bis zu 7%) 2010 den Markt zusätzlich ungemütlich machen und vor allem das Währungsrisiko wieder erhöhen.

Staatshilfe bald zurückgezahlt

Trotz aller Unwägbarkeiten sei seine Bank stabil, man habe mehr als 6 Milliarden EUR als Reserve flüssig verfügbar und man könne nach jetzigem Stand bis 2016 ohne "externe Finanzierung" auskommen, schließe aber einige Anleihen nicht aus. Innerhalb von Wochen werde man die zweite Hälfte der Staatshilfe (1,4 Mrd. Ft.) zurückzahlen. Csányi sagte, dass sobald die Abwärtsentwicklung bei der Qualität der Privatkredite gestoppt sei und somit Mittel, die jetzt in die Rücklagen fließen, freiwerden, werde man in Rumänien, Serbien und der Slowakei zukaufen.

-red

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