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(c) Pester Lloyd / 10 - 2010  BUDAPEST 08.03.2010

 

Retro-Zentrum der Populärkultur

Das Freizeitzentrum am Almássy tér wird wiedereröffnet, die Zukunft ist dennoch ungewiss

Am 13. März soll das Kulturzentrum am Almássy tér (Almássy téri Szabadidoközpont) nach mehr als zwei Jahren Betriebspause mit einem bunten Bühnenprogramm wiedereröffnet werden. Vor dem durch einen Eigentümerwechsel verursachten Leerstand war das dem lokalen mainstream nahestehende Freizeitzentrum, auch im Realsozialismus, sehr populär.

Die Wiedereröffnung, die wegen technischer Probleme eine Woche nach hinten verschoben werden musste, wird am 13. und 14. März gefeiert. Am Samstag Abend werden der Rapper LL.Junior und die Popsängerin Nótar Mary auftreten. Sonntag werden mit den berüchtigten trash-pop-Zwillingen Pa-Dö-Do und der traditionell auftretenden gypsie-folk band Ternipe starke Gegensätze auf der Bühne stehen. Den ganzen Tag über gibt es Programm, das vor allem auch für Kinder geeignet ist und mit einer Mutter-Kind Klamottenbörse losgeht.

Im Zeichen solcher Gegensätze und einem breiten, inklusiven Angebot soll das vorerst für ein Jahr angesetzte Programm des Kulturzentrums stehen. Ungarischer Folkdance soll ebenso vertreten sein wie Gypsie-Musik und internationale Gäste unterschiedlichster Musikrichtungen, wie Programmkoordinator Géza Szemerei zu verstehen gibt. Doch Konzerte in der 1300 Plätze fassenden Konzerthalle sind nicht das einzige, was das Kulturzentrum zu bieten haben wird. Weitere Veranstaltungsräume aller Art finden sich überall verstreut in dem mehrstöckigen, farbenfroh ausgemalten Gebäude, darunter ein Party-Raum und eine Ballett-Tanzfläche, auch Theateraufführungen werden natürlich ihren Platz finden.

Zunächst sollen nur die ersten beiden Stockwerke geöffnet werden, während die Umbau- und Renovierungsarbeiten in den oberen Geschossen weitergehen. Noch sind die Renovierungsarbeiten überall im Gange, und der steinerne Geruch von Arbeit und Unfertigkeit liegt in der Luft des architektonisch funktionalen Gebäudes. Vielleicht wird er ja nicht ganz verschwinden und die Gäste zum Mitgestalten anregen. Das Kultur- bzw. Freizeitzentrum erfüllte seine heutige Funktion erstmals 1983. Schnell erlangte es eine leidliche Popularität, vor allem durch das Táncdalfesztivál, dem vom Staatsfernsehen übertragenen realsozialistischen Pendant zu den heutigen Castingshows á la DSDS.

Ein reicheres und bunteres Programm wurde nach der Wende bis 2007 fortgesetzt. Als das realsozialistische Gebäude, das am Almássy tér im VII. Bezirk inmitten der Gründerzeit-Altbauten einen – im Positiven oder Negativen – Blickfang darstellt, jedoch immer baufälliger wurde, schlug die damalige Betreiberfirma vor, das Gebäude dem Bezirk abzukaufen, um in längst fällige Renovierungsarbeiten zu investieren. Aufgrund rechtlicher Vorschriften zur Entäußerung von öffentlichem Besitz musste das Angebot jedoch ausgeschrieben werden – und den Zuschlag bei der anschließenden Versteigerung erhielt nicht die Betreiberfirma, sondern ein privater Investor, der aus dem Gebäude ein Hotel machen wollte. Zwei Jahre stand das Gebäude daraufhin leer, bevölkert nur von einigen Obdachlosen. Jetzt jedenfalls soll wieder Leben einkehren in die Hallen der Populärkultur – zunächst für ein Jahr. So lange läuft der Pachtvertrag mit dem Eigentümer. Weitere Zukunft: ungewiss.

Frederic Heine

Almássy téri Szabadidoközpont, Almássy tér 6, 1077 Budapest
Eröffnung am 13. und 14. März, los geht es um 8 Uhr morgens mit der Mutter-Kind Klamottenbörse. Eintritt jeweils 1900 HUF, Kinder 900 HUF, Kinder unter 6 kostenlos
mehr Informationen (bald) unter
http://www.almassyhall.hu/
 

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