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(c) Pester Lloyd / 10 - 2010 BOULEVARD 11.03.2010
Postfeudale Stippvisite
Prinz Charles und Camilla besuchen Ungarn und spulen das übliche Programm ab
Wie bereits gemeldet, beglückt das Prinzenpaar aus Wales die Region bald mit einer seiner Rundreisen, die es alle Jahre wieder auch in östliche Gefilde Europas
führt. Details über das Besuchsprogramm beim dreitägigen Aufenthalt in Ungarn vom 17. bis 20. März wurden jetzt bekannt. Es ist der übliche postfeudale
Mischmasch aus sozio-ökologischem Sightseeing mit einem Hang zur politisch korrekten Lamoryanz, z.B. beim “Romagucken”.
Der Prinz von Wales kommt offiziell auf Einladung des ungarischen Staatspräsidenten
ins Land. Am 17. März gibt es ein Begrüßungstreffen mit dem Präsidenten László Sólyom in der Burg, der auch selbst gerne seine Umweltbewegtheit präsentiert und
stets darauf verweist, dass es ja Umweltgruppen waren, die ihn zu seinem Amt nominiert hatten. Anschließend gibt es Sightseeing in Budapest, dem barocken
Künstlerstädtchen Szentendre vor den Toren der Stadt sowie im nahegelegenen Pecél bei Gödöllö, wo das berühmte Sisi-Schloss steht.
Am Donnerstag, 18.3., wird das Thronfolgerpaar die Große Synagoge in der Dohány
Strasse in Budapests jüdischem Viertel besuchen und, wie es heißt, "eine Kerze in Gedenken an die Opfer des Holocaust entzünden". Camilla hospitiert sodann im
Zsigmond Móricz Gymnasium in Szentendre, wo eine Ausstellung und ein Schultheaterstück auf dem Programm stehen. Ihr Mann trifft sich mit seinem
Gastgeber und den Chefs diverser Umweltschutzverbände und Zivilorganisationen.
Das Paar wird dann in den Skanzen
wieder vereint sein, einem Freilichtmuseum der ländlichen ungarischen Kulturen (Foto), ebenfalls in Szentendre gelegen. So schön das dort ist, wäre der Besuch des Ökolandwirts bei
einem ungarischen Kollegen, vielleicht aus der Milchwirtschaft, nützlicher, da es dort durchaus aktuelle Probleme anzusprechen gibt. Das Museum steht ja beim nächsten
Besuch ganz sicher auch noch, aber ob es dann noch viele Milchbauern in Ungarn geben wird, ist fraglich.
Am Nachmittag wird Charles junge Wissenschaftler an der Akademie treffen und an
einer Konferenz über den Klimawandel teilnehmen, eine Filmvorführung mit dem Titel "Auf dem Weg zu meinen Romawurzeln", verbunden mit einem Treffen mit
"Roma-Journalisten" und der Folkband Kalyi Jag rundet den politischen korrekten Besuchstag ab, bei dem wir gerne wüssten, was der Prinz über die realen Zustände im
Lande wirklich erfährt. Wir könnten ihm noch das eine oder andere Dorf, nicht weit von Budapest, zur Anschauung der Realität empfehlen, haben aber Verständnis, wenn
er die Gastgeber nicht derart durch die Wahrheit beschämen möchte. Dennoch erinnert das alles ein bisschen an die Sitten, wo man die Indianer für Besucher ihren Regentanz aufführen ließ...
Am Freitag gibt es eine Kranzniederlegung am Denkmal der Märtyrer des
Volksaufstandes von 1956, anschließend ein Treffen mit Regierungschef Gordon Bajnai im Parlamentsgebäude. Derweil besucht Camilla unvermeidlich eine Kinderklinik,
während ihr Mann nach Pecél geschickt wird, eine kleine Gemeinde bei Gödöllö und nahe der Hauptstadt. Dort wird das renovierte Ráday Palais besucht und eine Diskussion
zur Thematik der Erhaltung von Kulturdenkmälern geführt werden. Bei der Fahrt dorthin könnten sich den Royals bezüglich des Klimawandels lebensahe Eindrücke
vermitteln, wenn Charles die Fenster seiner Limousine während der Durchfahrung der Hauptstadt einfach offen halten ließe.
Auch dieser Tag wird musikalisch ausklingen, Charles will einer Probe der Initiative
"Musik gegen Rassismus" im Millénium Center beiwohnen, den Abend verbringt er dann doch lieber wieder in der britschen Botschaft, aber hoffentlich bei ungarischer Küche.
Die Folkloresängerin Márta Sebestyen spielt auf, es wird sicher alls ganz herzig. Am nächsten Tag geht es weiter nach Prag.
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