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(c) Pester Lloyd / 10 - 2010 WIRTSCHAFT 11.03.2010
Preise aufpoliert
Das ungarische Wettbewerbsamt nimmt wieder ein Kartell auseinander
Das ungarische Wettbewerbsamt hat eine ganze Armada von Unternehmen, die Autopolitur- lack etc. verkaufen und entsprechende Services anbieten, auf der
Verdachtliste, seit sieben Jahren regelmäßig ihre Preise abgesprochen zu haben. Auch Versicherungsunternehmen und Vereinigungen von Autohändlern und
Importeuren sollen mitgemauschelt haben. Wegen der steigenden Nachfrage richtete die GVH außerdem eine Special Force für. bzw. gegen die Finanzwirtschaft ein.
Das ungarische Amt für Wettbewerbsaufsicht, GVH, teilt
mit, dass sich die verdächtigten Unternehmen zweimal jährlich zu einer regelrechten Konferenz getroffen haben, um die Preislisten für verschiedene Produkte abzusprechen, u.a. für Auotpolitur,
Lacke, Finishing, Wachse etc., aber auch für die entsprechenden Servicedeinstleistungen in den Werkstätten.
Die Veranstaltungen seit 2003 müssen so lohnenswert gewesen sein, dass andere
Unternehmen gerne daran teilhatten. Und so kommt es, dass zu dem mutmaßlichen Kartell nicht nur ein paar Autowerkstätten, -händler und Zubehörimproteure gehören,
sondern auch so namhafte Versicherungsunternehmen wie die Allianz Hungária, die Generali-Providencia sowie die Aegon Hungary General auf der Verdachtsliste der
Kartellwächter erscheinen. Auch die Ungarische Vereinigung der Europäischen Automobil Serviceunternehmen, die Vereinigung der Autohändler und die Vereinigung
der Lackhändler stehen im Verdacht an der mafiösen Verschwörung zum Schaden des Wettbewerbs und des Kunden mitgeschnitten zu haben. Betriebswirtschaftlich
ausgedrückt, handelt es sich also um eine geschlossene Wertschöpfungskette, die wohl kaum ein Kunde selbst sprengen konnte.
Dabei haben sich die Inkriminierten für ungarische Verhältnisse auch noch besonders
dämlich angestellt, dem GVH liegen nämlich von den Jahressitzungen der Ganoverunde vollständige Protokolle, "Kooperationsvereinbarungen" und Preislisten vor, weshalb das
GVH mit der Sache auch schon an die Öffentlichkeit gehen konnte, bevor ein endgültiges Urteil verkündet und eine entsprechende Strafe verhängt wurde. Dabei kam
neben dem ganzen Preis- und Versicherungsgeschacher auch heraus, dass die "Familie" es offenbar als aktive Geschäftspoltitik betrieb, Unternehmen, die nicht so mitspielten
wie sie wollten am Markt klein zu halten sowie neuen Unternehmen erst gar keine Chance zu lassen in den trauten Kreis vorzustoßen. Damithat man es offenabr so
übertrieben, dass die Angelegenheit irgendwann auffliegen musste.
Die von der GVH verdächtigten Unternehmen sind: 3M Kft., Alami Kft., Auto Finish
Kft., Autocolor Kft., Duplakk Kft., Ergolakk Kft., Kaméleon Mix Kft., Servind Kft., Allianz Hungária Insurance Co., Generali-Providencia Insurance Co., Aegon Hungary
General Insurance Co., Eurotax Glass-s Kft., Hungarian Association of European Automobile Services, Akzo-Nobel CR, Audatex Hungary, Hungarian Association of
Automobile Dealers, the Hungarian Association of Varnish Traders. Der Strafbescheid des GVH ist in den nächsten drei Monaten zu erwarten, bis dahin gilt für alle genannten
Unternehmen die obligate Unschuldsvermutung.
"Während der letzten Jahre hat das Ungarische Amt für Wettbewerbsaufsicht eine
erhöhte Zahl von Aufsichtsbeschwerden gegen Banken und andere Finanzdienstleister festgestellt", was die Wettbewerbshüter nun dazu veranlasste wegen der großen
Nachfrage eine eigene Abteilung für die Finanzbranche einzurichten. Diese Nachricht ist vor allem ein Hinweis darauf, dass die dafür vorgesehene Behörde, die staatliche
Finanzaufsicht PSZÁF ihren Job nicht schafft, nicht macht oder nicht machen soll. Die neue Task Force steht unter Leitung von Surd Kováts, der schon seit Jahren in der
Branche gefürchtet ist und so manchen Skandal aufdeckte.
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