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(c) Pester Lloyd / 11 - 2010  WIRTSCHAFT 15.03.2010

 

Kein Staatsgeld für Rennstrecke

Ungarische Entwicklungsbank verweigert Finanzierung des Balatonrings

Ende letzter Woche teilte die staatliche Ungarische Entwicklungsbank (MFB) mit, dass sie keinen Kreditvertrag mit der Firma Savoly Motorcentrum über die Finanzierung der Rennstrecke Balatonring abschließen wird. Die Chefs der beteiligten Tourismus AG und der Balaton- Entwicklungsgesellschaft sind zurückgetreten. Investoren müssen sich nun wieder um privates Geld umschauen, an Rennen ist in diesem Jahr nicht mehr zu denken.

Entwurf für die Außenanlagen des Balatonrings

Die geschäftlichen Risiken des Deals wären zu hoch, letztlich - so hieß es bei der MFB kurz und bündig - konnten und wollten die Verhandlungspartner die Bedingungen der Bank nicht akzeptieren. Dabei ging es um eine Summe von rund 20 Milliarden Forint. Zuschüsse, Bürgschaften und 15,3 Milliarden (knapp 60 Mio EUR) davon sollten als Kredit über die MFB fließen. Die Gesamtinvestition für die Rennstrecke, auf die eigentlich schon in diesem Jahr der MotoGP ausgetragen werden sollte, wird mit rund 40 Milliarden Forint benannt.

Der Staat sollte weiterhin für den Betrieb der auf dem Balatonring geplanten Veranstaltungen finanziell aushelfen, bis sich die Strecke selbst tragen konnte. Die Investoren, ein spanisch-ungarisches Konsortium, argumentierte mit dem enormen Kaufkrafteffekt, der durch Massen von rennbegeisterten Touristen auch entsprechende Steuereinnahmen generieren könnte und neue Arbeitsplätze schaffen sollte. Doch schon seit letztem Herbst kursierte im Finanzministerium eine Machbarkeitsstudie, welche die Aussichten für den Erfolg einer solchen Unternehmung viel pessimistischer einschätzte.

Nach verschiedenen Gerüchten wurde die Studie in der letzten Woche, auf Betreiben des Regierungschefs persönlich, veröffentlicht, was letztlich auch zum Zusammenbruch der geplanten Finanzierung führte. Das Betreiberkonsortium ging vor einigen Tagen in die Offensive und beschuldigte Parteien und Lokalpolitiker der Bestechlichkeit. Der Staat hält seine Unterstützungszusage für den Betrieb jedoch durchaus aufrecht, allerdings käme eine Investitionsunterstützung nun nicht mehr in Frage, man müsste sich das Geld eben auf dem freien Markt besorgen (was übrigens schon im Herbst 2008 an der Krise scheiterte).

Hat genug von dem Theater: Tamás Suchman tritt zurück

Inzwischen hat der Balatonring auch schon zwei Köpfe gefordert: Der Chef des Balaton- Entwicklungsrates, der Unternehmer Tamás Suchman, trat von seiner Position im Balatonrat zurück. Er begründete seinen Schritt damit, dass er „nicht Teil eines Projektes sein will, bei dem man allen möglichen persönlichen Angriffen ausgesetzt“ sei. Solle sich doch die nächste Regierung mit diesem Projekt auseinandersetzen, er habe genug von der Sache. Auch der Vorstandschef der staatlichen Ungarischen Tourismus AG suchte inzwischen das Weite. Der umtriebige Gastronom und ehedem Präsident des Hotelierverbandes, Dr. Ákos Niklai, nannte jedoch persönliche Gründe für seinen Rücktritt. Allerdings ist die Tourismus AG mit knapp 30% am Konsortium des Balatonringes beteiligt.

Zum Thema:

Tabula Raser (01.03.10)
Der Balatonring für den MotoGP in Ungarn steht auf der Kippe
 

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