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(c) Pester Lloyd / 11 - 2010  BUDAPEST 17.03.2010

 

Vegetarisches im Plastikkleid

Biologisch nicht ganz zu Ende gedacht: „Le Bar“ in Budapest

Vegetarier sein in Ungarn ist nicht leicht und wird doch immer leichter. Während man früher und vielleicht auch heute noch am Wurstverkauf um die Ecke in der Markthalle den abfälligen Satz „man solle bei freiwilligem Fleischverzicht nach Rumänien gehen“ hörte und hört, gibt es heute einige kleine, feine und weniger versteckte Möglichkeiten des guten vegetarischen Genusses.

Das Erleben traditioneller ungarischer Küche bleibt einem freilich verwehrt, doch jeder hat seine eigenen Gründe auf Fleischliches - zumindest beim Essen - zu verzichten. Seien es gesundheitliche Argumente, Modezwang, Tierliebe oder politischer Aktionismus. Der Verzicht auf Fleischgulasch, Salami und Hühnerbrühe, Paniertes und Gesottenes, entfernen den Vegetarier beträchtlich von den Landessitten. Doch der vegetarische Trend geht auch in Ungarn um und findet sogar Anhänger.

Le Bar“, obwohl mit einem so urban-verschwenderischem Namen ausgestattet, bietet eine breite Palette an Biologisch-Veganem, dazu auch Ungewöhnliches wie vegetarische Desserts aus getrockneten Paprika und unbekannten Kernen sowie für wenig Geld viel Bioprodukte. Allerdings hat man den ökologisch korrekten Gedanken nicht zu Ende gedacht und tut das, was man dem Körper erspart, der Umwelt an. Das gute Essen in „Le Bar“ kommt nämlich mit geminderter Ästhetik und in wahnsinnig unökologischen Plastikschüsseln daher.

Zum Mittagsmenü werden heute Kartoffeln, Graupen, Gemüsebeilagen, Salat und Tofuwürste angeboten für 850 Forint (3,20 EUR) sowie frisch gepresste Säfte aus verschiedenen Früchten und Gemüsesorten, z. B. Rote Beete oder Kürbis 250/450 HUF (94 Cent - 1,70 EUR). Jeden Tag gibt´s ein anderes Menü und immer auch die einfache Möglichkeit ohne lange Entscheidungswege der Tagessuppe (Brokkoli, Küribs, Linsen) mit Brot für 315/450 Ft..

Für mich gab es Graupen und Kichererbsen vermengt und verbreit mit Gemüse und Sojasauce in weißer Plastikschale. Braun auf weiß mit weißer Gabel und Plastikmesser aufgespießt und aufgegessen. Das Essen ist warm und gut gewürzt und für jeglichen darüber hinaus gehenden Eigenbedarf stehen sowohl Salz und Pfeffer als auch Balsamico und herkömmlicher Essig bereit. Der vor meinen Augen gepresste Orangensaft verspricht Vitamine und natürlichen Geschmack, fantastische Durstlöscher beim Betrachten von Schneeflocken im Frühling.

Die Schlange zur traditionellen Mittagsstunde ist unerwartet lang, die Bedienung überraschend schnell und einnehmend freundlich. Dürftig- und Geschmacklosigkeit der Inneneinrichtung zwingen zur Konzentration aufs Essen. Der Magen wird nicht von Nebensächlichkeiten nervös gemacht. Der Spiegel auf Augenhöhe zwingt zum Beobachten der eigenen und fremder Fehltritte beim Löffel zum Mund führen und suggeriert mehr Platz und Menschen in der Enge des Raumes.

Das Essen ist gut und abwechslungsreich. Das Essen ist biologisch und vegetarisch und bietet ein vollständiges Menü von der Suppe bis zur Nachspeise mit dem passenden Saft. Das ökologische Konzept, das leise versprochen wird oder von verwöhnten Westeuropäern unterstellt, ist entweder nicht zu Ende gedacht worden oder bezieht sich klarerweise nur auf Essen und nicht auf Umstände. Aber dennoch, für eine gute Mahlzeit zwischendurch genügt „Le Bar“ auf jeden Fall.

Katherin Wagenknecht

Le Bar - Muzeum Krt. 19, 1053 Bp.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr

 

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