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(c) Pester Lloyd / 11 - 2010
POLITIK 17.03.2010
„Grün sein ist mehr, als sich an Bäume binden"
Ideale und ein weiter Weg: die ungarischen Grünen hoffen auf den Einzug ins Parlament
Die ungarischen Grünen von der LMP bilden mit ihrem ehrlichen Enthusiasmus eine Ausnahme im Parteienspektrum der anstehenden Parlamentswahlen.
Während die MSZP trotzig verzweifelt, das Fidesz vor Siegesgewissheit überschäumt, die extreme Rechte hetzt und die Liberalen untergehen, versucht
die LMP sich als Politikalternative auch im Parlament zu etablieren. Dass ein anderer Weg, als der von Demagogie möglich und nötig ist, davon ist Kandidatin
Rebeka Szabó im Gespräch mit dem PESTER LLOYD überzeugt.
Die noch junge Partei LMP hat aus ihrem Programm
ihren Namen gezimmert. Sie nennt sich „Eine andere Politik ist möglich“ und macht sich nach einem Achtungserfolg von 2,6% bei den letztjährigen EU-Wahlen Hoffnung auf das Überspringen der
5%-Hürde, auch wenn Umfragen sie derzeit gerade bei 3% sehen. „Grün sein ist mehr, als sich an Bäume binden, es ist die einzige Möglichkeit fortzubestehen,“ meint die quirlige junge Kandidatin
Rebeka Szabó (Foto)
Das Beben in ihrer Stimme erinnert an die wilden
Grünen in Deutschland während der 70er und 80er Jahre. Als Oppositionspartei scheinen sie in Ungarn noch richtig hungrig auf politische Arbeit zu sein und
doch sind ihre Forderungen weder unüberlegt, noch aus der Luft gegriffen. Zu den konkreten Plänen, gehört das Konsensprogramm der Oppositionsparteien: Transparenz bzw.
Korruptionsbekämpfung, so wie ein Agrarprogramm, dass sich um die Schaffung eines unabhängigen Systems nachhaltiger Landwirtschaft bemüht. Ein weiterer Vorschlag
wird auch in Deutschland regelmäßig aufgegriffen: „Wir wollen Niedriglohnbranchen steuerlich begünstigen, damit sich arbeiten wieder lohnt.“
Doch auch den Grünen ist klar, dass es mehr denn je schwer ist, sich im Getöse des
ungarischen Wahlkampfes Gehör zu verschaffen. Die Mehrheit der ungarischen Bevölkerung lehnt zwar nicht die politischen Ziele der LMP ab, ist aber der Auffassung,
dass die Bewegung nicht kraftvoll genug ist, um diese umzusetzen. Wie sollen Grüne schließlich eine Wirtschaftskrise bewältigen? Die Kinderkrankheiten der Basisdemokratie
macht auch die LMP durch. Auch Frau Szabó trägt mit ihren Überzeugungen dazu bei. „Unsere Abstimmungen dauern generell etwas länger, wir wollen keine klare
Machtspitze, wir wollen jeden berücksichtigen“, sagt sie mit einem sympathischen Lächeln.
Dieser Wille, alles richtig zu machen, zieht sich in gewisser Hinsicht auch
durch die politischen Forderungen. Szabó macht glaubhaft klar, dass in Emissionshandel und auch in Energieprojekten, wie die Nutzung geothermischer Energie, Potenzial liege. Der Weg dorthin hört sich
dennoch etwas naiv an: „Wir müssen den großen Investoren Steine in den Weg legen, wenn sie die Umwelt schädigen“. Eine seltsame Aussage in einem Land, in dem es bisher Konsens war, den
Investoren möglichst wenige Steine in den Weg zu legen und wenn, dann nur um diese Investoren am Fortgehen zu hindern.
Fehlende professionelle Organisiertheit und bescheidene Mittel machen die Grünen, die erstmals über eine
ernstzunehmende Struktur in Ungarn verfügen, mit Enthusiasmus wett. Die Protagonisten zeigen sich relativ unabhängig von den typischen politischen Verhaltensmustern
und Denksträngen. Die Lösung der anstehenden Probleme sieht man nur in einer konzertierten Politik, die einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Umbau der
Gesellschaft erfordert. „Wir sind gewillt, mit anderen politischen Parteien zu koalieren, aber nur dann, wenn sie unsere politischen Forderungen tragen.“, sagt Szabó. Auch wenn die Zeit für eine
solche Alternative in Ungarn, eine grüne Reihe im Parlament, längst überfällig zu sein scheint, eine Enttäuschung bei den Wahlen im April ist nicht auszuschließen. Doch Ideale gehen oft weite Wege.
Tibor Wilhelm Benedek
Weitere Infos: www.lehetmas.hu
Der dritte Weg?
Eine „andere Partei“ für die Europawahl, im Gespräch mit Benedek Jávor
Gehts wirklich auch anders?
Ungarns Parteien zur Europawahl 2009 - Teil 2: LMP-HP
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