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(c) Pester Lloyd / 11 - 2010 BUDAPEST 19.03.2010
Stelze nun unfrittiert
Das Paulaner Brauhaus in Budapest hat nun wirklich bayerische Küche
Vor Jahren zog erst der deutsche, dann der österreichische Stammtisch enttäuscht von dannen. Keine bayerische Küche, die diesen Namen verdiente, pampiges
Personal und desinteressiertes Management im Paulaner Sörház. Doch alles hat sich kräftig gewandelt. Man kann hier zünftig bayerisch essen und sogar das Personal ist flink und fröhlich. Ein Wiederbersuch.
Als das Paulaner Bierhaus vor ein paar Jahren im Budapester MOM-Park seine Tore
öffnete, dauerte es nicht lange und das deutsche (bayerische) Brauhaus hatte seinen deutschsprachigen Stammtisch. Allerdings nicht lange. Und weil es in der ganzen Stadt
(mal vom Király Haxn Étterem abgesehen) keine so typische, urige Kneipe gab, nistete sich nach dem Abzug der Deutschen der Stammtisch und Wirtschaftsclub der
Österreicher hier ein. Aber auch die tranken nur einen Sommer...
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Schuld an allem war nicht das Bier, wobei das Paulaner für einen richtigen Bierkenner
schon etwas gewöhnungsbedürftig ist. Nein, das Bier war es nicht unbedingt. Vielmehr die Speisen sind es gewesen, die zwar auf der Speisenkarte als Schmankerln aus dem
Bayernland angekündigt wurden, dann aber als magyarisierte Hochpreisvarianten auf den Tischen landeten, die oft nur noch den Namen mit dem Original gemeinsam
hatten. Stellte man den Kellner zur Rede, bekam man gar keine oder eine patzige Antwort. Das war aber dann auch schon das einzige Bayerische an diesem Paulaner. Der
Hauptgrund blieben die Haxen. Wie hatten wir uns gefreut, nun endlich glaubten, eine Kneipe gefunden zu haben, bei der das Eisbein, die Stelze, die Haxe nicht nach Art der
ungarischen Bäuerin, als eine Art Gulasch aus der Küche kam.
Was aber hier im Paulaner serviert wurde, ging gar nicht: Haxe frittiert! Nach ein paar
heftigen Diskussionen mit Kellnern, Küchenpersonal und Geschäftsleitung – die uns eine Art Hausverbot ob unserer Gastrokritik aussprach – verließen erst der deutsch, dann
der österreichische Stammtisch diese unbayerisch-ungastliche Stätte.
Jahre sind vergangen. Dieser Tage trieb uns der Durst mal wieder ins Paulaner
Bierhaus. Am Bier hat sich nichts verändert, aber an allem anderen durchaus: Die Kellner sind einfach gut drauf, flink, freundlich und mehrsprachig. Die Speisekarte
kommt auch in einem sehr lesbaren Deutsch (wo hat man das schon?) als eine Art Vorlegelätzchen auf den Tisch. Und von dort verlockte uns – wieder - die „Knusprige
Schweinsstelze mit bayerisch Krauund Serviettenknödel“ (Original Text) für 2.950 Ft. (12,50 EUR)
Was diesmal aus der Küche kam, konnte sich sehen und noch mehr schmecken lassen.
In München sind die Stelzen auch nicht knuspriger, schmackhafter und presiwerter. Auch die Serviettenknödel waren locker und schmackhaft, und das Kraut konnte sich
durchaus „bayerisches“ nennen. Aber auch all die anderen Speisen wie z.B. Nürnberger Bratwurst, halbe Ente, Liptauer Kaas (Käse), Weißwurst mit süßem Senf oder der
Leberkäse entsprechen durchweg deutschen (also bayerischen) Ernährungsgewohnheiten.
Manch einer fühlt sich hier wie zu Hause, obwohl die Speisenkarte auch noch reichlich
ungarische Gerichte bereit hält. Für Ungarn, die schon immer mal nach Bayern wollten, ein idealer Ort zum kennenlernen zunächst der Küche (Chef ist Mátyás Papp). Und für
Deutsche eine gemütliche Insel, um aufkommendes Heimweh zu ertränken – oder besser mit einer nunmehr unfrittierten Stelze zu ersticken... Sonntag von 11 bis 15 Uhr ist das sogar mit 20% Rabatt möglich.
Paulaner Sörház im MOM-Park
Tel.: 224-2020 www.paulanersorhaz.hu paulaner@t-online.hu
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