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(c) Pester Lloyd / 11 - 2010  BUDAPEST 15.03.2010

 

Bier und Manga

Angeregte Atmosphäre bei fairen Preisen: das „Szóda“ in der Wesselényi utca

„An einem Donnerstagabend ist es fast unmöglich, irgendwo in der Innenstadt auch nur einen Sitzplatz zu bekommen!“ - mit diesen Worten bügelt unsere hübsche Begleitung den Vorschlag, den Laden zu wechseln, ab. Geboren ist diese offensichtliche Wahnsinnsidee in der Tatsache, dass das Restaurant „Szóda“ so vor Gästen überquillt, dass wir unsere Beine am Tisch nicht sortiert bekommen.

Die Decken und oberen Drittel der Wände sind mit kunstvollen, in schwarz-weiß gehaltenen Mangazeichnungen geschmückt. An den Seitenwänden des langgezogenen Raumes stehen rote Sofas, in der Mitte Tischgruppen mit Blick auf die lange Fensterfront zur Straße. Unverkrampftes Ambiente, leicht alternativ, etwas Retro, wie auch der Name. Die Szodá-Sprudelflasche, dieses unvermeidliche Utensil des ungarischen Lokals, hängt ein bisschen über den Räumen. Im Eingangsbereich eine Bar mit zwei Kellnerinnen, von denen die eine gerade so über den Tresen schauen kann.

400 Forint (1,50 EUR) für einen halben Liter Pilsner Urquell sind ein ehrlicher Preis. Die stark tätowierte Tresenkraft gibt mir mein Bier und wünscht mir einen schönen Abend, während der betrunkene Kerl neben mir sich die halblangen fettigen Haare aus dem Gesicht streicht und Anstalten macht, mir ein Gespräch aufzudrücken.

In der Mitte des Raumes sieht man angeregt und gestenreich diskutierende Gruppen im Alter von Mitte Zwanzig bis Mitte Dreißig. Hinter der Reihe von Tischen, an die lange Fensterfront gedrängt, sitzen Pärchen, und solche, wo mindestens einer möchte, dass sie einmal ein Pärchen werden, und genießen ihre Zweisamkeit. Oder eben auch nicht, wie offenbar wird, als sich ein Mädchen wortlos erhebt, ihren Tischpartner anschaut, den Kopf schüttelt und die Bar verlässt.

Die Kneipe scheint vornehmlich von Einheimischen besucht, allerdings sind die unvermeidlichen Touristen natürlich auch hier zu finden, wenn auch in geringer Zahl (und, um ehrlich zu sein, Touristen sind wir ja auch).

Auf die Frage an meine Begleiterinnen, die sich gerade über ihr Engagement in der alternativen Partei LMP unterhalten, ob der Kellerraum heute noch zur Disco wird, bekomme ich eine verneinende Antwort. Nur am Wochenende sei diese geöffnet, dann aber definitiv einen Besuch wert. Schade, so muss ich weiter Gäste beobachten. Die Gruppe männlicher Besucher einen Tisch hinter uns hat soeben bemerkt, wie sich eine unserer Begleiterinnen den Pullover auszieht und dies mit vielfachen, wohlwollenden Blicken wortlos kommentiert. Der betrunkene Kerl vom Eingang verlässt soeben zur sichtlichen Freude der Tresendamen das „Szóda“, während sich unser Tischgespräch den Feinheiten des ungarischen politischen Systems nähert.

Nachdem ich die angenehme Atmosphäre der Kneipe aufgenommen hab, wende ich mich geistig der Musik zu. Eine gute Mischung aus 90er Jahre elektronischer und aktuellerer Musik, die aber nicht so laut oder penetrant aus den Boxen dröhnt, dass sie einen jeden Gesprächsversuch sofort unterbinden würde. Wir bleiben noch einige Stunden im „Szoda“, unterhalten uns, trinken und lassen den Abend schließlich mit dem Beschluss ausklingen, hier noch häufiger einzukehren.

Wie ich bei meinem Besuch am nächsten Morgen feststelle, kann man es auch tagsüber sehr gut aushalten: aus den Lautsprechern kommt 70er Rockn Roll, die Kellnerin hinter dem Tresen wippt dazu im Takt, ältere Damen genehmigen sich ein Schnäpschen, und im Gegensatz zum vorangegangenen Abend kommt das an den 50er Jahren orientierte, in rötlichen Tönen gehaltene Interieur voll zur Geltung. Einziger Wermutstropfen ist das überteuerte W-Lan: 1.300 Forint muss man für das Passwort löhnen. Alles in allem aber ist das „Szóda“ aber eine gute Adresse, um in angenehmer Atmosphäre ein paar Stunden zu verbringen.

Sven Freitag

Szoda, Budapest, Wesselényi utca 18
Öffnungszeiten: 8-5 Uhr
http://www.szoda.com

Fotos: szoda.com
 

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