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(c) Pester Lloyd / 12 - 2010 WIRTSCHAFT 24.03.2010
Baden in EU-Millionen
Wofür Ungarn EU-Gelder ausgibt: drei Beispiele aus dem Tourismus
Das Thermalbad in Sárvár erhält einen neuen Flügel, mehr Saunen und wird vor allem familienfreundlicher. Flickwerk hingegen bleiben die Fahrradwege in
Ungarn, obwohl man hierfür fast 100 Mio EUR zur Verfügung hätte. Im Osten des Landes versucht man durch die Rettung alter Kirchen und Gemäuer eine Basis für
den Tourismus von Morgen zu schaffen. Ein Rundblick.
Das Bad in Sárvar wird ausgebaut Stadt und Hoteliers profitieren gleichermaßen
Die Nationale Entwicklungsagentur, jene dem Wirtschaftsministerium
angegliederte Behörde, die in Ungarn für die Verteilung und Kontrolle der EU-Beihilfen und -förderungen zuständig ist, gibt die Freigabe von 3 Milliarden Forint (ca. 11,3 Mio EUR) für den
Aufbau des großen Thermal- und Wellnesbades in Sárvár bekannt. Mit den Geldern soll der Komplex auf internationale Höhen erhoben werden, auf das noch mehr Touristen angelockt werden und
Einheimische Erholung und Entspannung finden. Am 19. März wurde der Grundstein für das "Multi-Generationen Spa-, Gesundheits- und Tourimsuszenturm" durch Sozialminister
Péter Kiss gelegt. Betont wird, dass die Belastung der Umwelt durch Bau und Betrieb des Bades durch den Einsatz alternativer Energiequellen minimal sein wird.
Auf dem Plan des Projektes steht ein neuer "Indoor"-Familienflügel, der ganzjährig
geöffnet sein wird, allein 900 Mio Forint des Budgets werden dafür investiert. Dazu gehören eine Baby-Pool, ein Kinderbecken mit Rutschen und diversen Wasserspielchen,
daneben ein Entspannungsbecken für die Eltern, in Sichtweite zu den Kindern. Der Bereich wird eine eigene "Baby-Welt" erhalten, mit Wickelbereich, Küche, Ruheraum,
Spielzimmer, damit auch Kinder unter drei Jahren in den Genuss ihrer aufwendigen Logistik kommen. Hinzugebaut wird außerdem ein Wellenbad, drei verschiedene
Wasserrutschen, eine davon führt auch ins Außenbecken. Die Erweiterung ermöglicht den gleichzeitigen Einlass für 450 Personen. Hinzu kommt ein Fitnessbereich mit
separatem Eingang, erweitert wird auch die "Sauna-Welt", um einen Eiskeller, eine finnische Sauner, eine Salzkammer, ein Jacuzzi und eine Vitaminbar. Der
Entspannungsbereich soll aufgefrischt und "mediteranisiert" werden.
Ungarn konnte sich die Mittel sichern, da
der Wellnesstourimus als strategische Industrie ausgewiesen und so auch von Brüssel akzeptiert worden ist. Die Hilfen sind also struktureller Natur. Das in Besitz
der Stadt befindliche Bad stellt sich damit jedoch nicht in Konkurrenz zu den privaten Anbietern in Sárvár, im Gegenteil, das Angebot erhöht die Attraktivität des gesamten Ortes enorm und lockt, so der
Plan, zahlreiche weitere Gäste an, ohne dass die Privathotels gigantische Investitionen in eigene Wellnessprojekte wagen müssten.
Bad Sárvár und das Schloss
www.badsarvar.hu Das Spirit-Hotel in Bad Sárvár
Fahrradwege bleiben Flickwerk - Masterplan wäre nötig
Dieser Tage wurde ein weiterer neuer Abschnitt bei Újfehértó in der Puszta nördlich
von Debrecen übergeben. Für 160 Mio Forint wurden die Wege verbreitert, mit Drainagen, Wasserpumpen und Rastplätzen versehen und der Radweg bis zum Bahnhof
durchgeführt. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Ungarn kann im EU-Finanzrahmen von 2007-2013 rund 26 Milliarden Forint (fast 100 Mio EUR) allein für neue Fahrradwege aus
EU-Mitteln beziehen. Diese Investitionen sind auch dringend geboten, das Angebot von Fahrradwegen, vor allem ihre Durchgängigkeit und Qualität ist noch unter jeder Kritik,
auch wenn sich in einigen Bereichen (z.B. Budapest-Szentendre) und innerstädtisch einiges getan hat.
Ein bisschen bescheiden ist die Bilanz seit 2004 dennoch, denn seit damals sind gerade
80 Kilometer neue Radwege an 11 verschiedenen Orten enstanden. Immerhin kann man jetzt um den Tisza-See fahren, wie erwähnt ist die Strecke Budapest-Szentendre und
weiter Richtung Visegrád besser geworden, aber längst nicht durchgängig. Durch die kleinteiligen Genehmigungsverfahren entlang der Gemeinden, kann es passieren, dass
Radwege urplötzlich aufhören, andere kaum gewartet oder als Parkplätze missbraucht werden. Auch ein Masterplan für die überfällige Verbindung mit dem aus der Slowakei
kommenden Donauradweg fehlt immer noch, obwohl der geradezu einen Boom von Radtouristen auslösen könnte, wie ein Blick nach Österreich, wo dieser Weg nämlich
hervorragend ausgebaut ist, beweist. 240 Kilometer, so verrät uns die Nationale Entwicklungsagentur jetzt, stehen bis 2013 noch auf dem Plan, sind genehmigt und durchfinanziert.
regiok.happybike.hu www.cyclehungary.com
Religöses Erbe als Basis für Wirtschaftswachstum
"Glaube und Gesundheit", so nennt sich ein
"religöses Tourismusprojekt" der Gemeinden Máriapócs und Nyírbátor, unweit von Nyíregyháza, dass die Nationale Entwicklungsagentur nun mit den entsprechenden Finaznmitteln ausstatten konnte.
Das Gesamtporjekt beläuft sich auf 3,4 Mrd. Forint (12,8 Mio EUR), 2,4 Mrd. davon (also rund 9 Mio EUR) kommen aus EU-Mitteln. Hierbei geht es sowohl um den Erhalt und die Rekonstruktion von
alten Kirchen- und Ordensbauten als auch um Projekte, die Wallfahrts-, Kultur- und Gesundheitstourismus verbinden sollen. Dutzende kleinerer Kapellen, alter Klöster, einer hier seltenen
griechisch-katholischen Kirche mit einem sagenhaften Ikonen-Altar (Foto) und viele andere Bauwerke sind nur zum Teil renoviert, vor allem kleinere Baudenkmäler in einem erbärmlichen Zustand.
Gerade dieses Erbe wäre in der strukturschwachen Nordostregion ein gutes Startkapital
um den Tourismus anzukurbeln, auf Folgeinvstitionen hofft dann auch das Wirtschaftsministerium. Das funktioniert aber nur, wenn die alten Gemäuer herzeigbar
sind und es drumherum eine Infrastruktur gibt, die Übernachtungen, Gastronomie, Transport, aber auch Wellness und Kulturprogramme ermöglicht. Die Gelder fließen also
sowohl in Renovierungsarbeiten, aber vor allem auch in die Umgebung der Basilika von Máriapócs, für Beschriftungen, den Ausbau einer Promenade, Bepflanzungen, weiterhin
in den Ausbau des örtlichen Thermalbades und vieles mehr.
www.mariapocs.hu
-red
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