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(c) Pester Lloyd / 12 - 2010 BUDAPEST 23.03.2010
Authentizität im Badeanzug
Untouristisch: das Lukács-Bad in Budapest
Der einzigartige Vorteil des Lukács Bades besteht darin, dass es durchgängig ohne die Trennung der Geschlechter auskommt. Es ist immer für Mann und Frau
geöffnet und auch wenn ein Bad mit Geschlchtertrennung manchmal vielleicht lässigere Problemlosigkeit schafft, so ist ein Familienausflug damit fast unmöglich und niemals spontan.
Das Lukács Bad entstand erst 1842 im nördlichen Teil des Stadtzentrums in Buda als
Teil eines Krankenhauskomplexes. Die neoklassizistische Bauweise ist jünger und ohne römische Tradition, dafür großzügiger und weitläufiger angelegt als andere Bäder. Der eventuell Rheuma geplagte und
überarbeitete Besucher hat die Möglichkeit eines Schlammbades, Bewegungsbades, Unterwassertraktionen und einer Behandlung mit Kohlensäure zur allgemeinen Erfrischung der Glieder.
Eingang in das Badeparadies verschafft wie
immer die Proxy Watch und ein Ticket für Außenbecken, Thermalbadbereich und Sauna. Ein kombiniertes Ticket kostet mit Kabine 2900 HUF, immerhin 11,50 EUR. Das Bad
scheint weder frisch renoviert noch ganz vergessen worden zu sein. Vielleicht könnte man schmeichelnd ein Zeitlos als Beschreibung erfinden.
Das Gewichtsbad lässt alte Männer bis zum Kinn im Wasser verschwinden und Damen
mit Hauben tummeln, dehnen, strecken sich bei der Gymnastik. Das Bad ist symmetrisch aufgebaut. Das Außenbecken, geteilt in einen “Erlebnisbereich“ mit
Whirlpool, Strudel, Wasserfontänen und Liegeplätze im Wasser und in den Sportbereich mit markierten Bahnen ist umschlossen von dem Flügel mit Heil- und
Gesundheitsbecken und auf der anderen Seite dem Thermalbadflügel. Nach einiger Fragerei hatte auch ich diesen Bereich gefunden und konnte im gedämpften Licht
verschiedene Wassertemperaturen ausprobieren. Die Hitze reicht von 24 bis 40 Grad.
Die Menschen in den Becken schwatzen,
tratschen, schnarchen und schnorcheln um die Wette. Die Stimmung ist ausgelassen entspannend und irgendwie macht jeder was er möchte ohne andere wirklich zu stören und sich
gestört zu fühlen. Anders als im hell erleuchteten Széchenyi Bad in der jede Bewegung des Körpers eingebildete Beobachter findet, legt das gedämpfte Licht einen Schatten
über Kopf und Geist und andere. Ruhe und strafende Blicke bei jedem überflüssigen Wort findet man in der Sauna und im Ruhebereich mit modernen Liegen aus dunklem Bast.
Neben dem wirklich schönen Außenbecken und
der Möglichkeit den Badbesuch sportlich frisch gegenüber zu treten ist das der Kneipptherapie nachempfundene Kaltwasserbecken mit
Steinauslage zu empfehlen. Der bröckelnde gelbe Putz im Innenhof steht im Gegensatz zum strahlenden Eingangsbereich. Die international beschrifteten Tafeln mit Hinweisen
aus anderer Zeit stehen im Kontrast zur Sprachlosigkeit des Personals. Das Lukács Bad ist untouristisch und ungarisch – so viel man es gerade möchte.
Katherin Wagenknecht
Lukács Bad Frankel Leó u. 25-29, 1023 Bp.
Öffnungszeiten: Das Schwimmbad ist geöffnet Mo - Sa 6 - 19 Uhr, So 6 - 17 Uhr Thermalbad: Mo - Fr 6 - 19 Uhr, Sa und So 6.30 - 13 Uhr. Weiterführende Informationen: http://www.budapest-service.de/lukacs-bad.shtml
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