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(c) Pester Lloyd / 12 - 2010  POLITIK 25.03.2010

 

Knödel, Kraut und Gulasch

Verbaler Amoklauf des Ex-Premiers von Tschechien

Die Wahlkämpfe in den drei CEE-Staaten Slowakei, Tschechien und Ungarn sind im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Tiefgang betrachtet, eher beängstigend flach geraten, - langweilig sind sie aber ganz sicher nicht. Jeden Tag fliegt irgendwo ein neuer Böller in den Himmel und schreibt den Namen eines ausgesucht dämlichen Politikers ins Firmament. Dabei werden die Portagonisten immer berühmter, jetzt kommt sogar ein Ex-Premier ins Spiel.

Der ehemalige Regierungschef Tschechiens, Miroslav Topolánek von den Bürgerlichen Demokraten (ODS), schaffte es mit einem einzigen Interview fast sein gesamtes Land zu beleidigen. In einem Gespräch mit dem Homosexuellen-Magazin LUI zog er vom Leder, dass die Balken krachten und er nur knapp einer Amtsenthebung seiner Partei ODS entging. Er versprach nach einer Sitzung des Parteivorstands, seine Auftritte im Wahlkampf nun moderater gestalten zu wollen und seinen Ärger über den kürzlichen Machtverlust an die Sozialdemokraten nicht an allen möglichen Rand- und Volksgruppen abzuarbeiten.

In dem Schwulenmagazin LUI meinte er, dass die katholische Kirche "durch Gehirnwäsche Kontrolle über die Menschen erlangt habe", dass Verkehrsminister Gustav Slamecka durchaus anzumerken ist, dass er schwul sei, da er "immer wenn es hart zur Sache geht, einknickt." Bei Jan Fischer (derzeitiger Premier) verhielte es sich so, dass der zwar nicht schwul, aber "einfach ein Jude ist", der "noch schneller weich wird" als der schwule Verkehrsminister. Das habe nichts damit zu tun, dass er schwul sei, er sei eben einfach ein Schwächling.

Als er mit den derzeit Regiernden fertig war, nahm er sich den Rest "seines Volkes" vor und sagte, die Tschechen bestünden im Prinzip aus nicht viel mehr als aus "Knödel, Kraut und Gulasch", den meisten von ihnen gehörte "einmal ordentlich in den Hintern getreten". Schade, dass er nicht zu seiner Nacktparty in der von Berlusconi angemieteten Villa befragt wurde, bei der er mit aktionsgeladenem Gemächt fotografisch überführt wurde, sicher hätte er noch viel aufschlussreiches über die Qualität italienischer Prostituierter und die Potenz der dortigen Politeliten verraten können.

Mitglieder seiner Partei und andere einflussreiche Politiker, darunter Parlamentspräsident Premysl Sobotka, forderten seinen Rückzug als Spitzenkandidat für die Wahlen im Mai sowie seine Ablösung als Parteichef. Dass die ODS bei ihrer heutigen Sitzung einen Rückzieher machte und Topoláneks halbherzige Entschuldigung als ausreichend akzeptierte, kommentieren die politischen Gegner mit Hohn und Spott. Nun, so Vertreter der Sozialdemokraten, könne man keinen Unterschied mehr machen zwischen den Äußerungen des Ex-Premiers und der Meinung seiner Partei. Die hatte es sich indes nicht leicht gemacht, tagte sie doch 12 Stunden hinter verschlossenen Türen.

Nach Mediengerüchten soll Topolánek seinen Rücktritt angeboten haben, eine Abstimmung habe ihm aber sehr knapp das Vertrauen ausgesprochen. Die ODS lag schon vor dem Skandal in der Wählergunst deutlich hinter den Sozialdemokraten zurück, nun könnte ihr eine noch schlimmere Niederlage drohen. Die neue Partei von Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg könnte als Sieger auf der bürgerlichen Seite der Parteinlandschaft hervor gehen.

-red.

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