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(c) Pester Lloyd / 13 - 2010 WIRTSCHAFT 30.03.2010
Böse Überraschung
Über den sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ungarn wundern sich auch Experten
Auch wenn für Ungarn ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit für 2010 erwartet worden war, der Sprung von 0,6 Prozentpunkten von einem Monat zum anderen
überraschte dann sogar diverse Experten. Nach den Projektionen der Volkswirte hatte man mit den jetzt für Dezember - Februar gemeldeten 11,4% überhaupt
erst in der zweiten Jahreshälfte gerechnet, nun sind sogar bald 12% und mehr denkbar.
Die Arbeitslosenrate in Ungarn erreichte
im Zeitrraum von Dezember bis Februar mit 11,4% den höchsten Stand seit 16 Jahren und stieg gegenüber dem Zeitraum von November bis Januar deutlich von damals 10.8%, während sie
sich im Herbst noch relativ stabil bei 10,5% halten konnte. Der sprunghafte Anstieg zu Jahresbeginn belegt die Befürchtungen von Wirtschaftsexperten, wonach der Arbeitsmarkt noch das ganze
Jahr 2010 eine negative Entwicklung aufwiesen könnte.
Noch Mitte 2008 waren in Ungarn lediglich 7,5% offiziell als Arbeitslose registriert, der
tiefste Stand war 2007 rund 7,0 %. Derzeit sind 478.700 Menschen offiziell arbeitslos, 101.000 mehr als vor einem Jahr. Im Schnitt der Monate Dezember bis Februar waren
in Ungarn 3,726 Millionen Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Die Beschäftigtenreate (15-74 Jahre) betrug danach 54,7%. Die
Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jahre) beträgt 27,5% und ist damit 4,4 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.
Grafik: Veränderung Zahl der Beschäftigten / Arbeitslosenrate. Quelle: KSH
Ca. 24.000 Jobs fielen allein im Februar dem Rotstift zum Opfer, im Jahr zuvor waren
es doppelt so viele, allerdings meldeten sich in diesem Februar deutlich mehr arbeitslos und vermittelbar. Nun prognostiziert man für das erste Quartal 2010 einen Wert von
12% "oder sogar leicht darüber", wie Dávid Németh, Volkswirt bei der ING Bank in Budapest glaubt. Die "Straße zur Arbeit"-Programme, welche von der Regierung in der
Krise aufgelegt wurden, können die Entlassungen aus der Privatwirtschaft längst nicht mehr so kompensieren wie zu Anfang.
Eine kleine Hoffnung bietet zwar der übliche saisonale Aufschwung in der
Landwirtschaft, dem Baugewerbe und im Fremdenverkehr, doch man ist sich mittlerweile einig, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt kaum unter den jetzt
erreichten Wert von elfeinhalb Prozent sinken können wird. Vor allem im Baugewerbe sieht es trübe aus, laufen in diesem Jahr nämlich auch etliche regierungsgestützte
Investitionen aus. Zwar gibt es eine ganze Reihe von EU-geförderten Infrastrukturmaßnahmen, doch deren Volumen allein kann nicht eine ganze
Volkswirtschaft stützen. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 0-0,3% wird für Neueinstellungen in messbaren Ausmaßen ohnehin zu gering sein, die Binnennachfrage,
das zeigten die letzten Einzelhandelszahlen, ist es sowieso.
Auch die von Fidesz-Chef Orbán angekündigte deutliche Reduzierung im öffentlichen
Dienst, vor allem bei Gemeinden und Komitatsbehörden, wird den Druck auf den Arbeitsmarkt weiter erhöhen, auch wenn man den Stellenabbau ohne direkte
Kündigungen bewerkstelligen kann. Die angekündigten 1 Million neuen Arbeitsplätze in zehn Jahren, wird selbst er kaum aus dem Hut zaubern können.
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