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(c) Pester Lloyd / 13 - 2010 KULTUR 29.03.2010
Die eitle Meerjungfrau
Dänische Künstler testen in Budapest mit "Power Games" die Fundamente der Demokratie
Eine Möglichkeit der Kunst ist das Vermitteln und das Anklagen, das Zweifeln und Kritisieren bis zur überzogenen und verzerrten Darstellung gesellschaftlicher
Wirklichkeit um mit Hilfe künstlerischer Mittel Schlaglöcher und Unebenheiten aufzuzeigen. Die Ausstellung „Power Games“ im Ludwig Museum Budapest
bedient sich dieser Alternative von Kunstlegitimation. Noch bis zum 30. Mai kann man sich Kunstwerke, Installationen und audiovisuelle Umsetzungen zum Thema
Demokratie anschauen und wird zum Denken eingeladen.
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Die überwiegend dänischen Künstler agieren im Zwischenraum von Politik, Gesellschaft,
Umbruch und Kontinuität. Politische Machtstrukturen sollen offenbart werden und deren Einflüsse und Missgünste auf soziale Beziehungen kommentiert im Kunstwerk
debattiert werden. Die Verbindung zwischen Dänemark und Ungarn sind die gesellschaftlichen Probleme und Unruhen. Die Ausstellung thematisiert sowohl
brennende Autos in dänischen Großstädten als auch die Diskriminierung der Roma in Ungarn. Die Zusammenstellung der insgesamt zehn verschiedenen Installationen und
Werke bieten damit unzählige Ansätze zum Vergleich und der näheren Betrachtung.
Eine ästhetische Annäherung an komplexe politisch-soziale Befindlichkeiten ist vielleicht
die rettende Perspektivveränderung um Verdrossenheit und Überfluss in bereits geführten Debatten zu überwinden und neue Blickwinkel vorzustellen und zu etablieren.
Das dänische Nationalsymbol, die Meerjungfrau auf einem Felsen im Meer, wird im Zuge der Kunstprojektion von Michael Elmgreen und Ingar Dragset eine eitle Schönheit
mit Spiegel. Zwei Räume weiter brennt, auf Filmrolle gebannt, ein leeres Auto. Der Kurzfilm verarbeitet das klassische Sinnbild gesellschaftlicher Vorortunruhen in Europa.
Das in Flammen stehende Auto als Metapher für das Zertrümmern der nicht mehr funktionalen Gesellschaft.
Die künstlerische Vereinigung „Superflex“ versucht die mediale
Repräsentation und die damit verbundene Verzerrung wieder zu spiegeln. Eine chronologische Aneinanderreihung der sogenannten „Seite 9 Mädchen“, die ihre Weiblichkeit plakativ und öffentlich
zur Schau stellen, versucht Tendenz und Entwicklung der Emanzipation der Frau nach zu vollziehen und gleichzeitig ab absurdum zu führen.
Der offizielle Untertitel zur Ausstellung lautet: Testing the Grounds for Contemporary
Democracy – die Möglichkeiten moderner Demokratie sollen hinterfragt und dem Ernstfall ausgesetzt werden. Kapitalismus wird dem Besucher in drei Hypnosesitzungen
erklärt und in einem aufgezeichneten Interview spricht eine romastämmige Frau über eine diktatorische Tendenz in der parlamentarischen Republik Ungarn.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Arbeit von Bosch und Fjord. Mit den
Fragen „Was ist in öffentlichen Räumen verboten und sollte erlaubt werden?“ und der negativen Verkehrung „Was bereits erlaubt sei, aber der persönlichen Meinung nach
verboten gehöre“ soll eine Diskussion über Privateigentum und –Sphäre in Abgrenzung zum öffentlichen Raum. Im gleichen Moment zeigen die teilweise sich gegenseitig
ausschließenden Antworten und Vorschläge die Schwierigkeit der Demokratie auf der Suche nach einem allgemeinen Konsens. Die Arbeit zu sehen im Ludwig Museum ist eine
Adaption einer in Göteborg ausgestellten Installation des Künstlerduos.
Katherin Wagenknecht
Ludwig Museum – Museum of Contemporary Arts Komor Marcell utca 1, 1095 Bp.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr Eintrittspreis: 900 HUF, ermässigt 450 HUF Kostenlose Führungen jeden Donnerstag: 18 Uhr in Ungarisch, 19 Uhr in Englisch Weiterführende Informationen
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